Harsches Urteil der Starökonomen

Die Herabstufung der USA und die Euro-Krise verunsichern Anleger und stürzen Börsen ins Chaos. Wie Volkswirte die Lage einschätzen. Eine Rundschau.

Starten wir mit Nouriel Roubini. Der Ökonom von der New York University - dadurch berühmt geworden, weil er die Finanzkrise vorausgesagt hatte - sieht ein... ... "wachsendes Risiko für eine Double-Dip-Rezession". (Anm.: Ein nochmaliges Abtauchen in eine Rezession wird "double-dip" genannt) Außerdem nehme die Risikoscheu auf den Finanzmärkten zu, zitiert sueddeutsche.de den US-Starökonomen. Klare Worte findet auch Kenneth Rogoff, Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard University. Die USA sollten sich "über die Angst vor Preissteigerungen hinwegsetzen" und "weiterhin Geld in die Märkte pumpen", sagt Rogoff im Spiegel-Interview. Zur Euro-Krise: Deutschland müsse einsehen, dass die EU eine Transfergemeinschaft sei, so Rogoff gegenüber dem Nachrichtenmagazin. "Ich würde den Deutschen gern sagen, dass es um eine einmalige Zahlung geht, aber das glauben sie ja selbst nicht mehr." Als einen "Weckruf für die Politiker" und einen dringenden Appell, dass sie die Initiative zurückgewinnen müssen, sieht Mohamed El-Erian vom Finanz-Investor Pimco die Herabstufung der USA. Es sei kaum vorstellbar, so der Volkswirt weiter, dass die Ratingagentur S&P nicht auch noch mindestens ein weiteres Mitglied des immer kleiner werden Clubs von Ländern mit AAA-Rating herabstufe: "Wenn das beispielsweise einen Staat wie Frankreich trifft, dann droht das die ohnehin fragilen europäischen Bemühungen noch schwieriger machen." Daniel Gros erklärt sich die aktuellen Börse-Abstürze, die eine Unsicherheit der Anleger widerspiegeln, mit einer wachsenden Skepsis "auf beiden Seiten des Atlantiks", auf die auch die Aktienmärkte negativ reagieren würden. Gros ist Finanzexperte am Centre for European Policy Studies. In Nordamerika und Europa seien über die letzten zehn Jahren die Schulden enorm gestiegen - in Amerika jene der Häuslbauer, in Europa teils die Schulden der Staaten und auch jene der Häuslbauer, etwa in Irland und Spanien.
Außerdem sollte der Euro-Rettungsschirm rasch umgesetzt, aber nicht noch einmal ausgeweitet werden, so Gros in der ZiB2 am Montagabend. An den Börsen herrsche die Angst, dass kein Staat der Welt seine Schulden in Ordnung bringt, auch die USA nicht, erklärt der Klagenfurter Uni-Professor Gottfried Haber im ORF-Morgenjournal am Dienstag die aktuelle Talfahrt der Aktienkurse. Wie sieht der Weg aus der Krise für Haber aus? "Eigentlich müsste es ausreichen, wenn die Staaten glaubhaft machen, dass sie ihre Schulden stabilisieren können, also zumindest über die nächsten Jahre keine zusätzlichen neuen Schulden machen."
(KURIER.at / sho) Erstellt am
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