Wirtschaft
16.08.2018

Gute Freunde: Warum Katar der Türkei unter die Arme greift

Milliardenschwere Finanzspritze aus dem Emirat stützt die Währung. Wirtschaftliche Beziehungen sollen vertieft werden.

Der Kurssturz der türkischen Währung Lira scheint vorerst gebannt. Am Donnerstag setzte die Lira ihren Erholungskurs vom Mittwoch weiter fort. Gegenüber dem US-Dollar und den Euro legte die Währung am Vormittag um rund vier Prozent zu.

Grund für die Trendwende ist zum einen die Intervention der türkischen Zentralbank, die Einschränkung von Devisengeschäften, aber auch eine milliardenschwere Finanzspritze aus dem Golfstaat Katar. Am Mittwoch traf sich Präsident Erdogan mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, mit dem ihn "wahre Freundschaft" verbindet, wie es am Abend hieß. Katar sicherte dem Freund 15 Mrd. Dollar (13,3 Mrd. Euro) an Direktinvestitionen zu. Informationen aus türkischen Regierungskreisen zufolge soll das Geld in die Finanzmärkte fließen und an Banken gehen.

Gegenleistung

Die Großzügigkeit des Emirs kommt nicht von ungefähr. Es handelt sich vielmehr um eine Art Gegenleistung für die Hilfe der Türkei während der Blockade Katars durch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrein im Sommer des Vorjahres. Die Länder warfen Katar unter anderen vor, Terroristengruppen zu unterstützen.

Die Türkei stellte sich in dem Streit hinter Katar und schickte hunderte Frachtflugzeuge und mehrere Schiffe zur Versorgung des Emirats. Zudem wurde die Militärbasis in Katar ausgebaut, deren Schließung Saudi-Arabien und seine Verbündeten verlangen. Als enger militärischer Verbündeter hat die Türkei rund 3000 Infanteriesoldaten in Katar stationiert.

Erdogan reiste im Sommer höchstpersönlich nach Saudi-Arabien, Kuwait und Katar, um in der Krise zu vermitteln. Die Gespräche brachten aber keine Annäherung. Die Blockade besteht nach wie vor, Katar ließ sich jedoch bisher nicht in die Knie zwingen. Auch die  wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Katar sollen weiter vertieft werden. So bauen türkische Firmen etwa Fußball-Stadien für die WM 2020.

Investoren-Konferenz

Als vertrauensbildende Maßnahme kündigte der türkische Finanzminister Berat Albayrak für heute, Donnerstag Nachmittag, eine Telefonkonferenz mit rund 1000 ausländischen Investoren an.