Parteifinanzen: Neue Regeln im Test

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Wirtschaft
08/01/2012

Griechen haben kein Geld für Bestechung

Für viele Griechen wird es immer schwieriger, geforderte Schmiergelder zahlen zu können. Als Folge sinkt der Preis für Korruption.

Die Griechen finden es zunehmend schwierig, den hohen Schmiergeldforderungen von Beamten aufzukommen, heißt es in einem neuen Regierungsbericht. Die diskreten, mit Geld gefüllten Umschläge - in Griechenland "Fakelaki" genannt - mit denen Bestechungsgelder üblicherweise gezahlt werden, könnten damit zu einem Opfer der anhaltenden Rezession werden.

"Es gibt keine ernsthafte Korruption mehr. Es gibt einfach kein Geld für großangelegte Verbrechen", sagte der für den jährlichen Korruptionsbericht Verantwortliche, Leandros Rakintzis, laut der Zeitung Proto Thema. Freilich habe die Krise die Korruption an sich nicht eingedämmt, sondern lediglich den Preis der bestechlichen Beamten reduziert. "Sie haben ihre Preise gesenkt", sagte Rakintzis.

Gesundheitssektor und die Steuerbehörden

Als korrupteste Bereiche der griechischen Verwaltung nennt der Bericht den Gesundheitssektor und die Steuerbehörden. Untersucht wurden 1.403 Fälle von Korruption. Die schlimmsten Beispiele von Bestechlichkeit gibt es demnach beim Fiskus und unter hochrangigen Beamten mit vielen Jahren Berufserfahrung. In einem Fall, den der Bericht nennt, stellte eine Steuerbeamte ihrem Verlobten einen einwandfreien Steuerbescheid aus, obwohl dieser keine Unterlagen eingereicht hatte und Rückstände von 178.863 Euro offen waren.

Der Bericht sieht einen langen Weg bei der Bekämpfung der Korruption in Griechenland. "Der Kampf ist nicht einfach, sondern lang, schwierig und schmerzhaft und erfordert nachhaltigen politischen Willen, weil es viele Hürden zu beseitigen gibt", so Rakintzis. Als besondere Schwierigkeit nannte er bürokratische Hürden, die der Korruptionsbekämpfung im Weg stehen, sowie Gegenklagen der Beschuldigten in Korruptionsprozessen.

Die griechische Steuerbehörde meldet unterdessen Rekordraten bei der Steuerhinterziehung auf den griechischen Inseln (mehr dazu: HIER). Bei Inspektionen im Juli seien bei sechs von zehn Unternehmen Steuervergehen gefunden worden, berichtet die Online-Zeitung Athens News. Die meisten Steuerhinterziehungen gebe es - mit Raten bis zu hundert Prozent - auf den Inseln Zakynthos und Lefkada, in Rethymno auf Kreta und in Kastoria.

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