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Nach Pleite
08/14/2013

Haberleitner: "Will alle Filialen wieder aufsperren"

Der ehemalige dayli-Eigentümer sorgt für neues Rätselraten. Geld will er zur Hand haben.

Ex-daily-Eigentümer Rudolf Haberleitner lässt nicht locker. Er hat nach Eigenangaben heute, Mittwochnachmittag, einen Termin bei dayli-Masseverwalter Rudolf Mitterlehner und will dort einen Asset Deal vorschlagen. "Ich will alle 885 Filialen wieder aufsperren", sagte Mitterlehner zur APA. Was nicht so einfach sein dürfte: Derzeit sind noch 552 Filialen angemietet, der Großteil der Mietverträge der geschlossenen Niederlassungen wurde bereits gekündigt.

Fraglich ist auch, woher Haberleitner plötzlich das Geld für die Übernahme der Pleitefirma hat. "Wir haben das Geld zur Hand, das wir brauchen", versichert jedenfalls Haberleitner. Dies sorgt wiederum im Umfeld des aktuellen dayli-Eigentümers Martin Zieger hörbar für Heiterkeit. "Mit welchem Geld, er hat bis heute keines gehabt", so ein Vertrauter von Zieger.

Bilder: Die "dayli"-Soap in Zitaten

Haberleitner besteht weiterhin darauf, dass die Anmeldung der Insolvenz - trotz ausstehender Gehälter und Liefersperren - nicht notwendig gewesen wäre. "Das Juni-Gehalt und das Urlaubsgeld hätten fünf Mio. Euro gekostet und wir hatten 10 Millionen am Konto", rechnete er vor. Ausgezahlt sei es nur deswegen nicht geworden, weil ihm seine Berater abgeraten hätten. Auch hätte es mit der Hälfte der Lieferanten bereits eine Einigung über einen langfristigen Lieferantenkredit gegeben.

Zieger nicht Eigentümer

Der Ex-Eigentümer beharrt auch weiter darauf, dass Zieger nicht der Eigentümer ist, sondern die Anteile nur treuhändisch hält. Replik aus dem Umfeld von Zieger: "Es gibt keinen Treuhandvertrag. Was es gibt ist eine notariell beglaubigte Übertragung der Firma an Zieger. Auf dieser Basis wurde Zieger auch als Eigentümer ins Firmenbuch eingetragen." Masseverwalter Mitterlehner hatte gestern schon erklärt, für ihn ist Zieger der Eigentümer. Haberleitner hat nach Eigenangaben auf Rückgabe seiner Anteile geklagt, laut Unternehmenskreisen ist die Klage bei dayli aber noch nicht eingelangt.

Haberleitner hat jedenfalls wieder großes vor - falls er von Mitterlehner dayli aus der Pleite herauskaufen kann. "Ich habe ein Partnerkonzept für die Nahversorgung", so der Ex-Eigentümer. Und er bastelt wieder an neuen Öffnungszeiten. Diesmal will er die Filialen unterschiedlich geöffnet halten, z. B. in schlechten Lagen nur ein paar Stunden.

Nach wie vor umstritten ist wie dayli in Italien eine Million Euro abhanden gekommen ist. Einig sind sich Zieger und Haberleitner nur, dass ein Mann mit der Tasche voller Geld davongelaufen ist. Die Frage ist nur, wer der beiden Streithähne bei der Aktion anwesend war. Im Umfeld von Zieger bleibt man dabei - "Zieger war nicht da". Vielmehr hätten alle Manager Haberleitner schon eine Woche vorher vor der Fahrt mit dem Bargeld nach Italien gewarnt weil allen klar gewesen sei, dass hier Betrug vorliege.

Spannend wird noch die Frage ob Haberleitner einen Dienstvertrag als Geschäftsführer oder einen Werkvertrag hatte. Der APA liegt ein "Geschäftsführervertrag" vor, in dem gleich zu Beginn von einem "Angestelltenverhältnis" die Rede ist. Allerdings meint man im Umfeld von Zieger, aufgrund der großzügigen Regelung über Anwesenheitspflichten sei dies nur ein Werkvertrag. Und tatsächlich steht es Haberleitner laut dem Vertrag großteils frei, wann und wo er seiner Tätigkeit nachgeht.

Dem Vertrag zufolge erhielt er ab Jahresbeginn 2013 ein Geschäftsführergehalt von jährlich 400.000 Euro, dazu kam noch ein fünfprozentiger erfolgsabhängiger Bonus. Die Abfertigung liegt bei 120.000 Euro. Dazu kommt ein maximal 150.000 Euro teuren Dienstwagen inklusive privater Nutzung und Übergang in den Privatbesitz bei Beendigung des Angestelltenverhältnisses. Der Urlaubsanspruch liegt bei 35 Tagen.

Die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate, aussprechbar jeweils zum Jahresende. Demzufolge hätte Haberleitner noch ein aufrechtes Dienstverhältnis. Zieger hatte am Montag bei einer spontan eingerufenen Pressekonferenz erklärt, er hätte Haberleitner nicht nur gern als Geschäftsführer abgerufen - was er auch tat - sondern auch das Dienstverhältnis beendet. Dies habe Mitterlehner aber unverständlicherweise abgelehnt.

Sein Gehalt hat Haberleitner laut Unternehmenskreisen zuletzt im Mai erhalten, die Leasingrate für den Firmenwagen werde dieses Monat zum letzten Mal gezahlt - dann müsse sie Haberleitner begleichen. Laut "Geschäftsführervertrag" geht das Fahrzeug aber ohne weitere Kosten an Haberleitner über.

dayli: Bangen in Italien

Am Montag wurde das Ende des Nahversorgers dayli in Österreich besiegelt (mehr dazu...). Gläubigerausschuss und Landesgericht Linz bewilligten die vom Masseverwalter Rudolf Mitterlehner beantrage Schließung des Unternehmens. Rund 2.200 Mitarbeiter verloren ihren Job, 522 Filialen werden geschlossen. Schon im Juli wurden 1.261 dayli-Beschäftigte auf die Straße gesetzt, 355 Geschäfte zugesperrt.

Auch bei der Italien-Tochter müssen die Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarktkette um ihre Zukunft bangen. 1.022 Personen sind auf Kurzarbeit mit derzeit null Stunden Arbeitszeit. 300 der Shops von dayli Italia sind geschlossen. Das italienische Unternehmen weist gegenüber Lieferanten Schulden in Höhe von 11 Mio. Euro aus. Das Personal hofft, dass sich ein Unternehmen melden könnte, das an der Übernahme der italienischen Filialen interessiert ist. Die meisten Italien-Mitarbeiter daylis befinden sich in der an Kärnten grenzenden Region Friaul Julisch Venetien, wo die Drogeriemarktkette 240 Personen beschäftigt.

Drei Verwalter bemühen sich um die Rettung der Jobs in Norditalien. Anfang September ist ein Treffen zwischen den Verwaltern und den Gewerkschaften vorgesehen, um festzustellen, ob konkrete Aussichten für den Verkauf der italienischen Filialen bestehen. Ansonsten muss dayli Italia die Insolvenz melden, verlautete es aus Gewerkschaftskreisen in Friaul.

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