Griechen-Pleite käme Österreich teuer

Eine Insolvenz Griechenlands würde Österreich rund 40 Mrd. Euro kosten. Europas Spitzen suchen hektisch nach einer halbwegs gangbaren Lösung.
Griechen-Pleite käme Österreich teuer

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Schuldenberg von 350.000 Euro angehäuft. Allein um die anfallenden Zinsen zahlen zu können, müssten Sie deutlich mehr einnehmen (verdienen) als ausgeben. Das Gegenteil ist aber der Fall. Jetzt kann Sie nur noch ein Wunder vor der Pleite retten.

Exakt in dieser Finanzklemme steckt Griechenland, nur ist diese um etliche Nullen größer. 350 Milliarden Euro hoch ist der Schuldenberg. Allein für die Zinsen müsste das Land einen Haushaltsüberschuss von 7,5 Prozent zustande bringen. Tatsächlich klafft aber ein Defizit von voraussichtlich 9,5 Prozent der Wirtschaftsleistung im Haushalt. Dass Griechenland seinen Schuldenberg nicht aus eigener Kraft abtragen kann, ist längst allen klar. An einem Schuldenerlass und damit einer Pleite des Landes dürfte kein Weg vorbeiführen. Bis dahin versuchen die Politiker in der Eurozone, sich durchzuwurschteln.

Die Insolvenz eines Eurolandes gilt allen noch dazu als Krankheit, mit der sich andere Staaten anstecken könnten. Im Wiener Finanzministerium wurde schon Ende 2009/Anfang 2010 errechnet, dass bei einer Pleite Griechenlands und einem darauf folgenden Zerfall der Eurozone Österreichs Volkswirtschaft insgesamt einen (grob geschätzten) Schaden von 40 Milliarden Euro davontragen würde. Weil die österreichische und deutsche Währung (wie immer sie dann heißt) massiv aufwerten würde, käme es zu einem Blutbad in der Exportwirtschaft, die immerhin zwischen 50 und 60 Prozent unseres Wohlstandes erwirtschaftet.

Der Fall Griechenlands alleine kann die Eurozone nicht sprengen. Im Finanzministerium geht man aber davon aus, dass bei einer Pleite Athens sofort die Zinsaufschläge für
andere Schuldnerländer wie Italien und Spanien massiv steigen würden, jeder Euro-Rettungsschirm zu klein wäre und die Eurozone über kurz oder lang nicht mehr zu halten sei. Daher will Finanzministerin Maria Fekter offiziell nichts von einer Pleite Griechenlands wissen.

"Geordnete Insolvenz"

Dennoch denken mittlerweile auch die mächtigsten Politiker der Eurozone, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy, über eine griechische Pleite nach. Bei einem Krisentelefonat der beiden mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, das für Mittwochabend angesetzt war, sollte auch eine "geordnete Insolvenz" Griechenlands diskutiert werden, hieß es aus dem Athener Finanzministerium.

Bei einem griechischen Schuldenschnitt könnte die eine oder andere Bank in Schieflage geraten. Theoretisch wäre die Eurozone darauf vorbereitet: Nach einer Reform dürfte der Euro-Rettungsschirm EFSF auch Geld für Bankenrettungen verleihen. Vorläufig bleibt das Theorie. Denn die EFSF-Reform muss in allen nationalen Parlamenten der Eurozone beschlossen werden. In der Slowakei etwa findet sich aber keine Mehrheit dafür, In Österreich verzögert sich alles.

Griechen-Pleite käme Österreich teuer

Notenbank-Chef Ewald Nowotny erteilte am Mittwoch einen Ordnungsruf. Es sei "nicht angebracht, im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum zweiten Programm für Griechenland von einer Insolvenz zu reden". Ganz anders Polens Finanzminister Jacek Rostowski. Er hält mittel- bis langfristig einen Krieg in Europa für nicht ausgeschlossen, sollten Eurozone und EU zerfallen.

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