EU-Wirtschaft kommt nicht in Fahrt
Staatsschuldenkrise, hochnervöse Finanzmärkte, schwache Inlandsnachfrage: Die Wirtschaft in der
EU kommt nicht vom Fleck. Das Wachstum werde "zum Jahresende nahezu zum Erliegen kommen", hieß es in der am Donnerstag von der EU-Kommission veröffentlichten Herbstprognose. Das werde aber "keinen erneuten Rückfall in die Rezession bewirken".
Die Brüsseler Behörde rechnet für 2011 in der Eurozone mit einem Wachstum von 1,6 Prozent, für die gesamte EU revidierte die Kommission ihre Jahreswachstumsprognose von 1,8% auf 1,7% herunter. Im dritten Quartal soll die Wirtschaft in EU und Eurozone noch 0,2% wachsen, für das vierte Quartal werden 0,1% für die Eurozone und 0,2% für die EU vorausgesagt.
"Die Aussichten für die europäische Wirtschaft haben sich verschlechtert. Die Erholung von Finanzkrisen verläuft oftmals schleppend und holprig. Die EU-Wirtschaft hat mit schwierigeren externen Rahmenbedingungen zu kämpfen, während die Inlandsnachfrage nach wie vor gedämpft ist. Die Staatsschuldenkrise hat sich verschlimmert und die Turbulenzen an den Finanzmärkten werden die Realwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen", erklärte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn. Umso wichtiger sei es, die Staatshaushalte wachstumsfreundlich zu sanieren.
Soros sieht Rezession kommen
Gegenteiliger Meinung ist US-Milliardär und Hedge-Fond-Manager
George Soros. Er prophezeit der Euro-Zone jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. "Der Druck zum Defizitabbau wird die Euro-Zone in eine anhaltende Rezession stürzen", schrieb der Star-Investor in einem Gastbeitrag für das Magazin New York Review of Books. "Das wird unkalkulierbare politische Folgen haben."
Eine große Depression könne nur dann verhindert werden, wenn sich die Politik zu radikalen Maßnahmen entschließe. Dazu gehöre ein europäisches Finanzministerium, das Steuern eintreiben und Schulden aufnehmen könne.
Dies werde aber vor allem in Deutschland zu Kontroversen führen. "Die deutsche Öffentlichkeit glaubt immer noch, die Wahl zwischen einer Unterstützung und der Aufgabe des Euro zu haben", schrieb Soros. "Das ist ein Fehler." Vermögen und Schulden im Finanzsystem seien so miteinander verwoben, dass ein Scheitern des Euro zu einer Kernschmelze führen würde, die für die Politik nicht mehr beherrschbar sei. "Je länger es dauert, bis die deutsche Öffentlichkeit das realisiert, desto größer wird der Preis, den sie und der Rest der Welt dafür bezahlen muss", so Soros.
Inflation
Die jährliche Teuerungsrate in der
Eurozone ist im August unverändert gegenüber Juli bei 2,5% geblieben. Wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte, lag auch die Inflationsrate in der EU im August unverändert gegenüber dem Vormonat bei 2,9%. Die niedrigsten Raten verzeichneten Irland (1,0%), Slowenien (1,2%) und Griechenland (1,4%). Am höchsten war die Teuerungsrate in Estland (5,6%), Lettland (4,6%) und in Großbritannien (4,5%). Österreich meldete im August eine Inflation von 3,7% an Eurostat.
Preistreiber waren Kraftstoffe für Verkehrsmittel, flüssige Brennstoffe und Elektrizität, Bekleidungsartikel und Telekommunikation wirkten am stärksten senkend. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht bei Raten von bis zu 2% die Preisstabilität im gemeinsamen Währungsgebiet gewahrt.
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