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Trotz niedriger Inflation
02/06/2014

EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

Der Leitzins bleibt bei 0,25 Prozent. Beobachter erwarten im März den nächsten Zinsschritt.

Auch wenn die Inflation noch weiter gesunken ist: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihr Pulver vorerst trocken. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag in Frankfurt, den Leitzins im Euroraum bei 0,25 Prozent zu belassen, wie die Notenbank mitteilte. Zwar hatten die meisten Beobachter noch keine weitere Lockerung der Geldpolitik erwartet. Nach der überraschend niedrigen Jänner-Inflation sahen einige Experten den Zeitpunkt für einen neuen Eingriff der EZB aber bereits gekommen.

Denn EZB-PräsidentMario Draghihatte angekündigt, dass sich die EZB entschieden gegen einen Preisverfall stemmen werde. Die Notenbank müsse die Preisstabilität in beide Richtungen verteidigen - also auch, wenn sich die Rate zu weit nach unten von der Zwei-Prozent-Zielmarke entfernt: "Der EZB-Rat ist entschlossen zu handeln, wenn dies nötig wird."

Im Jänner war die Jahresteuerung im Euroraum auf 0,7 Prozent und damit deutlich unter den Zielwert der EZB von knapp unter 2,0 Prozent gefallen. 0,7 Prozent ist exakt die Rate, die die Notenbank im November zu ihrer jüngsten Zinssenkung auf das Rekordtief von 0,25 Prozent veranlasst hatte. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb.

Nächster Zinsschritt im März?

Beobachter erwarten nun im März den nächsten Zinsschritt: Dann veröffentlichen die Währungshüter ihre neuesten Wachstums- und Inflationsprognosen. Bisher prognostiziert die EZB im laufenden Jahr eine Teuerung von 1,1 Prozent. Sollte sie diese nach unten korrigieren, wären die Notenbanker aus Sicht von Experten schon fast zum Handeln gezwungen. Commerzbank-Ökonom Michael Schubert rechnet fest damit: "Wir sind weiterhin überzeugt, dass die Kerninflation mittelfristig deutlich niedriger ausfallen wird als derzeit von der EZB unterstellt. Daher dürfte die Notenbank letztlich noch einmal die Leitzinsen senken."

Experte beschwichtigt

Aus Sicht des Wirtschaftsweisen Lars Feld ist die aktuelle Inflationsentwicklung nicht besorgniserregend. "Das heißt, die Menschen in der Eurozone gehen nicht davon aus, dass wir ständig sinkende Preise haben werden", sagte Feld am Donnerstag. Von daher müsse man den Monatswert zwar beobachten, beunruhigend sei er aber nicht, so Feld. Zudem lassen die jüngsten Frühindikatoren inzwischen auf eine leichte Beschleunigung der Konjunkturerholung im Euroraum hoffen.

Schwellenländerkrise bereitet EZB Sorgen

Unterdessen dämpfte Draghi die Deflationssorgen im Euroraum. Zwar werde der Preisauftrieb auch in den kommenden Monaten auf dem niedrigen aktuellen Niveau verharren, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank im Anschluss an den Zinsentscheid, betonte aber: "Sowohl nach oben als auch nach unten sind die Risiken der Preisentwicklung begrenzt." Die Turbulenzen an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer seien laut Draghi ein Risiko für die wirtschaftliche Erholung im Euroraum. Die Krise der aufstrebenden Volkswirtschaften sei jedoch außerhalb des Einflussbereichs der Europäischen Zenralbank, so der EZB-Chef.

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