Wohnen ohne Hürden: Diese Möbel erleichtern den Alltag
Zusammenfassung
Ob nach einem Unfall oder im Alter: Es gibt Phasen im Leben, wo Hilfe im Alltag gebraucht wird. Dass funktionale Möbel auch noch schön sein können, zeigen neue Serien des deutschen Designers Hans Winkler für ein österreichisches Start-up.
Kochen kann ein wunderbarer Ausgleich zum anstrengenden Alltag sein. Aber für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Senioren mit eingeschränkter Mobilität oder Menschen mit vorübergehender Beeinträchtigung wie einem Gipsfuß oder einem Bandscheibenvorfall ist die Arbeit in der Küche eine tägliche Herausforderung. Die Möbelhöhen lassen das Kochen im Sitzen nicht zu. Der Rollator ist ständig im Weg, genauso wie Türen, die Elektrogeräte sind schwer zu bedienen.
Und das Dilemma ist ja nicht auf die Küche beschränkt. Wie kann also Wohnen einfacher, barrierefreier und gleichzeitig ästhetisch anspruchsvoll gestaltet werden? Dieser Frage haben sich Thomas Frassl, Geschäftsführer des neuen Einrichtungsunternehmens Alphaomega, und der deutsche Designer Hans Winkler gestellt. Mit Partnerunternehmen werden neue Möbelserien entwickelt, die sich an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpassen.
Designer Hans Winkler und Thomas Frassl, CEO von Alphaomega, bei der Präsentation.
Neue barrierefreie Möbelserie vorgestellt
Den Auftakt bildet der Prototyp einer innovativen Küche „Wir wollten eine Küche inszenieren, die bewusst beide Seiten berücksichtigt. Mit oder ohne körperliche Einschränkung. Stehend und sitzend gleichermaßen. Beide sollen in einer Küche agieren können“, erklärt Hans Winkler. „Dafür braucht es Elemente, die in der Höhe verstellbar sind, die ausziehbar sind. Zum Beispiel die absenkbaren Oberschränke oder die Kücheninsel: Darunter sitzen 18 Zylinder, die für Bewegung sorgen.“ Zudem gibt es eine Armatur für Menschen mit motorischer Einschränkung. Mit großen Hebeln lässt sich das Wasser (ein/aus, warm/kalt) leicht regeln. „Man muss nicht auf das Design verzichten, sondern bekommt einen Adapter, der die Bedienung erleichtert.“
Ganz ohne Kraftanwendung lassen sich Geschirrspüler und Kühlschrank öffnen, ein Antippen genügt. Backrohr und Geschirrspüler sind in einer Höhe eingebaut, wo auch sitzende Menschen alles erreichen können.
Der Prototyp der Küche wird laufend weiterentwickelt und verbessert. „Wir haben die barrierefreie Küche nicht erfunden. Aber wir bringen sie in Serie, damit sie leistbarer wird“, sagt Thomas Frassl. „Sie kostet um rund ein Drittel mehr als eine herkömmliche Küche.“
Zum Anhalten oder Transportieren: Ein Caddy unterstützt beim Kochen.
Dieser Helfer von Hans Winkler passt in jede Küche: Ein Caddy, der an einen Servierwagen erinnert, dient als Brücke, um Dinge von A nach B zu transportieren: das Nudelwasser vom Herd zur Spüle zum Beispiel. Oder ein Backblech zum Backrohr. Zudem ist der Caddy sehr handlich wie der Designer erklärt: „Menschen mit mobilen Einschränkungen brauchen große Griffe, weil sie große Flächen für das Feedback im Körper brauchen. Der Holzgriff kann auch als Gehhilfe verwendet werden.“
Beratung durch „Wings for Life“
Bei der Entwicklung beratend zur Seite steht „Wings for Life“, die gemeinnützige Stiftung von Heinz Kinigadner, die sich zum Ziel gesetzt hat, Querschnittslähmung zu heilen. Betroffene im Rollstuhl geben dem Designer Feedback, was geht und was nicht geht. „Wenn sich Möbel an den Menschen anpassen, entsteht echte Lebensqualität“, so Thomas Frassl. Er ist seit 35 Jahren in der Möbelbranche tätig, 2025 gründete er Alphaomega. Wie kam es zum Namen? „Wir begleiten den Kunden vom Anfang bis Ende seines Projekts. Was vor allem auch ein großer Wunsch der Betroffenen war. Viele Menschen können zum Beispiel nicht so lange im Geschäft verweilen. Daher wird die Küche Zuhause geplant.“
Den Schrank öffnet ein elektrischer Rollo statt einer Türe.
Diese „Lebenszyklusküche“, wie sie der Designer bezeichnet, ist ab sofort in der Blauen Lagune in Wiener Neudorf zu besichtigen. Ebenfalls zu sehen, ist eine barrierefreie Lösung für ein Speisezimmer. Dafür hat Hans Winkler einen Esstisch neu entwickelt. Er ist aus Massivholz, mit abgerundeten Kanten, wo ein Rollstuhl darunter passt. Dazu gibt es einen Wandschrank mit elektrischem Textilrollo. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Bild, dahinter verbergen sich Vitrinen und ein Fernseher.
Komfort im Alter
Die Österreicher werden älter, dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach Möbel, die das Leben erleichtern. Das bestätigt auch Hubert Kastinger, Sprecher des Fachausschusses Einrichtungsfachhandel in der WKO: „Die Menschen wollen komfortabler wohnen. Die Hersteller passen sich diesem Trend an und vergrößern ihr Angebot. Beliebt sind etwa drehende Stühle beim Esstisch, Sessel mit Armlehnen zum Abstützen oder Fernsehsessel mit Aufstehhilfe.“ Auch die Ansprüche an die Ästhetik seien gestiegen, denn auch mit körperlichen Einschränkungen wolle niemand wie in einer Klinik wohnen.
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