Wirtschaft
08.05.2017

Fed-Chefin deutet Willen zur raschen Zinserhöhung an

Fed-Cleveland-Chefin will sich durch schwachen Jahresstart der US-Wirtschaft nicht von rascher Zinserhöhung abbringen lassen. Kollege aus St. Louis widerspricht. Die EZB nimmt unterdessen Kurs auf die 2-Billionen-Euro-Marke bei Staatsanleihen-Ankäufen.

Der schwache Jahresstart der US-Wirtschaft sollte die Notenbank Federal Reserve laut Währungshüterin Loretta Mester nicht von einer raschen Zinserhöhung abbringen. "Auch in schnelllebigen Zeiten sollten wir uns bei den einlaufenden Wirtschaftsdaten nicht zu Überreaktionen hinreißen lassen", sagte die Chefin der Fed-Filiale Cleveland am Montag.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat in den ersten drei Monaten nur um aufs Jahr hochgerechnet 0,7 Prozent zugelegt - das kleinste Plus seit drei Jahren. Die Notenbank wertet dies jedoch als Ausreißer. Mester verweist darauf, dass die Fed immerhin ihr Ziel Vollbeschäftigung erreicht habe und bei der Inflation dem angestrebten Wert von zwei Prozent nahe sei. Die Notenbank müsse nicht mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik warten, bis auch dieses Ziel erfüllt sei.

Die Äußerungen dürften viele Investoren in ihrer Erwartung bestärken, dass die Fed im Juni den Leitzins weiter erhöht. Sie hatte ihn im März auf das aktuell gültige Niveau von 0,75 bis 1,0 Prozent angehoben. Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf 4,4 Prozent und damit das niedrigste Niveau seit fast zehn Jahren gesunken.

US-Notenbanker James Bullard hat sich über die Entwicklung der heimischen Wirtschaft hingegen enttäuscht geäußert. So sei das schwache Wachstum der Konsumausgaben besorgniserregend, sagte der Chef des Fed-Ablegers von St. Louis am Montag. Auch die Inflation sei zuletzt enttäuschend gewesen.

Wegen der schwächeren Konjunktur setzt sich Bullard dafür ein, die Zinsen in diesem Jahr höchstens ein weiteres Mal zu erhöhen. Er warf die Frage auf, ob eine Anhebung bereits im Juni sinnvoll sei. Dies würde die Sorge aufkommen lassen, dass sich die Fed vom Kalender und den Erwartungen der Märkte beeinflussen lasse, sagte Bullard.

Im April war zudem der Stellenzuwachs mit 211.000 weit höher als erwartet, was beim Chef der Federal Reserve von San Francisco, John Williams, die Sorge vor einer Überhitzung der Wirtschaft aufkommen ließ.

EZB kauft weiter Staatsanleihen

Die Europäische Zentralbank (EZB) baut unterdessen ihre umstrittenen Staatsanleihenkäufe nach Durchbrechen der 1,5-Billionen-Schwelle weiter aus. Die EZB und die nationalen Notenbanken nahmen in der Woche bis zum 5. Mai Staatstitel und andere öffentlichen Schuldenpapiere im Volumen von 10,77 Mrd. Euro in ihre Bücher, wie die Währungshüter am Montag in Frankfurt mitteilten. In der Woche davor waren es 14,08 Mrd. Euro. Insgesamt sind es damit seit Beginn der Transaktionen vor über zwei Jahren 1,52 Billionen Euro.

Die Euro-Wächter wollen mit den Käufen Geldhäuser zur stärkeren Kreditvergabe anregen. Sie sollen mehr Darlehen an Haushalte und Unternehmen vergeben - statt in Anleihen zu investieren. Das Ziel: Die Konjunktur soll auf diesem Weg angeschoben und die Inflation angeheizt werden. Das gesamte Kaufprogramm, das noch weitere Titel wie Firmenanleihen und Pfandbriefe umfasst, soll noch bis Ende Dezember laufen und dann eine Größenordnung von 2,28 Billionen Euro erreichen.