Mini-Plus im Handel – aber Bürokratie-Lawine trübt Ausblick

Branchen-Obmann Rainer Trefelik kritisiert neue EU-Richtlinien, „überbordenden Konsumentenschutz“ und fordert eine Lohnnebenkosten-Senkung
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Mehr Insolvenzen, mehr Übernahmen heimischer Firmen durch internationale Konkurrenten und insgesamt eine schleppende Geschäftsentwicklung machen dem Handel zu schaffen.

Zwar wurde 2025 mit einem realen Wachstum um 0,4 Prozent erstmals seit 2021 wieder ein kleines Plus im Handel erzielt, doch die schwache Konsumlaune und die absehbaren neuen Belastungen machen der Branche schwer zu schaffen. Und zwar nicht ein einzelnes Gesetz, sondern die Summe aus allen neuen Belastungen, sagte Handelsobmann Rainer Trefelik bei der Präsentation der Bilanz 2025.

Die Palette an Ärgernissen reicht aus Handelssicht vom Anti-Shrinkflationsgesetz bis hin zur Abfall- oder Entgelttransparenz-Richtlinie der EU. Sind es im Abfallbereich die drohenden Entsorgungskosten, die den Preis für jede Jean um drei Euro steigen lassen, so gilt die Entgelt-Richtlinie gar als „bürokratischer Supergau“. Die kommenden Berichtspflichten oder die Auflage eines regelmäßigen Monitorings gelten als völlig praxisfern und überzogen.

Zur Abfederung der daraus drohenden Kostenlawine stimmte Trefelik in den Chor jener Wirtschaftsvertreter ein, die eine Lohnnebenkosten-Senkung fordern. Trotz der bekannten Budgetkrise, die diesen Plan bisher vereitelt, sollte die Finanzierung über Strukturreformen etwa im Gesundheitsbereich oder im Föderalismus leicht zu bewerkstelligen sein, glaubt der Branchenvertreter. Zusätzlich müssten künftig auch die Konsumenten stärker in die Pflicht genommen werden.

Von Textilien bis Batterien den gesamten Warenkreislauf und damit verbundene Zusatzkosten nur dem Handel umzuhängen, drücke die ohnehin kleine Marge im Handel von 0,5 bis 2,0 Prozent weiter. Letztlich müssten sich Politik und Gesellschaft die Frage gefallen lassen: „Was ist die Marge, die einer Branche noch zugestanden wird?“

Denn „einfach nur bestellen und bei Bedarf zurücksenden kann nicht die Lösung sein“, kritisiert Trefelik auch einen „überbordenenden Konsumentenschutz“ im neuen Widerrufsrecht oder das „gold plating“ des österreichischen Gesetzgebers.

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