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14.06.2018

Sicher durch den Sommer: Was bringen Alarmanlagen?

Sonne im Gesicht. Sand unter den Füßen. Und trotzdem das mulmige Gefühl, dass zu Hause irgendetwas nicht stimmen könnte.

Eine fremde Hand wühlt im Nachtkästchen. Unbekannte Augen durchsuchen den Badezimmerschrank.  Ungewohnte Schritten knarren auf der Treppe. Diese Gedanken quälen Einbruchsopfer oft wochenlang.  „Wenn der privateste Bereich gestört wird, ist das eine große psychische Belastung“, weiß August Baumühlner, Chefinspektor der Wiener Landespolizei. Um diese Situationen zu verhindern, empfiehlt Baumühlner einfache Präventivmaßnahmen: „Wichtig ist, dass Diebe gar nicht erst auf die Idee kommen, dass das Haus unbewohnt sein könnte.“
Freunde oder Nachbarn sollten regelmäßig ins Haus gehen und die Rollläden auf- und  zuziehen und auch das Licht in den verschiedenen Räumen einschalten.

Wer seine Nachbarn nicht belästigen möchte, kann diese Aufgaben auch mittels Smart Home Systemen steuern. „Das Licht schaltet sich  nach dem Rhythmus der Bewohner automatisch ein“, erklärt Martin Öller, Gründer des Smart Home Systems Loxone. Die Beschattung lasse das Haus ebenfalls bewohnt wirken und richte sich auch bei Abwesenheit  nach dem Gang der Sonne.  So sei das Haus auch vor Überhitzung geschützt. Und obwohl das System auch die Bewässerung der Pflanzen im und rund um das Haus übernimmt, kommen Urlauber ganz ohne menschliche Hilfe nicht aus – darin sind sich die Sicherheitsexperten Öller und Baumühlner einig. Denn der Briefkasten sollte  täglich geleert werden. „Urlauber sollten auch keine Hinweise auf die eigene Abwesenheit hinterlassen, nicht auf dem Postkasten, nicht auf dem Anrufbeantworter und auch nicht in den sozialen Medien“, sagt Martin Unfried, Sicherheitsexperte und Leiter von Telenot. Das Unternehmen stellt High-Tech Alarmanlagen, ausgestattet mit einem eigenem Qualitätssiegel her.


5484 Einbrüche zählte die Wiener Landespolizei 2017,  2016 waren es noch 6173. Generell sind die Zahlen in den vergangenen vier Jahren um 11,2 Prozent gesunken. Wichtig ist laut Baumühlner vor allem, sich frühzeitig mit dem Thema Sicherheit zu befassen und sich in Ruhe alle Infos zu besorgen. Schützen könne man sich mit Alarmanlagen entweder mechanisch oder elektronisch. Die Entscheidung ist letztendlich auch eine Kostenfrage.
Die mechanische Variante stellt eine Grundsicherung für Türen und Fenster dar. „Ab dem ersten Stock ist die Tür der Haupteinbruchspunkt, daher bietet ein Querbalken, der fest im Mauerwerk verankert ist, sehr guten Schutz“, rät Baumühlner. Die Kosten belaufen sich auf rund 600 Euro für einen Querbalken. Auch  einbruchhemmende Türen, die die Ö-Norm B 533 aufweisen, empfiehlt der Polizist.


Kameras, Drehlichter und Sirenen zählen zur elektronischen Alarmanlage und sollten unbedingt sichtbar sein. „Studien belegen immer wieder, dass Abschreckung die beste Prävention ist“, so Baumühlner.  Zudem könne bereits fast jeder zweite Einbruch durch Vorsorge-Maßnahmen  mit Sicherheitssystemen verhindert werden, weiß Unfried.
Für die Wahl der elektrischen Alarmanlage gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist eine Innenraumsicherung mit Bewegungsmeldern. Auf diese Weise ist das Haus strategisch abgesichert. „Diese Lösung  kostet rund 3000 Euro und ist  sehr sicher. Sie kann allerdings nur angewendet werden, wenn sich niemand im Haus befindet“, erklärt Baumühlner.
 Will man sich im Haus bewegen, sind Magnet- und Glasbruchmelder zu empfehlen. „Die Sensoren werden auf alle Fensterscheiben geklebt und  in die Alarmkette eingebunden“, erklärt Sicherheitsexperte Öller.  Pro Fenster belaufen sich die Kosten auf rund 30 Euro.

Wird ein Alarm ausgelöst,  geschieht das meist mehrstufig. „Je nach Einstellungen benachrichtigt ein stiller Alarm zunächst den Hausbesitzer  und die Polizei“, so Öller. Darauf folgt ein akustischer Alarm, bei dem die Musikanlage zur Sirene wird und einen an- und abschwellenden Alarmton abspielt. Zusätzlich fahren alle Rollläden hoch und das Licht beginnt zu blinken, wodurch Nachbarn oder Fußgänger auf  das Vorgehen im Haus aufmerksam werden.
„Ist die Polizei verständigt, erreicht eine Einheit  in durchschnittlich dreieinhalb Minuten den Einsatzort in Wien“, erklärt der Chefinspektor. Demnach bestehe eine gute Chance,  den Täter zu fassen. Laut Baumühlner sei eine Benachrichtigung des Hausbesitzers vor dem Polizeialarm  oder einer Sicherheitsfirma nicht anzuraten. „Eine gute Alarmanlage macht keine Fehler und die Gefahr ist für den Nachbarn, der eventuell nach dem Rechten sieht, zu groß“, so der Polizist.
Der Alarm kann von Einbrechern auch nicht lautlos deaktiviert werden. So etwas gebe es nur in Action-Filmen. „Sicherheitssysteme verfügen im Normalfall über eine Notstromversorgung, redundante Übertragswege und eine Leitungs- und Funkstreckenüberwachung “, erklärt Unfried. Sollte ein Kabel durchtrennt werden, wird sofort ein Sabotage-Alarm ausgelöst, der die zuständigen Stellen verständigt.


Das beliebteste Diebesgut ist nach wie vor Bargeld, gefolgt von Schmuck und teuren elektronischen Geräten wie Laptops und Kameras. Vor einer Reise empfehlen Experten  daher diese Dinge gesondert zu verstecken oder in einen Safe zu sperren.
Die meisten Einbruchsopfer kämpfen allerdings weniger mit der Tatsache, dass ein Diamantring gestohlen wurde, sondern damit, dass eine fremde Person in ihren Wohnraum eingedrungen ist. Hilfe bietet die kostenlose Telefonberatung „Weißer Ring“. Unter der Nummer  0800 21 63 46 kann angerufen und auf das Tonband gesprochen werden. Die Mitarbeiter organisieren daraufhin persönliche Beratung.