Wirtschaft
17.08.2018

Insolvente Modekette Vögele: bis zu 30 Filialen könnten geschlossen werden

Vier Interessenten haben unverbindliche Kaufangebote abgegeben, nur zwei davon sollen gute Chancen auf die Vögele-Übernahme haben.

Die Chancen für die Rettung der insolventen Modehandelskette Charles Vögele Austria (711 Beschäftigte, 102 Filialen) sind gestiegen. Bis zur Deadline am vergangenen Donnerstag haben sogar vier Interessenten unverbindliche Übernahmeangebote beim Grazer Insolvenzverwalter Norbert Scherbaum abgeliefert. Das bestätigte Scherbaum am Freitag dem KURIER. Nun hat er die zweite Phase eingeleitet. Nach einer Evaluierung dieser indikativen Angebote am Montag soll es dann ans Eingemachte gehen. Bis nächsten Donnerstag müssen die potenziellen Käufer ihre verbindlichen Angebote vorlegen. Nach am selben Tag wollen Scherbaum, die Gläubigervertreter und das Konkursgericht mit den Interessenten die endgültigen Verkaufsverhandlungen beginnen. Das ist jedenfalls der Plan. Dem Vernehmen nach sollen aber nur zwei der vier Interessenten gute Chance haben, zum Zug zu kommen. Sie verfügen über die nötige Finanzkraft für den kurzfristigen Einkauf der Herbst-Winter-Kollektion bzw. über ein entsprechendes Warenlager.

Schaltstelle Schweiz

Offen ist, ob Insolvenzverwalter Scherbaum mit der zahlungsunfähigen Schweizer Vögele-Konzernmutter eine Lösung findet. Um die Österreich-Tochter en bloc verkaufen zu können, müssen die Schweizer die Gesellschaftsanteile von Charles Vögele Austria an Scherbaum abtreten. Zugleich müssen Konzernforderungen gegen die Österreich-Tochter und Haftungen der Tochter für die Schweizer Mutter so gut wie wegverhandelt werden. Nur dann rechnet sich ein Sanierungsplan mit 20 Prozent Gläubigerquote für den Käufer. In ihren Angeboten müssen die Käufer genau festlegen, wie viele der 102 Filialen sie übernehmen wollen. Dass es zu einem empfindlichen Einschnitt aufgrund der Pleite kommen wird, liegt auf der Hand. Wie berichtet, gab es mit einem Interessenten schon vor der Pleite weitreichende Verhandlungen zur Übernahme von Charles Vögele Austria. Damals wollte dieser 72 der 102 Filialen weiterführen.