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Wirtschaft
07/04/2019

In Österreich fließt die Hälfte aller Kredite in die Immo-Branche

Finanzmarktstabilitätsbericht: Die Banken sind in Summe stabiler geworden. Risiken schlummern im Immobilienbereich.

Die österreichische Aufsicht wirft ein wachsames Auge auf den Immobiliensektor: An die Branche wurden 47 Prozent aller Kredite in Österreich vergeben.

Das ist weit überdimensioniert, der Zweig trägt  nämlich nur ungefähr 16 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei (siehe Grafik).

Wie würde das die Banken treffen, falls die Immobilienpreise einbrechen?  „Wir führen entsprechende Stresstests durch“, sagte Andreas Ittner, Vize-Gouverneur der Nationalbank (OeNB). Es gebe risikodämpfende Faktoren, etwa weil Österreichs Haushalte eher  gering verschuldet sind. Noch sehe man „kein systemisches Problem“.

Falls doch, könnte die Aufsicht den Banken striktere Vorschriften für die Kreditvergabe machen.

Generell hat sich die Stabilität von Österreichs Banken seit der Finanzkrise sehr verbessert. Zu dem Schluss kommt der Finanzmarktstabilitätsbericht, der am Mittwoch in der Nationalbank  (OeNB) vorgelegt wurde.

- Mehr Kapital

Die heimischen Institute verfügen nun über doppelt so viel Kernkapital, das in Notfällen als Risikopuffer dient. Österreichs Banken haben aufgeholt: Die Lücke, die es im EU-Vergleich traditionell gegeben hatte, ist praktisch geschlossen.

- Gewinne

Die Gewinne sind im Vorjahr auf 6,9 Mrd. Euro gestiegen. Dank Osteuropa sei die Profitabilität gut, die Risikokosten sind gesunken, weil die Wirtschaft sich gut entwickelte und es wegen der Niedrigzinsen kaum Kreditausfälle gibt, sagte der für Banken zuständige OeNB-Direktor Philip Reading. Allerdings habe der Ehrgeiz bei der Risikovorsorge nachgelassen: Weil 2018 doppelt so hohe Gewinne als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet und mehr Risiko in der Kreditvergabe genommen wurde, ist die Kapitalquote trotz des guten Jahres gesunken.

- Fremdwährung

Dass Kredite in fremden Währungen wie Franken, Yen oder (in Osteuropa) Euro in großem Stil vergeben wurden, war ein Sündenfall der Finanzbranche. Das Risiko ist aber beträchtlich geringer geworden. In Österreich hat sich das Volumen seit 2008 um 73 Prozent auf rund 18 Mrd. Euro verringert, in Osteuropa um 67 Prozent auf 30 Mrd. Euro.

- Kosten

Nicht zufrieden ist die OeNB mit den Kosten bei den Banken, diese seien immer noch zu hoch. „Das Verhältnis zu den Erträgen zeigt keinen klaren Abwärtstrend“, mahnte Reading. Es hätten zwar „einige große gute Fortschritte“ gemacht, in Summe müssten die Banken aber noch mehr einsparen.

- Streitfall Firmenanteile

Zuletzt hatte die EU-Bankenaufsicht EBA aufhorchen lassen: Den europäischen Banken würden satte 135 Milliarden Euro Kapital fehlen, um die neuen Eigenkapitalregeln („Basel IV“) zu erfüllen. Österreichs Anteil sei überschaubar, er betrage rund 1,5 Milliarden Euro, schätzt OeNB-Chef Ewald Nowotny. Endgültig seien die Regeln aber noch nicht.

Problematisch wäre es aus seiner Sicht, falls sich Banken nicht mehr an Unternehmen beteiligen dürften. „Banken erfüllen in Österreich eine wichtige Rolle, um strategisches Eigentum abzusichern.“ Wegen der heimischen Kapitalmarktschwäche würde ein „notgedrungener Anteilsverkauf“ von Industriebeteiligungen drohen.