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Wirtschaft
12/05/2011

"Gaskunden zahlen 300 Euro im Jahr zu viel"

"Der Wettbewerb am Gasmarkt funktioniert nicht", ärgert sich Walter Boltz, Chef der Energiemarktaufsicht.

In Österreich funktioniert neun Jahre nach der Liberalisierung des Gasmarktes der Wettbewerb nicht", ärgert sich der Chef der Energiemarktaufsicht Walter Boltz. Die Gaspreise seien hierzulande deutlich höher als in Deutschland, obwohl der Großteil des Importgases aus Russland durch Österreich nach Deutschland transportiert werde.

Um mindestens 25 Prozent sei Gas in Österreich daher zu teuer. Ein durchschnittlicher Haushalt zahle 300 Euro im Jahr zu viel. Das Hauptproblem sieht Boltz darin, dass die großen Gasgesellschaften ihre Pipelines für neue Anbieter nicht öffnen. Es gelinge ihnen nach wie vor, den Gasmarkt vom Wettbewerb abzuschneiden.

Und das funktioniert laut Boltz folgendermaßen: Das russische Erdgas gelangt über Pipelines durch die Ukraine und die Slowakei am österreichisch-slowakischen Grenzort Baumgarten ins heimische Netz. Von dort wird ein Teil an die Landesversorger geleitet, der Großteil aber über die West-Austria-Gasleitung (WAG) nach Deutschland und Frankreich geliefert. Würde in Österreich ein neuer Gaslieferant gegründet, hätte er keine Chance, Transitgas aus dieser WAG-Pipeline in Österreich zu bekommen. Die großen Gaskonzerne würden dies verhindern. Der neue Anbieter müsse das Gas von den deutschen Versorgern kaufen und nach Österreich zurückleiten. Das verteuert das Gas. "Der Preisspielraum der alternativen Anbieter ist daher limitiert", sagt Boltz.

In Deutschland funktioniere zudem der Wettbewerb am Gasmarkt besser. Dort würde Flüssiggas, das per Schiff an den Häfen ankommt, den Gaspreis drücken. Die deutschen Haushalte zahlen daher weniger als die Österreicher.

Hoffnung

Das neue Gaswirtschaftsgesetz, das noch heuer vom Parlament beschlossen werden soll, sollte allerdings den Wettbewerb am heimischen Gasmarkt in Gang bringen. Denn das Gesetz untersagt die Trennung zwischen Transitgas und Gas für den Heimmarkt nicht mehr. Damit hätten neue Anbieter Chancen, in Österreich Gas aus den Pipelines zu bekommen, was den Preis drücke.

Lieferanten-Wechsel: Wer umsteigt, zahlt weniger

Gasverbraucher müssen sich nicht mit den teuren Angeboten ihrer angestammten Lieferanten abfinden. Sie können den Versorger wechseln. Ein durchschnittlicher Wiener Haushalt kann sich beim Umstieg von Wien Energie auf den derzeit billigsten Gaslieferanten (die Kärntner Kelag) rund 100 Euro im Jahr ersparen. In Niederösterreich und im Burgenland macht der Preisvorteil beim Wechsel sogar 135 Euro aus, in Oberösterreich 145 Euro. Der Wechsel ist einfach: Online unter www.e-control.at den Tarifkalkulator anklicken, Eingabe der Postleitzahl und des Jahresverbrauchs (ablesbar auf der Jahresabrechnung) den billigsten Anbieter herausfinden. Formular ausfüllen und abschicken. Der Wechsel ist kostenlos und dauert maximal sechs Wochen. Die gesamte Abwicklung übernimmt der neue Lieferant.

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