Nissan Motor staff work on engines at the Zona Franca Nissan factory near Barcelona May 23, 2012. REUTERS/Albert Gea (SPAIN - Tags: BUSINESS TRANSPORT)

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Wifo-Studie
07/09/2013

Innovationen bringen jährlich 19.000 Jobs

In der Forschung sei "noch einmal ein Schub" nötig, betont Ministerin Bures. AK-Chef Kaske fordert mehr Studienplätze.

In Österreich werden durch Innovationen pro Jahr rund 19.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, ergibt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Das ist etwa ein Drittel des gesamten jährlichen Beschäftigungswachstums im Land. Das Job-Plus ist bei innovativen Unternehmen grundsätzlich stärker ist als bei nicht-innovativen. "Innovationen erhöhen dauerhaft, robust und stabil die Einkommen. Selbst wenn Unternehmen schrumpfen, gibt es einen positiven Beschäftigungseffekt", betonte Wifo-Chef Karl Aiginger am Dienstag. Österreich liege bei der Forschung unter den Top-5 in Europa - vom Ziel, die Forschungsquote bis 2020 auf 3,75 Prozent des BIP anzuheben, sei unser Land mit 2,81 Prozent aber noch entfernt, "da muss bei privaten und staatlichen Geldern noch etwas getan werden". Erst gestern wurde eine internationale Studie präsentiert, die Aigingers Anliegen bestätigt. Österreich rutschte im "Global Innovation Index" um einen Platz ab, und nutzt demzufolge seine Infrastruktur- und Ausbildungsvoraussetzungen zu wenig aus (mehr dazu hier).

Bures: "Wachstum generieren"

Infrastrukturministerin Doris Bures(SPÖ) meinte, angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die öffentlichen Haushalte in Europa stehen, könne man es sich nur noch dann leisten Geld in die Hand zu nehmen, wenn daraus Wachstum und Beschäftigung generiert würden. "Wir brauchen Innovationen auch, um die Beschäftigung in Österreich halten zu können", so die Ministerin. AK-Präsident Rudi Kaske nannte die Innovationen als "einen der größten Jobmotoren" und fordert einen Ausbau der Fachhochschul-Studienplätze von derzeit 41.000 auf 60.000 im Jahr 2020.

Österreich braucht keine "Renaissance"

Bis 2020 sei in der angewandten Forschung "noch einmal ein Schub" nötig, postulierte Bures und verwies darauf, dass der Bund derzeit die Forschung bereits mit 1,2 Mrd. Euro jährlich fördere - davon 500 Mio. Euro aus ihrem Ressort (für angewandte Forschung), 130 Mio. Euro vom Wirtschaftsministerium und der Rest über die Forschungsprämien, wie Bures sagte. "Wir wollen Forschung und Produktion im Land halten", unterstrich die Ministerin und meinte, anders als die USA benötige Europa keine "Renaissance" der Industrialisierung, denn sie habe hier nie Pause gemacht. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelte es mit Forschungsausgaben proaktiv gegenzusteuern, denn Arbeitslosigkeit sei "das Allerteuerste" und berge auch die Gefahr, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft verloren gehe. Ziel bei den Forschungsausgaben sollte sein, dass ein Drittel aus öffentlichen und zwei Drittel aus privaten Mitteln kommen, also aus den Unternehmen.

Produktinnovatoren haben gegenüber Nicht-Innovatoren im Schnitt ein um 1,7 Prozentpunkte höheres Beschäftigungswachstum pro Jahr in den jeweils nächsten zwei Jahren ab einer Innovation. Die Einführung von Marktneuheiten erhöht den Jobzuwachs noch immer um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte pro Jahr - ebenso stark wie Prozessinovationen, so die Wifo-Studie unter Ägide des Experten Martin Falk. Von den 19.000 zusätzlichen Jobs pro Jahr stammen 8.000 von Produkt- und 11.000 von Prozessinnovationen - bei letzteren ist zwar der Effekt schwächer, aber es gibt viel mehr Prozessinnovationen, so Aiginger.

"Neuigkeitsgrad" kein Kriterium

Interessant ist, dass die positiven Beschäftigungseffekte unabhäng vom Neuigkeitsgrad einer Innovation gelten: "Es kommt nicht darauf an, ob ein anderes Unternehmen diese Produktinnovation bereits eingeführt hat - wesentlich ist, ob das Produkt neu aus Sicht der Firma ist." Die Einführung neuer Dienstleistungen hat mit plus 0,2 Prozent p.a. kaum einen Job-Effekt, kann aber durchaus andere positive Auswirkungen haben, wie der Wifo-Chef und der Studienautor sagten, zum Beispiel eine höhere Kundenzufriedenheit. Zirka 70 Prozent der für den Zeitraum 2006-08 im Detail untersuchten rund 3.150 Unternehmen aus Sachgütererzeugung und Dienstleistungen hatten überhaupt keine neue Produkte eingeführt - für Aiginger besteht also noch "großes Potenzial".

Rahmenbedingungen

Einschränkend betont die Studie, dass sich die empirische Analyse nur auf den Zeitraum vor der Wirtschafts- und Finanzkrise bezieht, sich die Rahmenbedingungen aber seit 2008 deutlich verschlechtert hätten. Künftige Arbeiten sollten daher untersuchen, ob sich positive Job-Effekte auch in konjunkturschwachen Perioden nachweisen lassen. Zudem müsse man bedenken, dass die Einführung neuer Produkte zu Umsatzrückgängen älterer Produkte führen könnten, mit entsprechender Rückwirkung auf die Beschäftigung; das müsse allenfalls mit Job-Gewinnen durch neue Produkte gegengerechnet werden.

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