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Wirtschaft Immobiz
04/19/2019

Interview: Kompostierbare Kunst trifft den Nerv der Zeit

Arthur Mamou-Mani präsentierte in Mailand die weltweit größte kompostierbare Installation aus dem 3-D-Drucker.

KURIER: Was ist die Idee hinter der Installation Conifera?

Arthur Mamou-Mani: Conifera ist eine Serie von Torbögen, die die Besucher vom Innenhof in den Garten führt. Die Installation versucht auch einen Dialog zwischen der Natur und dem von Menschenhand Gemachten herzustellen – und das spielerische Design soll die Fantasie anregen.

Conifera ist ein 3-D-Druck und das Material ein Mix aus Bioplastik und Holz. Warum diese Kombination?

3-D-Druck wird häufig für kleine Objekte genutzt. Ich wollte wissen, wie groß das Potenzial dieser Technologie für Architektur ist – und auch was passiert, wenn wir Holz in 3-D drucken. Denn Holz ist ein interessantes Material. Es löst langsam Beton und Stahl ab. Auch das Bioplastik hat viel Potenzial und hinterlässt einen kleineren ökologischen Fußabdruck als normales, auf Öl basiertem Plastik – außerdem ist es kompostier- oder recyclebar.

Welche Botschaft möchten Sie mit der Installation verbreiten?

Wir müssen vorsichtig mit unserer Zukunft umgehen und das betrifft auch die Materialwahl in der Bauindustrie. Design sollte auf eine nachhaltige Zukunft ausgerichtet sein. Es ist sehr wichtig, dass Architekten wissen, welche Auswirkungen ihre Arbeit auf den Planeten hat. Die Installation soll helfen eine Diskussion anzuregen.

Was sind Ihre Aufgaben als Architekt, um dem Klimawandel entgegenzuwirken?

Die Verwendung der Materialien und wie wir designen, spielt eine große Rolle. Das bedeutet auch mit algorithmischen Designs zu arbeiten, um das Material zu reduzieren – und nicht zu viel Beton zu verwenden oder andere Materialien, die der Umwelt schaden.

Denken Sie, dass in Zukunft mehr nachhaltige, recycelbare Materialien verwendet werden?

Wir haben kaum eine andere Wahl. Wir haben gerade noch zwölf Jahre, um den Kohlenstoff-Verbrauch zu reduzieren, damit wir die Klimaziele erreichen. Dafür besteht ein globales Bewusstsein. Das zeigt auch der Streik der Kinder, der von dem schwedischen Mädchen ausgelöst wurde, das nicht mehr zur Schule geht. Das ist brillant. Ich freue mich, dass gerade ein Aufwachen stattfindet und ich hoffe, dass wir alle darüber diskutieren können – als Architekt oder Designer, aber natürlich auch als Mensch.

Wie weit würden Sie persönlich gehen? Die Installation kann eingeschmolzen und neu gedruckt werden – würden Sie das tun?

Ja natürlich. Ich finde die Idee spannend, dass man ein Möbelstück designt und wenn man es ändern will, kein neues kaufen muss, sondern das alte in den Zerkleinerer wirft und daraus etwas Neues macht. Dasselbe Prinzip funktioniert auch mit Kleidung.

Sie haben einen neuen Algorithmus verwendet, um die Installation so effizient wie möglich zu drucken. Welche Rolle spielt die Technologie bei nachhaltigem Design ?

Wir versuchen „parametrisches Design“ für unsere Projekte zu verwenden. Das bedeutet, dass mittels Parametern Regeln aufgestellt werden, die das Projekt definieren, anstatt einem Architekten, der Skizzen aufgrund seiner Vorstellungskraft zeichnet. Es geht mehr darum ein System zu kreieren, als eine Skulptur. Ich mag die Idee des anpassungsfähigen Systems lieber als die der fixen Form.

War der nachhaltige Zugang immer schon wichtig für Sie?

Nicht in diesem Ausmaß. COS hat mich auf eine bestimmte Weise in diese Richtung gedrängt. Das war eine großartige Erfahrung. Ich bin aber auch mit Eltern aufgewachsen, die Hippies waren und sind. Sie haben Bücher geschrieben, die Titel wie „Life in Green“ tragen und erklären, wie nachhaltige Techniken in den Alltag integriert werden. Mein Vater war damals im Fernsehen und hat darüber gesprochen, dass man den Wasserhahn abdrehen soll, wenn man die Zähne putzt – und das bereits in den 90ern. Sie waren schon damals sehr involviert und das beeinflusst mein Leben und meine Arbeit auch heute noch.

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