Handyriese Nokia setzt Talfahrt fort

dapdNokia CEO Stephen Elop announces the launch of the companys new Lumia 800C smartphone in Beijing, China, Wednesday, March 28, 2012.  Struggling cellphone maker Nokia launched its first smartphone design for China on Wednesday, looking to the worlds bi
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Ein weiteres Halbjahr mit Verlusten und massive Probleme mit Smartphones setzen den finnischen Konzern unter Druck.

Die Hiobsbotschaften für den Handyriesen Nokia reißen derzeit nicht ab. Am Donnerstag schockte eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Analysten die finnischen Handybauer: Im ersten Quartal hat laut Analystenmeinung der koreanische Konkurrent Samsung den bisher weltgrößten Mobiltelefon-Hersteller überholt. Und das deutlich: Samsung dürfte in den ersten drei Monaten 88 Millionen Handys verkauft haben, die Finnen brachten es auf nur 83 Millionen. Nokia war in den vergangenen 14 Jahren unangefochtener Weltmarktführer gewesen.

Rote Zahlen

Geschreckt wurden bereits am Mittwoch die Nokia-Aktionäre. Trotz neuer Führung und neuer Smartphone-Modelle musste Nokia für das erste Quartal Verluste melden und ankündigen, dass die roten Zahlen auch im zweiten Vierteljahr anhalten. Gleichzeitig mussten der Konzern, der das Smartphone quasi erfunden hat, zugeben, dass er den Marktstart des neuen Modells Lumia 900 vermasselt hat. Das Windows-basierte Smartphone ist seit Sonntag in den USA auf dem Markt, wegen eines Softwarefehlers funktioniert aber die Internet-Verbindung nicht. Die Anleger flüchteten aus der Aktie, das Papier rasselte am Mittwoch um mehr als 14 Prozent auf 3,27 Euro in die Tiefe. Tendenz weiter fallend: Am frühen Donnerstagnachmittag war der Kurs um weitere 7 Prozent auf drei Euro gesunken.

Personalabbau

Um wieder nachhaltig in schwarze Zahlen zu kommen, wird von Nokia-Chef Stephen Elop ein neues Restrukturierungsprogramm erwartet. Elop – der Ende 2010 als erster Nicht-Finne von Microsoft an die Konzernspitze kam – hat seit seinem Amtsantritt einen Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Weiter auf Sparkurs fahren muss Nokia auch beim Telefonnetz-Ausrüster NSN, den die Finnen gemeinsam mit Siemens betreiben. Weltweit werden 17.000 der insgesamt 74.000 Jobs gestrichen, Standortschließungen in München bleiben nach heftigen Gewerkschaftsprotesten allerdings aus. In Summe muss das Unternehmen eine Milliarde Euro einsparen. Das Gemeinschafsunternehmen schreibt seit seiner Gründung 2007 ununterbrochen Verluste. Nokia entstand 1967 aus der Zusammenführung einer Papierfabrik, einer Produktion für Fahrradreifen und Gummistiefeln sowie eines Kabelunternehmens. 1987 stellte der Konzern das erste mobile Handtelefon her. Es wog 800 Gramm und kostete umgerechnet mehr als 4500 Euro. 2011 schrumpfte der Konzernumsatz von 42,4 auf 38,6 Milliarden Euro, Nokia schrieb 1,1 Milliarden Verlust.

(kurier) Erstellt am
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