Gerechnet wurde am Beispiel einer neuen 70m2-Wohnung

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
01/04/2021

In Wien heuer 40 Prozent weniger neue Wohnungen fertig: Preise steigen

Ein Engpass besteht nur bei neuen Eigentumswohnungen, dadurch ziehen die Preise weiter spürbar an.

Nach einem neuen Rekord 2020 werden in Wien heuer viel weniger neue Wohnungen fertig. Der Immo-Berater EHL geht von einem deutlichen Rückgang um fast 40 Prozent aus, von rund 19.000 auf etwa 11.700 Wohnungen. Das sieht man aber nicht als besorgniserregend an, sondern eher als Glättung des Peaks aus dem Vorjahr.

Das Vorjahr sei ein absoluter Ausreißer nach oben gewesen und 2021 eine Rückkehr zur Normalität, sagte Sandra Bauernfeld, Geschäftsführerin von EHL Wohnen, am Montag in einem Online-Pressegespräch. Die Neubauleistung im neuen Jahr entspreche recht genau der jährlichen strukturellen Nachfrage in der Bundeshauptstadt, die aus dem weiteren Bevölkerungswachstum und der im Schnitt sinkenden Haushaltsgröße resultiere. Auch in den kommenden drei Jahren würden die Fertigstellungen auf der Höhe bleiben, daher werde es weder ein Überangebot noch einen Mangel an modernen Wohnungen geben, so Bauernfeind.

Das Angebot an zusätzlichen Mietwohnungen wird dabei deutlich größer sein als im Eigentumswohnungsbereich, erwartet EHL. Daher würden die Wohnungsmieten wie 2020 auch in den Folgejahren auf dem aktuellen Niveau bleiben und die Steigerungen maximal im Bereich der Inflationsrate liegen, also bei etwa plus 1,5 Prozent.

Für die Wohnungsverkaufspreise in guten und sehr guten Lage rechnet EHL-Expertin Bauernfeind dagegen wegen des immer engeren Angebots mit einem Anstieg um 4 bis 5 Prozent jährlich. Dabei würden die häufigen En-bloc-Erwerbungen durch institutionelle Investoren vermutlich für 1 bis 2 Prozent des Preisauftriebs verantwortlich sein. Schon seit Jahren würden Großinvestoren in den Wohnungsmarkt gehen - sie würden kaufen um zu halten und könnten dann nur vermieten.

Während die Zahl an neuen Eigentumswohnungen, die wirklich auf dem Markt kommen - also ohne Forward-Deals ganzer Pakete -, sukzessive leicht sinkt, bleibt sie laut EHL bei Mietwohnungen höher. Für 2021 rechnet man mit 5.000 neuen Eigentumswohnungen, während es bei Mietwohnungen 6.000 sein dürften (davon ein Drittel frei finanzierte, der Rest geförderte). 2020 dürfte die Eigentumswohnungszahl bei 5.500 gelegen sein, jene neuer Mietwohnungen bei über 12.000 (davon 7.200 geförderte). Rund 5.000 neue Einheiten pro Jahr würden die Nachfrage am Markt nicht abdecken, entsprechend seien Preisanstiege zu erwarten - vergleichsweise stärker in zentrumsnahen Lage, schwächer in Stadtentwicklungsgebieten in peripheren Lagen.

In Wien sind fast 80 Prozent der Wohnungen gemietet, verweist EHL auf Daten der Statistik Austria. Den 912.000 Hauptwohnsitzen hier stehen 702.000 Mietverträge gegenüber (davon 207.000 Gemeinde- und 190.000 Genossenschaftswohnungen). Bundesweit sind es bei 3,95 Millionen Hauptwohnsitzen 1,66 Mio. Mietverträge (276.000 Gemeinde- und 666.000 Genossenschaftswohnungen).

Für die Zahl der Wohnungstransaktionen geht EHL-Expertin Karina Schunker von 14.500 im Vorjahr aus, es liegen noch nicht alle Grundbuchsinformationen vor. Von 12.500 Transaktionen 2016 bis zum Jahr 2018 habe es einen Anstieg gegeben, 2019 einen kleinen Einbruch. 2019 seien 654 Vorsorgewohnungen in Wien verkauft worden, 2020 im ersten Halbjahr 408, im Gesamtjahr dürften es 900 gewesen sein. Das Invest-Volumen habe damit im abgelaufenen Jahr vermutlich um die 198 Mio. Euro betragen, so Schunker.

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