Günther Oettinger versucht trotz des anhaltenden Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine die Europäer zu beruhigen.

© Deleted - 390783

EU-Energiekommissar
10/16/2014

Gasspeicher bringen Europa durch den Winter

Putin droht mit Drosselung der Gaslieferungen. Energiekommissar Oettinger beruhigt: "Niemand muss frieren."

Das Timing hätte nicht besser sein können. Donnerstagvormittag erklärte EU-Energiekommissar Günther Oettinger hinsichtlich einer möglichen Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland: "Wir warten nicht zu, sondern tun alles, um uns vorzubereiten." Donnerstagabend drohte Wladimir Putin bei einem Besuch in Belgrad mit der Verringerung der Gaslieferungen nach Europa, wenn die Ukraine die Pipelines anzapfen sollte. Wenngleich er aber hoffe, dass es nicht soweit komme. Streitpunkt ist die Begleichung von Milliardenschulden durch die Ukraine .

Zu den möglichen Maßnahmen der EU im Falle eines Gasstopps gehört zunächst das Hochrechnen: 38 europäische Länder inklusive der EU-Staaten haben ihre Daten für eine Analyse der ENTSOG (European Network of Transmission System Operators for Gas) zur Verfügung gestellt.

Das Ergebnis skizzierte Oettinger wiefolgt: "Wenn wir zusammen arbeiten, Solidarität zeigen und die kurzfristigen Empfehlungen der Kommission umsetzen, muss kein Haushalt in der Kälte des Winters frieren." In dem Bericht zur Energieversorgungssicherheit heißt es, dass die Gasspeicher in 26 EU-Staaten zu über 90 Prozent gefüllt seien. Lediglich Ungarn und Portugal würden noch unter 80 Prozent liegen.

Preissteigerungen möglich

Im Fall einer sechsmonatigen Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland für die EU würden insgesamt zwischen 5 und 9 Milliarden Kubikmeter Gas fehlen. Es wäre aber möglich, diese Menge durch den Import von zusätzlichem Flüssiggas zu ersetzen. Allerdings würde dies nicht bezifferte Preissteigerungen auslösen. Oettingers Ansage "kein Haushalt muss frieren" muss also relativiert, oder um den Zusatz "der es sich leisten kann" erweitert werden.

Szenario für Gasmangel

Im Fall einer zweiwöchigen Kälteperiode am Ende einer sechsmonatigen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen "würde sich die Lage sicherlich verschärfen", heißt es. Dabei würde es zu Unterdeckungen der vorhandenen Gasmenge in den am stärksten betroffenen Ländern kommen. Dabei könnten auch Österreich, Tschechien, der Norden Deutschlands, Italien und die Slowakei in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn durch eine solidarische Zusammenarbeit diese Staaten Gas in jene Länder fließen lassen, die einen noch dramatischeren Gasmangel aufwiesen. Dabei wurde in dem Bericht die mögliche Unterdeckung mit zehn Prozent angegeben.

Die Southstream-Pipeline sei laut Oettinger keine Lösung für aktuelle Probleme. Das Projekt werde vielleicht in drei Jahren fertig sein und außerdem keine neuen Gasquellen bringen, sondern nur Gas von der Gazprom über einen anderen Weg.

Winterpaket

Die von Oettinger geforderte Solidarität löst im Falle eines Gasmangels aber nicht das Grundproblem. Deshalb schlägt der Energiekommissar ein "Winterpaket" vor. Dieses sieht von Oktober bis Ende März 2015 einen "marktgerechten Preis" von 385 Dollar je Kubikmeter vor, wobei die Ukraine vier Milliarden Kubikmeter fix kaufen müssten. Darüber hinaus seien offene Rechnungen von Kiew für die Zeit von November des Vorjahres bis Juni 2014 zu begleichen. Damit bliebe der Rechtsstreit zwischen Moskau und Kiew über, der in Stockholm erst Mitte 2015 entschieden werde", sagte Oettinger. Das Winterpaket könnte bereits nächsten Dienstag bei einem trilateralen Treffen EU-Russland-Ukraine in Brüssel verabschiedet werden. Wladimir Putin darf also auf Geld hoffen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.