Finanzjongleure, die Millionen verzockten

Jüngst hat die Schweizer UBS durch unerlaubten Handel eines Mitarbeiters Milliarden verloren. Ähnliche Fälle gab es zu Genüge - eine Übersicht.

Finanzjongleure haben schon mehrfach riesige Schäden mit Finanzgeschäften angerichtet. Bei einigen ging es um Milliarden. Die spektakulärsten Fälle... 2,3 Milliarden Dollar (1,67 Mrd. Euro) Verlust für die Schweizer Großbank UBS, weil einer ihrer Händler unerlaubt gehandelt hat... Die Verfehlung des mittlerweile wegen Betrugs und Bilanzmanipulation verhafteten Kweku Adoboli (31) ist kein Einzelfall in der Geschichte. Viele Großbanken haben in den letzten Jahren herbe Einbußen hinnehmen müssen, weil die Strategie ihrer Händler nicht aufging. Bei einigen war es schlicht Pech, andere haben sich auf der Tastatur vertippt (im Fachjargon Fat Fingers genannt)... ... manche waren aufgrund einer durchzechten Nacht zu betrunken, manche wurden zum eigenen Opfer ihrer kriminellen Machenschaften, wenn Risikovorschriften willentlich missachtet und Handelslimits nicht eingehalten wurden. Rogue Trader heißen diese Broker auf Englisch (rogue= Schurke). Hier eine Übersicht über die bekanntesten Verfehlungen der letzten Jahre. Jérôme Kerviel: Kerviel war im Eigenhandel der Großbank Société Générale tätig. Dort baute er Positionen im Volumen von rund 50 Mrd. Euro auf – an und für sich liegt das Limit bei 125 Mio. Euro. Absicherungsgeschäfte täuschte Kerviel nur vor. Anfangs gingen seine Indexdeals noch gut – am Ende entstand für die Bank ein Schaden von 4,9 Mrd. Euro. Im Oktober 2010 wird der ehemalige französische Börsenhändler in Paris wegen Computermissbrauch, Veruntreuung und Fälschung zu fünf Jahren Haft, davon zwei zur Bewährung, verurteilt. Laut Urteil ist Kerviel verpflichtet, seinem Arbeitgeber den Milliarden-Verlust zurückzuerstatten. Evan Dooley: Im Februar 2008 missachtete der Händler von MF Global die ihm gesetzten Handelslimits und setzte bei Weizenfutures 141 Millonen Dollar in den Sand. In einem Interview mit dem Wall Street Journal machte Dooley die von ihm genutzten Computerhandelssysteme für die Verluste verantwortlich. Das Unternehmen musste im Dezember 2009 10 Mio. Dollar-Strafe zahlen – wegen unzureichender Risikokontrollen seiner Mitarbeiter. Dooley steht derzeit unter anderem wegen Betrugs in Chicago vor Gericht. Steve Perkins: Dem Händler vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures gelang es im Jahr 2009, den Ölpreis mit einer Reihe nicht-autorisierter Trades auf ein Acht-Monats-Hoch zu treiben. Am Ende beliefen sich die Verluste des Unternehmens auf 10 Mio. Dollar. Perkins gab später an, bei den Deals an einem Montagmorgen im Vollrausch gewesen zu sein – feuchtfröhlich war ein Golfausflug am Wochenende davor. Perkins erhält fünf Jahre Berufsverbot und muss 72.000 Pfund Strafe zahlen. (Symbolbild) Alexis Stenfors: Sein Urlaub brachte den Devisenhändler von Merrill Lynch um seinen Job. Stenfors zog, um seine Verluste auszugleichen, einerseits immer riskantere Geschäfte auf. Auf der anderen Seite fälschte er, um die Verluste zu verschleiern, bewusst Handelspositionen und legte seinem Arbeitgeber falsche Beträge vor. Während Stenfors auf Urlaub war, wurden seine Handelsbücher geprüft, der Schwindel flog auf. Im Februar 2009 erhält der Händler mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Schaden für Merrill Lynch: 456 Mio. Dollar. David Bullen (Bild), Gianni Gray, Luke Duffy und Vince Ficarra: Die vier ehemaligen Händler der National Australia Bank (NAB) wurden im Juli 2006 nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Mit betrügerischen Geschäften wollten die Vier ihre Boni erhöhen und Verluste verschleiern. Die NAB musste 360 Mio. Dollar abschreiben. Am Trading-Desk der Bank habe eine „Kultur der Angst und Einschüchterung geherrscht“, sagten Ficarra und Bullen vor Gericht aus. Brian Hunter: Der Händler bescherte dem Hedgefonds Amaranth Advisors LLC im März/April 2006 nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Der Hedgefonds brach wenig später zusammen. John Rusnak: Der Devisenhändler baute zwischen den Jahren 1997 und 2001 ein erfolgreiches Betrugssystem auf, das ihm 850.000 Dollar Gehalt und Boni einbrachte. Seinem Arbeitgeber Allfirst, US-Tochter der Allied Irish Bank, kosten die illegalen Deals 691 Millionen Dollar. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Auch er muss die angefallenen Verluste seines ehemaligen Arbeitgebers ausgleichen. Yasuo Hamanaka:  Als "Mr. Fünf Prozent" wurde 1996 der Chefhändler des japanischen Handelshauses Sumitomo Corp berühmt. Gemeinsam mit seinem Team soll er zeitweise fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben. Als erstmals Verluste anfielen, startete Hamanaka illegale Trades mit geliehenem Geld, fälschte Bücher und erfand Geschäfte, um den Kupferpreis weiter nach oben zu treiben. Als die Machenschaften aufflogen, rasselte der Kupferpreis in den Keller. Binnen eines Tages fiel er um 27 Prozent. Für Suminoto hatten sich in zehn Jahren 2,6 Mrd. Dollar Verlust angehäuft. Hamanaka wurde zu acht Jahren Gefängnis Haft verurteilt, von denen er sechs absaß. 

Bild: Lederhose aus Kupfer Toshihide Iguchi: Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis. Nick Leeson: Der britische Finanzjongleur ist verantwortlich dafür, dass die im Jahr 1717 gegründete britische Traditionsbank Barings 1995 zusammenbricht. Durch Derivatenhandel häufte Leeson Verluste in Höhe von 1,4 Mrd. Dollar für die Barings Bank - die Queen war dort Kundin - an. Verluste buchte er auf ein geheimes Konto, während fiktive Gewinne auf dem Firmenkonto verbucht wurden. Leeson wurde Urkundenfälschung, Untreue und Betrug zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Orlando Joseph Jett: Um Verluste zu verschleiern, erfand der Anleihehändler bei Kidder Peabody, einer Tochter von General-Electric, einfach Gewinne in der Höhe von 350 Mio. Dollar. Im September 2007 wurde Jett dazu verurteilt einen Teil des Schadens zu ersetzen (8,2 Mio.), musste 200.000 Dollar Strafe zahlen und bekam Berufsverbot als Händler. David Redmond: Am 6. Februar 2008 ging Redmond, tätig im Rohstoffhandel bei Morgan Stanley in London, wie gewöhnlich auf Mittagspause. Gut dreieinhalb Stunden später und einige Drinks zu viel, kehrte der Händler betrunken an seinen Schreibtisch zurück und schloss eine 10 Mio. Dollar-Wette auf Ölfutures ab. Dabei nutzte er Handelskonten seiner Kollegen und umging Richtlinien von Morgan Stanley. Mit der gewonnenen Einsicht, eigentlich zu betrunken für Trades zu sein, ging Redmond nach Hause. Am nächsten Tag Ernüchterung: Redmond versuchte seinen Handel zu retten – vergeblich. Redmond erhielt von der britischen FSA ein Berufsverbot von mindestens zwei Jahren. Harshad Mehta: Unter dem Spitznamen „Big Bull“ als einer der Tophändler Indiens bekannt, soll sich Mehta gemeinsam mit Kollegen über ein Schlupfloch im Interbankenhandel Geld beschafft haben, das er dann für Aktienkäufe einsetzte. Der Betrug flog auf – die Banken forderten ihr Geld zurück. Mehta wurden in 72 verschiedenen Fällen angeklagt. Mehr als 600 Zivilprozesse wurden gegen ihn angestrengt. Mehta starb 2002 in Haft.

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(KURIER.at, apa / js) Erstellt am
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