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Wirtschaft
12/05/2011

EU schlägt "Anleihen-Kerneuropa" vor

Die sechs Euro-Staaten mit Top-Bonität, darunter auch Österreich, sollen einen gemeinsamen Anleihenmarkt bilden - und so Griechenland retten. Auch Schwellenländer bieten Hilfe an.

Euro-Land steckt seit Monaten in der Schuldenkrise - und Tag für Tag wird sie teurer und komplizierter zu lösen.

Da die Gefahr einer Pleite griechischer Banken nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's weiter gestiegen ist, ist die Kreditwürdigkeit von acht Instituten um zwei weitere Stufen gesenkt worden, teilte die Agentur heute Freitag mit.

Doch wie soll ein Flächenbrand verhindert werden? Viviane Reding, stellvertretende EU-Kommissions-Chefin, lässt mit einem neuen Vorschlag aufhorchen: Sie will gemeinsame Staatsanleihen der sechs verbliebenen Euro-Staaten mit Top-Bonität einführen.

"Ich schlage (...) vor, dass alle Euro-Staaten die eine Bestbewertung haben - die "AAA"-Staaten Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Österreich, die Niederlande und Finnland - ihre Anleihemärkte zusammenlegen", sagte Reding der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. "Das wäre dann ein großer kerneuropäischer Anleihenmarkt - ein Fels in der Brandung, mit starker Liquidität und Bonität."

EU-Verträge: Keine Änderung nötig

Anders als bei einer Einführung gemeinsamer Staatsanleihen aller Euro-Länder, sogenannter Eurobonds - sei bei einem solchen Bündnis der AAA-Staaten keine Änderung der EU-Verträge nötig, betonte Reding. Eurobonds lehnt vor allem die deutsche Regierung vehement ab.

Bei dem von Regling vorgestellten Plan würde das von den AAA-Staaten aufgenommene Geld erst in einem zweiten Schritt an notleidende Staaten wie Griechenland weitergegeben. Die Staaten mit sehr guter Bonität übernähmen das Haftungsrisiko; die Sorgenkinder müssten letztlich niedrigere Zinsen für ihre Kredite bezahlen.

Regling beklagte in dem Interview, angesichts des "zerstückelten" europäischen Anleihemarktes könnten einzelne Staaten derzeit leicht angegriffen werden. Ein gemeinsamer Anleihemarkt der Triple-A-Staaten hingegen könne stabilisieren eingreifen: "Das wäre dann ein Kerneuropa, das entwicklungsfähig ist", sagte die Kommissarin.

"Zweite Welt" hilft "Erster Welt"

Außerhalb Europas befürchtet man einen globalen Flächenbrand. Deshalb haben die aufstrebenden Staaten der sogenannten BRICS-Gruppe Europa zu entschiedenen Maßnahmen gegen die Krise aufgefordert und Hilfe über internationale Institutionen angeboten. Die Eurozone müsse "schnell und wagemutig" handeln, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega am Donnerstag. Sonst drohe die Gefahr eine "großen Krise", auch für Entwicklungs- und Schwellenländer.

Die aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bestehenden Gruppe sei "nötigenfalls bereit zu erwägen, Unterstützung über den IWF oder andere internationale Finanzinstitutionen zu leisten, um den gegenwärtigen Herausforderungen für die globale Finanzstabilität zu begegnen (...)".

Die BRICS-Staaten trafen sich am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Washington.

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