Kran, Kräne, Baukräne

© Reinhard Vogel

EU-Prognose
02/05/2015

Wachstumserwartung für Österreich klar verschlechtert

Wirtschaftswachstum in allen 28 EU-Staaten. Österreich mit 0,8 Prozent Viertletzter.

Die EU-Kommission hat die Wachstumsaussichten für Österreich in ihrer Winterprognose vom Donnerstag gegenüber Herbst deutlich heruntergeschraubt. Die Brüsseler EU-Behörde prognostiziert Österreich für das laufende Jahr 2015 nur mehr ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Im November hatte sie noch 1,2 Prozent vorhergesagt.

Für 2016 hält die EU-Kommission an ihrer bisherigen Prognose fest: Im kommenden Jahr soll das Wachstum in Österreich wieder auf 1,5 Prozent anziehen. Die Arbeitslosenrate wird nach Erwartung der EU-Kommission 2015 auf 5,2 Prozent steigen und 2016 wieder auf 5,0 Prozent zurückgehen. Die Inflation wird laut der EU-Winterprognose im laufenden Jahr 1,1 Prozent betragen und 2016 wieder auf 2,2 Prozent steigen.

Das Budgetdefizit Österreichs wird demnach heuer auf 2,0 Prozent sinken. 2014 hatte es 2,9 Prozent ausgemacht. Für 2016 wird ein weiterer Rückgang auf 1,4 Prozent prognostiziert.

Leichte Besserung gegenüber 2014

Indes zeigt die EU-Winterprognose eine leichte Besserung der wirtschaftlichen Lage für 2015 gegenüber den Voraussagen der Herbstprognose vom Vorjahr. So soll es für die gesamte EU statt 1,5 Prozent nun ein Wachstum von 1,7 Prozent geben. Für die Eurozone wird ein Anstieg von ursprünglich 1,1 auf nunmehr 1,3 Prozent prognostiziert, erklärte die Brüsseler EU-Kommission am Donnerstag.

Allerdings blieben die Risiken für die Entwicklung aufrecht. Die Winterprognose führt dabei die noch immer schwachen Investitionen und die hohe Arbeitslosigkeit an. Gleichzeitig hätte sich bei einigen Schlüsselindikatoren seit dem Herbst die Lage aufgehellt. Der Ölpreis sei rascher als erwartet gesunken, der Euro habe an Wert verloren, die EZB habe einenmassiven Ankauf von Staatsanleihen angekündigt, und die EU-Kommission habe ihren Investitionsplan präsentiert. All diese Faktoren ließen positive Auswirkungen erwarten.

Eurozone rutscht in Deflation

Die Eurozone rutscht nach der aktuellen EU-Prognose in diesem Jahr in die Deflation. Die Verbraucherpreise in der Eurozone werden 2015 voraussichtlich um 0,1 Prozent sinken, wie die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte. 2016 werde die Eurozone aber wahrscheinlich wieder eine positive Inflationsrate von 1,3 Prozent aufweisen, erklärte sie weiter.

Der prognostizierte Preisrückgang in der Eurozone im laufenden Jahr um 0,1 Prozent ist nach Ansicht von EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici vor allem eine Folge des stark gesunkenen Ölpreises. Bei der Präsentation der EU-Winterprognose sagte Moscovici, ohne den Ölpreis "bleibt die Kerninflation positiv". Gleichzeitig zeigte sich Moscovici zuversichtlich, dass diese Entwicklung im Zusammenhang mit dem niedrigen Ölpreis auch zu einer Reduktion der Arbeitslosigkeit führen könne.

Irland mit höchstem Wachstum

Jedenfalls wird es nach der Winterprognose für alle 28 EU-Staaten im laufenden Jahr ein Wachstum geben. Das höchste wird für Irland mit 3,5 Prozent erwartet, gefolgt von Malta (3,3 Prozent), Polen (3,2 Prozent), Litauen (3,0 Prozent), Lettland (2,9 Prozent), Rumänien (2,7 Prozent), Großbritannien und Luxemburg (je 2,6 Prozent), Griechenland, Tschechien und Slowakei (je 2,5 Prozent), Ungarn (2,4 Prozent), Estland, Schweden und Spanien (je 2,3 Prozent), Slowenien (1,8 Prozent), Dänemark (1,7 Prozent), Portugal (1,6 Prozent), Deutschland (1,5 Prozent), Niederlande (1,4 Prozent), Belgien (1,1 Prozent), Frankreich (1,0 Prozent), Österreich, Finnland und Bulgarien (je 0,8 Prozent), Italien (0,6 Prozent), Zypern (0,4 Prozent) und Schlusslicht Kroatien (0,2 Prozent).

Bei der Arbeitslosenrate wird Österreich laut der Prognose 2015 mit 5,2 Prozent die zweitniedrigste Rate hinter Deutschland (4,9 Prozent) aufweisen. In der EU soll die Quote von 10,2 Prozent 2014 auf 9,8 Prozent für das laufende Jahr sinken, in der Eurozone von 11,6 auf 11,2 Prozent. Schlusslichter sind weiterhin Griechenland (leichter Rückgang von 26,6 auf 25,0 Prozent erwartet) und Spanien (von 24,3 auf 22,5 Prozent).

"Es ist noch viel harte Arbeit zu tun"

Der Vizepräsident der EU-Kommission für den Euro und den Sozialen Dialog, Valdis Dombrovskis(Bild), erklärte am Donnerstag in Brüssel, Europa stehe derzeit an einem kritischen Punkt. Die Reformen müssten weitergeführt werden, um die Erholung zu festigen und "sicherzustellen, dass mehr Geld in den Taschen der Menschen bleibt". EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici setzt auf den Investitionsplan und die EZB-Geldschwemme, merkte aber gleichzeitig an, dass "noch viel harte Arbeit zu tun ist, um die Beschäftigung zu schaffen, die derzeit für Millionen Europäer noch trügerisch" sei.

Deutliches Investitionsplus prognostiziert

Der leichte Aufschwung in der EU-Winterprognose für 2015 zeigt sich auch an einem erwarteten deutlichen Investitionsplus sowohl in der Europäischen Union als auch in der Eurozone. Gegenüber 2014 wird ein Anstieg von 2,2 auf 3,0 Prozent in der EU und von 0,9 auf 2,0 Prozent in der Eurozone erwartet. Österreich soll demnach unverändert bei 1,0 Prozent bleiben.

Spitzenreiter bei der Investitionsbereitschaft dürfte für das laufende Jahr Irland mit 9,7 Prozent werden, gefolgt von Griechenland (8,4 Prozent) und Malta (8,0 Prozent) sowie Großbritannien (6,9 Prozent). Nur drei Staaten müssen mit einem Rückgang der Investitionen in ihren Ländern rechnen - am stärksten Bulgarien (-2,3 Prozent), gefolgt von Zypern (-1,6 Prozent) und Kroatien (-1,0 Prozent).

2016: Griechenland auf Rang 1

Für 2016 kann Griechenland sogar mit einem Investitionsplus von 15,0 Prozent laut Winterprognose rechnen. Das ist der absolute Platz eins, weit vor Irland (8,9 Prozent) und Großbritannien (6,3 Prozent). Österreich kann 2016 mit einem Investitionszuwachs von 3,2 Prozent rechnen. Die einzigen beiden Länder mit einer Abnahme der Investitionsbereitschaft sollen demnach Bulgarien (-2,8 Prozent) und Ungarn (-1,0 Prozent) sein.

Auffällig ist vor allem die Entwicklung in Ungarn. 2014 hatte es noch ein Investitionsplus von 13,7 Prozent und damit das höchste in der EU gegeben, 2015 wird nur mehr ein Plus von 3,1 Prozent vorausgesagt und 2016 ein Absacken auf minus 1,0 Prozent.

Auf der anderen Seite steht Zypern, das im Vorjahr noch eine Investitionsabnahme von -11,1 Prozent hinnehmen musste, 2015 reduzierte sich das Minus auf 1,6 Prozent und für 2016 wird ein Aufschwung der Investitionen auf +4,5 Prozent erwartet.

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