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Wirtschaft
12/05/2011

Griechenland: Staatspleite steht vor der Tür

Jetzt sprechen selbst führende Notenbanker von einer möglichen Insolvenz. Das würden einige Banken nicht aushalten.

Halten die europäischen Banken es aus, wenn der Wert griechischer, spanischer oder italienischer Staatsanleihen noch weiter sinkt? Oder wenn Griechenland gar pleite geht? Auch so mancher Großinvestor zweifelt daran. Die Konsequenz: Sie ziehen Spareinlagen aus europäischen Banken ab. So wenig wie jetzt haben etwa US-Fonds seit 2006 nicht mehr bei europäischen Banken geparkt. Vor Kurzem hieß es, dass der Siemens-Konzern 500 Millionen Euro an kurzfristigen Einlagen von der französischen Großbank Société Générale abgezogen hat. Am Freitag wurde bekannt, dass der britische Versicherer Lloyd's of London ebenfalls Spareinlagen bei Geldhäusern der Eurozone abgehoben hat.

Das Umfeld für Banken ist derzeit alles andere als rosig: Abfluss von Geldern großer Kunden, Verluste bei vermeintlich so sicheren Staatsanleihen und ein drohender Stillstand in der Gesamtwirtschaft - all das sorgt für weitere Kursstürze an den Börsen. Nach enormen Verlusten am Donnerstag ging es am Freitag weiter steil bergab.

Die aktuelle Verschärfung der Krise hat viele Gründe. Ein gewichtiger davon: Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos soll erstmals von einer geordneten Insolvenz mit einem Schuldennachlass von 50 Prozent gesprochen haben. Das berichteten mehrere griechische Medien am Freitag. Das Athener Finanzministerium dementierte umgehend.

Erstmals schloss aber auch ein Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), der niederländische Notenbankchef Klaas Knot, den Staatsbankrott nicht mehr aus. "Ich war lange davon überzeugt, dass ein Konkurs nicht erforderlich ist. Ich bin nun weniger entschieden beim Ausschließen des Konkurses", so Knot. Wie eine derartige "geordnete Insolvenz" ablaufen soll, ist noch vollkommen unklar. Die EU hat es bisher noch nicht geschafft, sich für diesen Fall Regeln zu geben.

Was wären die Folgen einer Staatspleite?

Für die Gläubiger: Alle, die dem griechischen Staat Geld geborgt haben - von einzelnen Anlegern, über Finanzinstitute bis zu den Euro-Partnerländern, dem Internationalen Währungsfonds und der EZB - müssten auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Die Rede ist von mindestens 50 Prozent, vielleicht aber auch mehr. Banken, die diesen Verzicht nicht aushalten würden, müssten gestützt werden. Offen ist, ob die dafür nötigen Milliarden vom Euro-Rettungsschirm EFSF kommen können.

Für Griechenland: Das Land wäre auf einen Schlag zumindest die Hälfte seiner Schulden los. Das Vertrauen in das Land wäre aber nachhaltig geschädigt. Argentinien bekommt zehn Jahr nach seiner Pleite heute noch kein Geld geborgt. Griechenlands ohnehin angeschlagene Banken würden einen Schuldenschnitt nicht ohne Hilfe aushalten. Es besteht die große Gefahr, dass die Griechen aus Angst um ihr Geld die Banken stürmen - was die Institute in zusätzliche Probleme stürzt.

Unmut über EU-Politik

Nicht nur zum Thema Staatspleite haben Europas Politiker keinen Plan. Völlig offen ist auch, wie mit der gesamten Schuldenkrise umgegangen werden soll. Viviane Reding, stellvertretende Präsidentin der EU-Kommission, hat sich einen neuen Vorschlag ausgedacht: Alle sechs Staaten der Eurozone, die über die beste Bonität "AAA" verfügen (Deutschland, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Finnland und die Niederlande) sollten gemeinsame Anleihen begeben. In einem weiteren Schritt könnten sie das Geld dann an Not leidende Staaten wie Griechenland weiterreichen. So würden die Griechen davon profitieren, dass die AAA-Länder niedrige Zinsen für Staatsanleihen zahlen. Kommt gar nicht infrage, hieß es darauf prompt von der deutschen Regierung.

Der Unmut darüber, dass es die Politik in Europa nicht schafft, die Schuldenkrise einzudämmen, wird immer größer. In einem offenen Brief forderten sieben Regierungschefs aus dem Kreis der G-20 (die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer) ein entschiedenes Vorgehen Europas, um das Risiko einer globalen Ansteckung zu bannen. Die Unterzeichneten: Die Staatschefs von Australien, Großbritannien, Indonesien, Kanada, Mexiko, Südafrika und Südkorea.

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