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Wirtschaft
09/11/2019

Ifo: Facebooks Libra kann für Schwellenländer interessant sein

Thum: Mit Libra können sich Bürger in Schwellenländern der finanziellen Repression entziehen

Die geplante Facebook-Währung Libra bietet dem Ifo-Institut zufolge den Bürgern in weniger entwickelten Staaten Vorteile. "In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern wird die Zentralbank als verlängerter Arm der Regierung missbraucht, was zu Inflation, Währungsabwertung und realer Entwertung von Sparvermögen führt."

Das schrieb der Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Marcel Thum, in einem am Mittwoch veröffentlichten Aufsatz. "Mit der Libra könnten sich die Bürger dieser Art der finanziellen Repression entziehen." Gerade die Ärmsten hätten in den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern keinen Zugang zum Finanzsystem. Sie müssten für Kredite horrende Zinsen oder hohe Gebühren für Auslandsüberweisungen zahlen.

Geldschöpfungsgewinne

Facebook verfolge seine Libra-Pläne aber nicht uneigennützig. "Wenn das System läuft, fallen Geldschöpfungsgewinne an", betonte Thum, der den Aufsatz zusammen mit Stefan Eichler, Professor für Internationale Monetäre Ökonomik an der TU Dresden, verfasst hat. "Denn die Libra Association kauft als Gegenwert für die Ausgabe unverzinslicher Libra verzinsliche Staatspapiere oder Bankeinlagen." Wertvoll seien auch die anfallenden Nutzerdaten. Denn es würden alle Transaktionen gespeichert. "Zahlungs- und Güterströme lassen sich damit ebenso analysieren wie die Zahlungsmoral von Kunden." Geschäftspotenzial biete auch der Aufbau eines digitalen Marktplatzes nach dem Vorbild von Amazon.

Facebook will Libra in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an den Start bringen. Das digitale Geld wird von Unternehmen wie Mastercard, PayPal und Spotify unterstützt. Wegen der potenziellen Zahl der Nutzer - bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden registriert - könnte Libra im internationalen Geldsystem langfristig eine wichtige Rolle spielen. Notenbanken, Aufseher und Politiker haben allerdings starke Vorbehalte. Im Juli forderte die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7), dass Digitalwährungen den höchsten Aufsichtsstandards genügen müssen und die Stabilität des Finanzsystems nicht gefährden dürfen.