© Gerhard Deutsch

Urteil
12/07/2013

Immofinanz-Aktien: Arbeiter wird entschädigt

Ein Handwerker, der im Haus von Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics tätig war, klagte wegen Fehlberatung.

Ein Handwerker, der im Privathaus von Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics tätig war, legte seine Ersparnisse in Immofinanz-Aktien an. Er klagte und bekam vor dem Oberlandesgericht Wien recht, berichtet die Presse. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Als im Jahr 2007 der Kurs der Aktien zu sinken begann, soll der Arbeiter mehrfach seinen Bankberater kontaktiert haben. Dieser soll ihm geraten haben, die Aktien zu halten. Um den 1. Oktober 2007 führte der Arbeiter wieder im Haus von Petrikovics Handwerkstätigkeiten durch. Der Handwerker soll Petrikovics gefragt haben, ob er seine Aktien halten oder verkaufen soll.

"Kursdelle"

Im Urteil des Wiener Handelsgerichts, das nun vom Oberlandesgericht Wien bestätigt wurde, heißt es dazu: "Dr. Petrikovics sagte dem Kläger, dass nur eine vorübergehende Marktdelle vorliege und die Kurse wieder steigen würden. Darüber hinaus erklärte er ihm, dass ein Verkauf der Aktien einem Verkauf eines 100-Euro-Scheins für zehn Euro gleich käme". Der Handwerker vertraute dem Banker.

Dem Urteil zufolge soll Petrikovics im Oktober 2007, als er mit dem Handwerker gesprochen habe, gewusst haben, dass der Kursabfall von Immofinanz- und Immoeast-Aktien im Herbst 2007 für die Constantia Privatbank als existenzbedrohend anzusehen sei. Daher wäre die Bank ab dem 14. September 2007 verpflichtet gewesen, "den Kläger über den bevorstehenden dauerhaften Kursverlust der Immofinanz- und Immoeast-Aktien aufzuklären und ihm wahrheitsgemäß zu einem Verkauf sämtlicher Aktien zu raten".

Die Aviso Zeta als Nachfolgefirma der Constantia Privatbank wurde wegen Fehlberatung zur Zahlung von Schadenersatz in der Höhe von rund 200.000 Euro verurteilt. Im Gegenzug muss der Kläger seine Aktien zurückgeben. Das Besondere an dem Urteil sei, dass die Bank "für einen Ratschlag von Petrikovics einstehen muss", sagt Thomas Kainz von der Anwaltskanzlei Kerres und Partner, die den Handwerker vertritt, laut Presse. Bei der Aviso Zeta heißt es dazu: "Sollte das Urteil rechtskräftig werden, machen wir selbstverständlich allfällige Ansprüche gegen die ehemaligen Vorstände im Regressweg geltend."

Der Anwalt von Petrikovics betonte, Petrikovics sei weder Kundenbetreuer des Klägers gewesen, noch habe es ein Beratungsgespräch oder einen Beratungsvertrag gegeben. Auch habe man im Herbst 2007 noch nicht die durch die Lehman-Pleite im September 2008 eingeleitete wirkliche Immobilienkrise erkennen können.

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