Aktionäre der Erste Group zahlen bei Mega-Deal in Polen kräftig mit

Polnische Santander Tochter wurde komplett aus Eigenmitteln übernommen. Dividende sinkt daher für 2025 von drei Euro auf 75 Cent. Enttäuschte Anleger sind die Folge
Erste-Chef Bosek

Trotz erwarteter sehr guter Bilanzzahlen musste die Erste Group unter ihrem Vorstandschef Peter Bosek am Donnerstag an der Wiener Börse ordentlich Federn lassen. Bis 14 Uhr betrug das Kurs-Minus der Großbank bereits 2,7 Prozent.

Der Grund war schnell ausgemacht: Die im Jänner formal abgeschlossene Mega-Übernahme in Polen um 6,8 Milliarden Euro wird komplett aus Eigenmitteln finanziert. Dafür muss naturgemäß Gewinn einbehalten und kann nicht ausgeschüttet werden. 

In der Folge sinkt für das Geschäftsjahr 2025 die Dividende von vormals drei Euro je Aktie deutlich auf nur noch 0,75 Euro je Anteilsschein. Der Vorstand versprach aber für die Folgejahre die Rückkehr zu einer "attraktiven Dividendenpolitik".

3,5 Milliarden Nettogewinn

Zu den Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres: Das Kreditvolumen in der Gruppe kletterte um 6,4 Prozent auf 232,0 Milliarden Euro, was dem Zinsüberschuss zu einem Anstieg von 7,5 auf 7,8 Milliarden verhalf. Neben der höheren Kreditvergabe erzielte die Bank ein Plus von 4,7 Prozent bei den Einlagen, sie stiegen von 241,7 auf 253,0 Milliarden Euro.

Unterm Strich stand damit ein Nettogewinn von 3,5 Milliarden Euro, nach 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Der Eintritt in Polen eröffne den Zugang zum größten und am schnellsten wachsenden Markt der Region und damit große Wachstumsmöglichkeiten für die Gruppe, sagte Bankchef Bosek. Dementsprechend optimistisch ist die Bank auch für das Geschäftsjahr 2026: Das Kreditvolumen der Gruppe soll unter Einbeziehung von Polen die Marke von 285 Milliarden Euro erreichen. An Nettogewinn peilte Bosek heuer vier Milliarden Euro an.

Neue Spielklasse

Die Übernahme der bestimmenden Hälfte der polnischen Santander Tochter und ihre Umwandlung in die Erste Bank Polska hat die Wiener Bankengruppe "in eine andere Spielklasse" des europäischen Bankings eintreten lassen, ergänzte Finanzchef Stefan Dörfler. Mit dem 1. Quartal 2026 wird Polen das erste Mal in der Bilanz der Erste Group vollkonsolidiert.

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