Wirtschaft
18.07.2018

EZB-Ökonomen: Anleihenkäufe verringern Einkommenskluft etwas

Die Vermögensungleichheit im Währungsraum habe sich wegen der Anleihenkäufe zudem nicht messbar verringert.

Die billionenschweren Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) haben laut einer Studie einiger ihrer Volkswirte die Einkommensungleichheit in der Eurozone möglicherweise etwas verringert.

Der Grund dafür sei, dass die Arbeitslosigkeit beim ärmsten Fünftel aller Haushalte im Zuge des wegen der ultralockeren Geldpolitik höheren Wirtschaftswachstums gesunken sei, argumentieren die Ökonomen in einem Diskussionspapier, das die Notenbank am Mittwoch auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Allerdings sei der Effekt gering. Die Vermögensungleichheit im Währungsraum habe sich wegen der Anleihenkäufe zudem nicht messbar verringert.

"Die Verringerung der Arbeitslosigkeit und der Einkommensungleichheit ist besonders in solchen Ländern ausgeprägt, in denen wie in Spanien zu Beginn die Arbeitslosenrate höher ist", schreiben die Experten. Verbessert habe sich die Lage vor allem für untere Einkommensschichten. Bei anderen Gruppen sei die Beschäftigungslage nicht so stark konjunkturabhängig.

Entgegen der Kritik

Mit der Studie treten die Volkswirte Kritikern entgegen, denen zufolge von der ultralockeren Ausrichtung der EZB vor allem wohlhabende Schichten der Bevölkerung profitieren würden, die in größerem Umfang Immobilien oder Wertpapiere wie Aktien besitzen. Vor allem in Deutschland sind die Anleihenkäufe stark umstritten.

Die EZB begann im März 2015 mit dem Erwerb von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren im großen Stil. In den vergangenen Jahren waren sie das wichtigste Instrument der Währungshüter im Kampf für mehr Wachstum und Inflation im Währungsraum. Doch inzwischen läuft die Konjunktur wieder besser und auch die Inflation hat zugelegt. Im Juni lag sie mit 2,0 Prozent sogar einen Tick oberhalb der Zielmarke der EZB von nahe aber unter zwei Prozent. Wegen der günstigeren Konjunkturaussichten beschloss die EZB daher unlängst, die inzwischen auf 2,6 Billionen Euro angelegten Transaktionen bis zum Jahresende einzustellen.