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Flüchtlinge
11/30/2015

Für Arbeitsmarkt ist Sprache und Integration wichtig

Statistik Austria mit Studie zu Migranten am Arbeitsmarkt. Schlüsse für aktuelle Flüchtlingsthematik möglich.

Mitten in der Flüchtlingkrise hat die Statistik Austria am Montag eine Studie zur Arbeitsmarktsituation von Migranten vorgestellt. Diese analysiert zwar die Situation des Vorjahres, laut Behördenchef Konrad Pesendorfer kann man daraus aber auch Schlüsse für die Folgen der aktuellen Situation ziehen. "Integration funktioniert über Sprache", sagte er im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Eine wesentliche Ursache, warum die Arbeitslosenquote bei nicht in Österreich Geborenen höher liege, sei die Sprachkenntnis. Nach der Sprache folgt als wichtigstes Kriterium der Bildungsstand, so der Statistik-Austria-Chef am Montag. Was man hier aber nicht vergessen dürfe, ist, dass während des Erlernens der Sprache die ursprünglichen Berufsqualifikationen nicht weiterentwickelt werden und damit veralten. So könne eine Verwendung von Migranten mit nicht deutscher Muttersprache am Arbeitsmarkt "problematisch" werden.

Lob für das AMS

Wenn etwa ein Akademiker zwei, drei Jahre fürs Erlernen von Deutsch brauche und einstweilen als Lagerarbeiter seinen Unterhalt verdiene, dann sage sich wohl jeder potenzielle Arbeitgeber, dass er diesen nicht mir nichts dir nichts als Akademiker in seinem Unternehmen einsetzen könne, erklärte der Statistiker.

Pesendorfer lobte das Projekt des AMS, bei dem zuallererst in der Muttersprache Qualifikationen und Fähigkeiten von Nicht-Österreichern erhoben würden. "Das ist ein wesentliches Element, um relativ schnell zu differenzieren, ob es sinnvoll ist, sehr viel Geld und Zeit in die Weiterbildung der Person zu investieren - oder ob auch nach einer kostenintensiven Weiterbildung die Chance auf einen besseren Job eher gering ist."

Positivbeispiel: Bosnien und Herzegowina

Als positives Beispiel für eine Integration am Arbeitsmarkt nannte Pesendorfer Kriegsflüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina, die ebenso aus einer Notsituation heraus nach Österreich flüchteten, wie dies aktuell Syrer täten. Bosnier machen mit 167.000 Menschen in Österreich die zweitgrößte Migrantengruppe nach den Deutschen mit 200.000 Leuten aus. Bei in Bosnien Geborenen lag die Arbeitslosigkeit mit 6,7 Prozent im Jahresdurchschnitt 2014 nur geringfügig höher als bei in Österreich Geborenen mit 4,6 Prozent. Bei Menschen aus den alten EU-15 ohne Österreich sind es 5,7 Prozent.

Beispielsweise bei Serben, die wie Türken schon ab den 1970er-Jahre als Arbeitsmigranten eingewandert sind, lag der Wert aber bei 14,1 Prozent, bei Türken bei 15,5 Prozent. Der Durchschnitt aller nicht in Österreich geborenen liegt bei 10,1 Prozent.

Gefühlte Überqualifizierung

Bezogen auf die Integration insgesamt und am Arbeitsmarkt ließ Pesendorfer auf Nachfragen eine gewisse Sorge wegen des Asyls auf Zeit anklingen. Wenn sich die Situation im Herkunftsland normalisiert hat, können Leute nach drei Jahren zurückgeschickt werden. Dies könnte sich "letztendlich leerlaufen, wenn alle Integrationsbemühungen erfolgreich sind. Es ist wichtig, den Leuten von Anfang an reinen Wein einzuschenken".

Prinzipiell fühlen sich, wie aus der aktuellen Studie der Statistik Austria hervorgeht, Migranten weit öfter für ihren Job überqualifiziert als in Österreich Geborene. Bei Einwanderern sind es 23,5 Prozent, bei Österreichern 8,8 Prozent und im Durchschnitt 11,4 Prozent (460.400 Personen). Frauen geben den Umstand der gefühlten Überqualifizierung öfters an als Männer - auch wenn sie in Österreich geboren wurden.

Familiennachzug nicht steuerbar

Für im Ausland Geborene spielen persönliche Netzwerke eine größere Rolle beim Finden von einem Job als bei hier Geborenen. Blindbewerbungen schreiben sie weniger. Pesendorfer sagte, hier spiele öfters der Nachname eine Rolle, um zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Nicht-Österreicher haben öfter nur eine Pflichtschul-Ausbildung - aber auch öfter eine tertiäre Ausbildung. "Es gibt eine in den Extremen angesiedelte Bildungshöhe bei Migranten. Die sich sehr stark nach Herkunftsländern differenziert", so Pesendorfer. Hier kommen die vielen Deutschen Migranten aber auch jene aus Südtirol (Italien) ins Spiel, die oft auch hierzulande studieren.

Die Migrationsmotive seien in erster Linie die Arbeit und auch der Familiennachzug. Hier gab Pesendorfer zu bedenken, dass der Familiennachzug praktisch nicht steuerbar sei.

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