Wirtschaft
01.06.2018

Fast vier Milliarden Euro: Daimler droht Mega-Strafe

Deutscher Verkehrsminister droht im Dieselskandal Strafe von 3,75 Mrd. Euro an. Bis zu 750.000 Autos sollen manipuliert sein.

Dem deutschen Autobauer Daimler droht im Dieselskandal ein Ordnungsgeld von fast vier Milliarden Euro - sollte sich bewahrheiten, dass Daimler ähnlich wie Konkurrent Volkswagen bei Abgaswerten geschummelt hat.

Der Spiegel berichtete am Freitag vorab, der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer habe beim Treffen mit Konzernchef Dieter Zetsche am Montag den Verdacht geäußert, dass in 750.000 Fahrzeugen von Mercedes ein unzulässiges Abgasreinigungssystem eingebaut sei. Pro Fahrzeug könne er bis zu 5.000 Euro berechnen.

Vito-Transporter zurückgerufen

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte vorige Woche erstmals einen amtlichen Rückruf von fast 5.000 Mercedes-Transportern vom Typ Vito angeordnet, weil darin eine unzulässige Abschalteinrichtung festgestellt wurde. Nach Volkswagen wäre Daimler damit der zweite deutsche Autobauer, der wegen Abgasmanipulationen am Pranger steht.

Die VW-Verantwortlichen hatten erst nach massivem Druck der amerikanischen Umweltbehörden zugegeben, Dieselabgaswerte durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Diese erkennt, ob sich ein Auto auf einem Prüfstand befindet und reguliert nur dann den Stickoxidausstoß. Auf der Straße sind die Abgaswerte sehr viel höher. Die Wiedergutmachung des Abgasskandals kostete den weltgrößten Autokonzern bisher mehr als 25 Milliarden Euro.

Indizien bei C-Klasse angeblich erdrückend

Bei Daimler untersucht die Flensburger Zulassungsbehörde nun, ob die beim Vito entdeckte Software - oder Varianten - auch in anderen Modellen von Mercedes eingebaut sind. Zetsche soll dem Bundesverkehrsministerium binnen zwei Wochen Details präsentieren. Der Spiegel berichtete, die Untersuchungen an Dieselmodellen der viel verkauften C-Klasse seien weit fortgeschritten, die Indizien seien aus Sicht der Verkehrsbehörden erdrückend.

Laut dem Nachrichtenmagazin sollen Daimler-Vertreter noch innerhalb der zweiwöchigen Frist bis zum nächsten Treffen Zetsches mit Scheuer zur Anhörung zum KBA geladen werden. Dabei gehe es um mindestens 80.000 Autos, denen ebenfalls ein Rückruf drohe. Daimler äußerte sich nicht. Man habe mit Verkehrsminister Scheuer Vertraulichkeit vereinbart. Das Kraftfahrt-Bundesamt lehnte einen Kommentar ab. Vom Bundesverkehrsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Zetsche: "Gutes Gespräch"

In Deutschland und den USA ermitteln Strafverfolger und Behörden schon länger, ob auch bei den Schwaben von Betrug die Rede sein kann. Hohe Bußgelder und Schadenersatzzahlungen könnten die Konsequenz sein, wie der Konzern schon 2017 warnte. Beim beanstandeten Mercedes-Vito ist ein Motor von Renault verbaut. In Frankreich laufen gegen Renault-Verantwortliche ebenfalls schon länger Ermittlungen wegen Dieselbetruges.

Zetsche hatte bei dem Treffen mit Scheuer zu Wochenanfang nicht erkennen lassen, dass dem Unternehmen größere Probleme drohen könnten. Beim Verlassen des Ministeriums sagte er lediglich, es sei "ein gutes Gespräch" gewesen und man sehe sich in 14 Tagen wieder. Scheuer hatte der Autoindutrie erst am Donnerstag in einem Zeitungsinterview im Diesel-Skandal mangelnden Aufklärungswillen vorgeworfen.