© REUTERS JIM BOURG

Wirtschaft
08/01/2012

Fed: Wohl kein frisches Geld

Der Konjunkturmotor stottert, die Arbeitslosigkeit ist hoch: Dennoch kann die US-Wirtschaft nicht mit Konjunkturspritzen der Fed rechnen.

Trotz der Konjunkturflaute in den USA hält die Notenbank Federal Reserve (Fed) voraussichtlich noch still. Die Notenbank dürfte den Leitzins am Mittwochabend bei rekordniedrigen null bis 0,25 Prozent belassen und zunächst keine neuen Konjunkturspritzen aufziehen.

Die US-Wirtschaftsleistung war im zweiten Quartal mit aufs Jahr hochgerechnet 1,5 Prozent enttäuschend ausgefallen und auch die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit bereitet den Notenbankern um Fed-Chef Ben Bernanke nach wie vor Kopfzerbrechen. Dennoch ist die Wirtschaft aus Sicht vieler Fed-Beobachter noch nicht so schwach, dass ihr die Notenbank beispringen müsste. Das Konjunkturbild könnte sich aber im Spätsommer oder Herbst weiter eintrüben und die Fed noch zu einer dritten geldpolitischen Lockerung in großem Stil bewegen.

Arbeitsmark

Doch dieser Zeitpunkt ist für Fed-Beobachter Harm Bandholz noch nicht gekommen: "Bevor die Federal Reserve zu ihrer letzten Waffe greift, benötigt sie voraussichtlich weitere Belege dafür, dass die aktuelle Konjunkturdelle mehr ist als nur eine vorübergehende Atempause", meint der UniCredit-Ökonom. Bisher äußerte die Notenbank die Erwartung, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr schrittweise besser läuft. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Entwicklung am Job-Markt: "Falls wir keine andauernde Verbesserung am Arbeitsmarkt sehen, sind wir bei Bedarf darauf vorbereitet, weitere Schritte einzuleiten", betonte Bernanke.

Gespannt blicken die US-Geldpolitiker zugleich auf zwei Schlüssel-Faktoren für die Konjunkturentwicklung, auf die sie keinen Einfluss haben. Zum einen müssen die USA mit massiven Folgen rechnen, falls jenseits des Atlantiks die europäische Währungsgemeinschaft ihre tiefgreifende Krise nicht in den Griff bekommen sollte. EZB-Chef Mario Draghi hat mit seinem Bekenntnis zur Rettung des Euro allerdings höchste Erwartungen an die Ratssitzung am Donnerstag geweckt. Anleger interpretierten seine Worte als Ankündigung unbegrenzter Käufe von Anleihen schuldengeplagter Staaten wie Spanien oder Italien.

Zum anderen laufen Ende des Jahres Steuervergünstigen und Ausgabenprogramm in den USA aus. Experten warnen hinsichtlich dieser sogenannte "Haushaltsklippe" (fiscal cliff) bereits vor Rezessionsrisiken. Dieses Problem wird auch der US-Kongress vor Augen haben, der wahrscheinlich nicht vor den Präsidentenwahlen Anfang November eine Verlängerung der Programme angehen wird. "Da also erst kurz vor Ablauf der Frist am Jahresende eine Entscheidung getroffen werden dürfte, könnte allein die zunehmende Unsicherheit bereits das Wachstum belasten", warnt Bandholz.

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