© dpa/Patrick Pleul

Wirtschaft
12/05/2011

Ende des Euro würde Banken 930 Mrd. kosten

Ein Auseinanderbrechen der Eurozone ließe die Kurse europäischer Bankaktien um 40 Prozent abstürzen, berechnete die Credit Suisse. Österreich wird für EFSF-Aufstockung stimmen.

Noch vor wenigen Jahren wäre man wohl gar nicht auf die Idee gekommen, so eine Studie in Auftrag zu geben: Ein ungeordnetes Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung würde die europäischen Banken rund 930 Mrd. Euro kosten, berichtet der Börse-Express am Montag unter Berufung auf eine Analyse der Credit Suisse Group. Die Aktienkurse der Finanzinstitute würden dann um rund 40 Prozent abstürzen, so die Prognose der Experten.

Die Banken im Kern Europas würden den Schätzungen zufolge Verluste in Höhe von etwa 300 Mrd. Euro hinnehmen müssen, jene in der Euro-Randzone (ohne Italien) rund 630 Mrd. Euro. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) würde Verluste von etwa 150 Mrd. Euro erleiden.

Die Wahrscheinlichkeit für ein Auseinanderbrechen des europäischen Einheitswährung liegt laut Credit Suisse bei etwa 10 Prozent.

Merkel: "Wir brauchen den Euro"

Die deutsche Kanzlerin warb am Sonntagabend in der ARD-Talkshow " Günther Jauch" eindringlich für die geplanten Hilfsmaßnahmen zur Stabilisierung Griechenlands und des Euros. Die Gefahren, die von den Hellenen ausgingen, beträfen alle Euro-Länder. "Wir brauchen den Euro, der Euro ist gut für uns", sagte Merkel.

Die "Troika" aus EU-Kommission, EZB und IWF stelle für Griechenland ein Sparprogramm mit dem Ziel auf, dass Athen seine Schulden wieder zurückzahlen könne. Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Tranchen aus den Hilfszusagen sei jedes Mal, dass das Land seine Schulden zurückzahlen könne.

Alternativen sieht Merkel nicht. Für Deutschland komme eine Rückkehr zur D-Mark wegen der Exportabhängigkeit nicht infrage, erläuterte sie. Sie wies damit darauf hin, dass eine starke nationale Währung die Experte verteuern würde.

Reform des Rettungsschirms

Auch die vorgesehene Reform des Rettungsschirms sorgt derzeit für heftige Diskussionen, unter anderem scheint ein früherer Start des dauerhaften Rettungsschirmes möglich. Der ESM soll eigentlich erst im Juli 2013 starten und den aktuellen Rettungsfonds EFSF ablösen.

Voerst aber soll der Stabilitätsfonds EFSF sein Ausleihvolumen an hoch verschuldete Staaten von 240 auf 440 Mrd. Euro ausweiten können. Dadurch steigt der deutsche Anteil an den Kreditbürgschaften von 130 auf bis zu 300 Mrd. Euro inklusive aller Zinsverpflichtungen. Im deutschen Bundestag wird über diese Erweiterung am Donnerstag abgestimmt.

Österreich ist ebenfalls am EFSF beteiligt und wird laut Finanzministerin Maria Fekter seine Haftungszusagen am Freitag in einem Sonder-Nationalrat von 12,2 auf bis zu 29 Mrd. Euro aufstocken.

Wiener Börse

Heinrich Schaller, Vorstand der Wiener Börse, sieht jedenfalls einer möglichen Beteiligung der Banken am Euro-Schutzschirm im Hinblick auf die Aktienkurse besorgt entgegen. "Bei Banken muss man sehr, sehr vorsichtig sein, insbesondere, was Österreich anbelangt", sagte er im Ö1-Morgenjournal am Montag. Immerhin seien Finanztitel im österreichischen Index sehr stark gewichtet. "Und wenn es die Banken wieder härter treffen sollte, leidet der gesamte Markt darunter", so Schaller.

Vergangene Woche haben die Börsen weltweit massiv an Wert eingebüßt, auch an der Wiener Börse ist es zu herben Verlusten gekommen. Schaller dazu: Die Unsicherheit auf den globalen Märkten sei derzeit sehr groß, was sich auf kleinere Märkte stärker auf als auf größere auswirke. Darunter leide auch die Wiener Börse.

Für diese Woche ist Schaller vorsichtig optimistisch: "Tatsache ist, dass die Kurse wirklich bereits wieder so tief sind, dass sich einige überlegen werden, ob man hier nicht wieder zum Kauf einsteigt."
Man darf gespannt sein, ob das die Anleger genauso sehen.

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