Europa verliert seine Häuser: Wo der Traum vom Eigenheim noch lebt
Europas Wohnlandschaft verschiebt sich. Über die vergangenen 15 Jahre zeigt sich ein klarer Trend: Der Hausanteil sinkt langsam, aber stetig. 2010 lebten noch 53,7 Prozent der Europäer in einem Einfamilien- oder Reihenhaus und 45,4 Prozent in einer Wohnung. Heute ist der Abstand zu Wohnungen auf 3,5 Prozentpunkte geschrumpft. Bei gleichbleibendem Tempo könnte die Wohnung das Haus als dominierende Wohnform in Europa in den 2030er-Jahren ablösen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Datenanalyse von home24 und dem Berliner Datenstudio Data Pulse Research.
Malta verliert am stärksten
Malta, Portugal und Norwegen verzeichnen seit 2010 die stärksten Rückgänge (siehe Grafik). Österreich liegt mit -6,4 Prozent auf Platz sechs, einen Platz hinter Deutschland mit -6,5 Prozent. Trotzdem lebt noch etwa jede zweite Person (50,4) in unserem Land in einem Haus. Damit liegen wir ziemlich genau im EU-Schnitt (51,4 Prozent). In Irland sind es hingegen 90 Prozent, in der Schweiz nur 34 Prozent.
Doch es gibt Ausnahmen. In einigen osteuropäischen Ländern läuft die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung: Polen, die Slowakei , Estland und Ungarn erleben eine Art Suburbanisierungswelle und die Menschen verwirklichen sich den Traum vom Haus, den der Westen gerade verliert.
Der sinkende Hausanteil trifft nicht alle gleich. Wie die Daten des Statistischen Bundesamtes für Deutschland zeigen, spielt auch das Einkommen eine Rolle: Von den Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.500 Euro lebt nur gut jede fünfte Person in einem Haus (22 Prozent). Bei einem Einkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro ist es knapp jede dritte Person (33 Prozent). Erst ab 4.000 Euro netto kippt das Verhältnis: In dieser Gruppe wohnt die Mehrheit (56 Prozent) in einem Haus.
Doch Einkommen allein erklärt nicht alles. Viele Menschen entscheiden sich laut Analysten bewusst für das urbane Leben: kurze Wege, Kultur, Infrastruktur – und damit eher für eine Wohnung als ein Haus.
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