Wirtschaft
19.01.2012

Hedgefonds wollen Recht auf Rendite einklagen

Ein Schuldenschnitt sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht - Hedgefonds überlegen, Griechenland beim EGMR in Straßburg zu verklagen.

Hedgefonds sind es nicht gewohnt, auf der Seite der Verlierer zu stehen. In der griechischen Schuldenkrise könnte dies der Fall sein. Deshalb überlegen sie, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg zu ziehen, beruft sich Spiegel Online auf die New York Times. Das Argument der Hedgefonds: Ein erzwungener Schuldenschnitt in Griechenland sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht (der Hedgefonds) - und das gilt bekanntlich als Menschenrecht.

Der Schritt vor den Gerichtshof scheint nicht unwahrscheinlich in Anbetracht der aktuellen Ereignisse: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat heute nach Angaben der griechischen Regierung Gespräche über das zweite Hilfsprogramm für das hochverschuldete Land beschlossen. Das zweite Hilfsprogramm soll Griechenland mit insgesamt 130 Mrd. Euro unterstützen, das Geld kommt vom IWF und Euro-Ländern.

Der Knackpunkt für die Hedgefonds: Voraussetzung für das im Herbst im Grundsatz beschlossene zweite Hilfsprogramm ist allerdings ein Verzicht der Privatgläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderungen. Entlastung für Griechenland: Rund 100 Mrd. Euro.

Doch noch ist nicht einmal eine Einigung zwischen Griechenland und dem Internationalen Bankenverband (IIF) über die Konditionen des angekündigten Anleihentauschs, mit dem dieser " Schuldenschnitt" zustande kommen soll, in Sicht. Selbst wenn mit den Banken über den IIF eine Einigung erzielt wird, wäre nicht gesichert, dass sich die erhoffte große Mehrheit der Gläubiger daran beteiligt. Zum einen hat der IIF kein Mandat, um alle beteiligten Banken zu binden. Zum anderen ist offen, ob Hedgefonds und andere Nicht-Banken einer Kompromissformel folgen würden.

Sollte Griechenland den Fonds seine Schulden nicht zurückzahlen, würden also höchstwahrscheinlich die Hedgefonds vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Klage angenommen wird, sei groß, schreibt die NYT unter Berufung auf Rechtsexperten.

Info: Wie funktionieren Hedgefonds?

Hedgefonds nutzen risikoreiche Kapitalanlagen mit der Aussicht auf hohe Renditen. Aktienkäufer gewinnen gewöhnlich nur bei steigenden Kursen. Diese Fonds verdienen aber auch bei fallenden Werten. Die Investoren wetten etwa auf Aktien, Devisen oder Anleihen.

"Hedge" bedeutet im Englischen eigentlich "Hecke" - und steht im übertragenen Sinn für "Absicherung": Es geht um den Versuch, eine Investition gegen Risiken - wie etwa Kurseinbrüche oder Wechselkursveränderungen - abzusichern.

Hedgefonds bieten indes keine Absicherung, sondern setzen auf die absolute Rendite unabhängig vom Marktumfeld. Sie sind nicht auf regelmäßige Erträge, sondern auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet.

Hedgefonds sammeln ihr Geld bei großen Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds und Banken ein, die allein für die Verwaltung des Vermögens üblicherweise rund zwei Prozent an Gebühren zahlen - hinzukommen bis zu 20 Prozent im Erfolgsfall. Offiziellen Schätzungen zufolge sitzen Hedgefonds auf einem Berg von zwei Billionen Dollar. Die oft in Steuerparadiesen beheimateten Fonds setzen vor allem auf Derivate und andere spekulative Finanzprodukte. Die Transparenz darüber, was mit dem eingesetzten Kapital passiert, ist dabei nicht sehr hoch.

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