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Wirtschaft
12/05/2011

Insiderhandel bei US-Abstufung?

Die US-Börsenaufsicht hegt den Verdacht, dass die Herabstufung der USA schon im Vorfeld bekannt wurde und daraus Gewinne erzielt wurden.

Haben einige Großinvestoren aus dem Leid einer ganzen Nation Kapital geschlagen? Als die USA ihre Spitzennote bei der Kreditwürdigkeit verloren, rauschten die Märkte nach unten. Nach einem Bericht des Wall Street Journal hegt die US-Börsenaufsicht SEC nun den Verdacht, dass die Herabstufung des Ratings schon vor der offiziellen Verkündung durchgesickert war. Wer rechtzeitig auf fallende Kurse gesetzt hatte, konnte somit dicke Gewinne einstreichen.

Die SEC habe von einer ganzen Reihe von Hedge-Fonds und anderen Finanzfirmen Informationen über bestimmte Geschäfte kurz vor der spektakulären Ratingentscheidung angefordert, schrieb die Zeitung am Dienstag mit Verweis auf Insider. Es sei aber unklar, an welche Adressaten sich die Anfragen gerichtet hätten. Die Behörde selbst wollte sich nicht äußern.

Downgrade am 5. August

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hatte am späten Freitagabend, dem 5. August, die US-Bonität von der Bestnote "AAA" auf "AA+" herabgestuft. Das kam für die meisten vollkommen überraschend, hatten die Politiker in Washington doch erst drei Tage zuvor eine Lösung im Schuldenstreit gefunden und damit die Zahlungsunfähigkeit des Landes abgewendet. Am darauffolgenden Montag, als die Börsen wieder aufmachten, stürzte der Leitindex Dow Jones um fast 6 Prozent in die Tiefe. So massiv waren die Kurse seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr eingebrochen.

Nach Angaben der Zeitung kursierten schon den ganzen Freitag über unter den Börsenhändlern Gerüchte über eine anstehende Herabstufung - woher sie kamen, ist unklar. Hatte jemand bei S&P geplaudert? Die Ratingagentur verwies auf ihre strengen Richtlinien. Diskretion ist alles in dem Geschäft. Welchen Aufruhr ein Ratingschnitt auslösen kann, zeigte am Dienstag die Herabstufung des wesentlich kleineren Italien durch S&P.

Ein Insidergeschäft nachzuweisen, ist allerdings schwierig. Die Märkte sind seit der Schuldenkrise in Europa und den USA im Dauerstress und unübersichtlicher denn je. Mal geht es steil nach oben, dann wieder steil nach unten. Auf welchen Informationen ein Geschäft beruht, ist kaum nachzuvollziehen. Die Nutzung von Insiderwissen ist verboten, weil es andere Marktteilnehmer benachteiligt. Die US-Behörden verfolgen Insiderhandel nach spektakulären Fällen wie dem des Hedge-Fonds-Gründers Raj Rajaratnam mit besonderer Härte.

Der Hedgefonds-Gründer war im Mai des heurigen Jahres von Geschworenen für schuldig befunden worden, im großen Stil verbotene Aktiengeschäfte getätigt zu haben. Tippgeber haben ihm mehrfach Geheimnisse aus börsennotierten Unternehmen verraten. Mit diesem Wissen hat Rajaratnam dann an der Börse spekuliert und Millionenprofite eingestrichen. Mit Rajaratnam war ein ganzes Insider-Netzwerk aufgeflogen - die Wall Street war geschockt.

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