Von Meidling bis Ottakring: Siegeszug der B-Lagen

Steigende Preise und kaum neue Projekte innerhalb des Gürtels treiben Bewohner und Investoren in die Außenbezirke. Ein Lagebericht.

"Wer unbedingt in der Stadt leben will, bleibt dann oft gezwungenermaßen Mieter, auch wenn er eigentlich gerne kaufen würde." Doch nicht nur die Eigennutzer, auch die Anleger zieht es in die Bezirke außerhalb des Gürtels. Weil die Mieten in den innerstädtischen Top-Lagen nicht so stark gestiegen sind wie die Kaufpreise, sind die Renditen hier mager. Investoren müssen sich also entscheiden: In sogenannten Substanzlagen (innerstädtische Bezirke plus die Cottageviertel im 13. oder 19. Bezirk) sind Renditen zwischen zwei und vier Prozent realistisch. 

Im Bild: Der 12. Bezirk boomt. JP Immobilien in der Rauchgasse In den Ertragslagen (Viertel außerhalb des Gürtels mit guter Infrastruktur und Verkehrsanbindung) kann man mit vier bis 5,5 Prozent Rendite rechnen. Die Bauträger reagieren auf den Bedarf: "Vor einigen Jahren gab es noch neue Vorsorge-Projekte im 6., 7. und 9. Bezirk. Heute werden hier – wenn überhaupt gebaut werden kann – eher Objekte für Eigennutzer errichtet", sagt Sandra Bauernfeind, Bereichsleiterin für Wohnungen bei EHL. BUWOG-Geschäftsführer Daniel Riedl bestätigt: "Projekte für Investoren gab es früher nur innerhalb des Gürtels. Das hat sich komplett verlagert." Die BUWOG baut derzeit etwa im 12. und im 15. Bezirk. 

Im Bild: Die BUWOG hat Erfahrung mit B-Lagen und baut derzeit zum Beispiel in der Jedleseer Straße im 21. Bezirk Seeste-Chef Michael Möstl würde zwar durchaus gerne das eine oder andere Projekt in einer A-Lage entwickeln, doch leistbare Liegenschaften innerhalb des Gürtels sind rar. Ab einem Grundkostenanteil von 1500 Euro pro Quadratmeter wird es für die Bauträger schwierig. Daher errichtet die Seeste derzeit unter anderem ein Objekt in der Wilhelmstraße im 12. Bezirk. Bis Frühjahr 2013 entstehen hier 140 freifinanzierte Eigentumswohnungen, 27 davon sind für Eigennutzer vorgesehen, die anderen werden als Vorsorgewohnungen angeboten. 

Im Bild: Die Seeste baut in der Wilhelmstraße Eine Kombination, auf die auch JP Immobilien immer wieder setzt – zuletzt in der Rauchgasse im 12. Bezirk: "Eigentümer passen einfach besser auf ihre Wohnungen und das ganze Haus auf als Mieter. So eine Mischung ist immer gut für die Immobilie", begründet Müller. "Dort wurde viel produziert, das war eine Arbeitergegend. Dann sind die Studenten hingezogen und es haben hippe Lokale eröffnet, über die in den Medien berichtet wurde", sagt Müller. "Heute sind hier moderne Lofts. Die Studenten können sich diese Wohnungen nicht mehr leisten und ziehen weiter – zum Beispiel in den 16. Bezirk. Zumindest rund um den Yppenmarkt könnte dieser in 30 Jahren eine super A-Lage sein." Sandra Bauernfeind ist nicht ganz so optimistisch: "Man wird wohl immer zwischen den Innen- und Außenbezirken unterscheiden. Außerhalb des Gürtels haben sich vor allem Ottakring und Meidling weiterentwickelt. Das sind heute B-Plus-Lagen."
(KURIER) Erstellt am
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