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Wirtschaft
03/25/2019

Flugausfälle in Wien: Fluglotsen-Verhandlungen gescheitert

Kollektivvertragsverhandlungen für Austro-Control-Fluglotsen wurden erneut ergebnislos unterbrochen. Viele Verzögerungen.

Aufgrund einer Betriebsversammlung der Fluglotsen bei der Austro Control kam es am Montagmorgen zu Beeinträchtigungen im Flugverkehr. Zudem mussten auch einige Flüge gestrichen werden.

Konkret fielen fünf Flüge der Austrian Airlines aus:

  • OS 521/522 VIE-VCE-VIE  Wien-Venedig
  • OS 795/796 VIE-SOF-VIE Wien-Sofia
  • OS 705/706 VIE-PRG-VIE Wien-Prag
  • OS 713/714 VIE-BUD-VIE Wien-Budapest
  • OS 718 BUD-VIE Budapest-Wien

Weitere Streichungen seien nicht ausgeschlossen, teilte die Fluglinie mit. Darüber hinaus komme es zu etlichen Verspätungen. Viele Flüge fanden am Montagvormittag bis zu eineinhalb Stunden verzögert statt.

Kunden, die bei der Buchung ihre Telefonnummer oder E-Mail Adresse angegeben hatten, sowie Mitglieder des Vielfliegerprogrammes Miles & More wurden per SMS oder E-Mail über Änderungen im Flugprogramm informiert. Umgebuchte Flüge können sie unter „Meine Buchung“ einsehen. Alle anderen Passagiere werden ersucht, den aktuellen Status ihres Fluges zu überprüfen, bevor sie zum Flughafen aufbrechen.

Aufruf zu Verhandlungen

„Wir bitten die Verhandlungsparteien, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und den Konflikt nicht auf dem Rücken unserer Kunden auszutragen“, sagt Austrian-Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech.

In Sachen Kollektivvertrag kam es dennoch zu keiner Annäherung. Am frühen Vormittag mussten die Verhandlungen für Fluglotsen erneut ergebnislos unterbrochen werden. 

"Wir bitten die Fluggäste für entstehende Unannehmlichkeiten um Verständnis. Es ist unsere Pflicht, die Bediensteten über den Verhandlungsstand zu informieren", so die Verhandlungsführer Daniel Liebhart von der Gewerkschaft vida und Alexander Rovina von der Gewerkschaft der Post und Fernmeldebediensteten (GPF).

Die Arbeitgeber hätten es "wieder nicht geschafft, ein seriöses Angebot auf den Tisch zu legen, das die Belastungen der Fluglotsen reduziert", kommentierten sie die KV-Verhandlungen. Die ständig steigenden Flugbewegungen würden ein "Mehr an Personal unausweichlich" machen, so die Gewerkschafter.

Die Austro Control müsse dringend neue Anreize schaffen, um wieder "mehr Bewerber zu rekrutieren bzw. Fluglotsen in Österreich zu halten".

"Nicht nachvollziehbar"

Die Betriebsversammlungen in Schwechat und bei der Überflugkontrolle seien "nicht nachvollziehbar", sagte Austro-Control-Sprecher Markus Pohanka am Montag. Wie schon am Freitag verwies er auf einen "vorläufigen sehr guten Abschluss" der KV-Verhandlungen, der von Gewerkschaften auch schon unterschrieben worden sei.

Pohanka teilte zudem mit, dass auch bereits Gesprächstermine betreffend Reduktion der Belastung von Fluglotsen festgelegt worden seien. Die Betriebsversammlungen hätten "zu spürbaren Auswirkungen für Passagiere geführt". Dafür gebe es aus Unternehmenssicht kein Verständnis, so der Sprecher.

Die Versammlungen gingen im Laufe des Vormittags zu Ende. Dennoch müsse vorerst weiterhin mit Verspätungen im Flugverkehr gerechnet werden, hieß es seitens des Flughafens Wien.

Software-Probleme in Deutschland

Bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) sorgten Software-Problem zu Wochenbeginn zu weiteren Verspätungen und Flugausfällen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden bis Mittag 68 von rund 1400 geplanten Flugbewegungen gestrichen, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport am Montag berichtete. Beim Hauptkunden Lufthansa mussten 46 Flüge mit rund 4500 betroffenen Passagieren abgesagt werden. In Wien wurden am Montag zwei Flüge nach Frankfurt und einer nach München gestrichen.

Man rechne auch für die kommenden Tage mit einem eingeschränkten Betrieb, sagte der Fraport-Sprecher. Am Vormittag hatte die Flugsicherung angekündigt, die problematische Software erst in der Nacht zum Donnerstag (28. März) austauschen zu wollen. Bis auf Weiteres gelte in dem vom DFS-Sitz im nahen Langen kontrollierten Luftraum eine Kapazitätsbegrenzung auf 75 Prozent. Das heißt, dass ein Viertel der maximalen Kapazität aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden darf. Die Flugsicherheit sei nicht gefährdet.

Gestrichen würden Verbindungen auf häufig geflogenen Strecken, damit man den Kunden eine schnelle Alternative anbieten könne, erläuterte eine Sprecherin. Grundsätzlich ist der Luftverkehr nach dem Winterflugplan noch nicht so dicht wie im Sommer.

Die Computer-Probleme bei der Flugsicherung dauern bereits seit Mittwoch vergangener Woche an. Als Ursache wird ein Software-Update aus dem Februar vermutet. Allerdings läuft das Programm in den anderen DFS-Centern fehlerfrei. Die betroffene Software stellt den Lotsen auf elektronischen Kontrollstreifen alle für den Flugverlauf wichtigen Daten jedes Fluges zur Verfügung. Das sind beispielsweise Flugzeugtyp, Flugstrecke und die erwartete Überflugzeit.