Wirtschaft
01.09.2017

Ein Push für Österreichs Wirtschaft

Bessere Wirtschaftslage und höhere Binnennachfrage wurden vermerkt. Die Zahl der Arbeitslosen ist österreichweit um 3,6 Prozent gesunken.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hebt ihre Wachstumsprognose für Österreich für 2017 kräftig um 0,55 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent an. Im Juni war man noch von 2,2 Prozent ausgegangen. Die "deutliche Stärkung der Wachstumskräfte" sei auf eine bessere internationale Wirtschaftslage und eine höhere Binnennachfrage zurückzuführen, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag in Alpbach.

Einen Schub erhält die österreichische Wirtschaft laut Nowotny aktuell auch durch Osteuropa, Erweiterungsinvestitionen und einen gut laufenden Tourismus. "Zentral- und Osteuropa wurde für einige Zeit als Problem gesehen, jetzt erweist es sich als erheblicher Vorteil", so Nowotny. Das Engagement österreichischer Unternehmen in Osteuropa sei aber auch mit höheren Risiken - etwa politischen Risiken - verbunden und müsse daher mit "aller Vorsicht" gesehen werden. Für 2018 rechnet der OeNB-Gouverneur auch mit höheren Wachstumszahlen als bisher angenommen. Im Juni hatte die Nationalbank für das nächste Jahr ein BIP-Plus von 1,7 Prozent prognostiziert. "Ich nehme an, dass da angehoben wird", so Nowotny. Es gebe aber "noch keine belastbaren Zahlen".

Auch Arbeitslosigkeit gesunken

Nach einem leichten Anstieg im Juli ist in Wien die Zahl der Jobsuchenden zuletzt etwas gesunken: Im August waren 119.640 Personen - um 4,2 Prozent weniger als im Vergleichsmonat 2016 - als arbeitslos gemeldet. Allerdings stiegen die Schulungsteilnehmer um 13,9 Prozent auf 28.414 Personen. Damit ging die Gruppe der Menschen ohne Job in Summe um 1,2 Prozent zurück, gab das AMS Wien bekannt. "Das ist seit mehr als sechs Jahren der stärkste Rückgang bei der Zahl der Menschen, die in Wien einen Job suchen", freute sich AMS-Wien-Chefin Petra Draxl in einer Aussendung am Freitag. Besonders deutlich sei die Arbeitslosigkeit bei den Unter-25-Jährigen zurückgegangen, nämlich um 13,2 Prozent. "Wir beobachten aber mit ebenso großer Freude, dass der Zuwachs bei den Über-50-Jährigen stark abgeflacht hat", so Draxl.

Deren Zahl ist im Jahresvergleich um 1,3 Prozent gestiegen - "deutlich geringer als noch vor kurzer Zeit". Verbesserungen soll es hier durch die bundesweite "Aktion 20.000" geben. Allein in Wien seien hier 7.000 zusätzliche Jobs für Menschen über 50 Jahre geplant. Nach wichtigen Branchen betrachtet, gab es im August deutliche Rückgänge der Arbeitslosigkeit besonders am Bau (-8,7 Prozent), in der Hotellerie und Gastronomie (-6,9 Prozent) und im Einzelhandel (-4,7 Prozent). In der Warenproduktion verzeichnete Wien immerhin ein Minus von 0,3 Prozent. Gleichzeitig haben die Unternehmen im Vormonat um 13,6 Prozent mehr offene Stellen gemeldet, informierte das AMS Wien.

Österreichweit: Rückgang um 3.6 Prozent

Mit Ende August 2017 sind in Österreich 3,734.000 Personen unselbstständig beschäftigt, um 77.000 Personen mehr als im Vorjahr. "Der positive Trend ist weiter spürbar", erklärt Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) am Freitag. Dazu habe auch der seit Juli geltende Beschäftigungsbonus beigetragen. Bei älteren Arbeitnehmern sei die Trendumkehr aber noch nicht geschafft, sagt Stöger in einer Aussendung. Daher sei die Aktion 20.000 wichtig, mit der ältere Langzeitarbeitslose Jobs bei Gemeinden oder gemeinnützigen Stellen bekommen sollen.

In den Modellregionen in allen Bundesländern sei die Aktion bereits sehr erfolgreich angelaufen. Ziel sei die Halbierung der Langzeitarbeitslosigkeit in der Generation 50 plus, ab 1. Jänner 2018 werde die Aktion 20.000 flächendeckend in ganz Österreich umgesetzt. Die Zahl der beim AMS gemeldeten Arbeitslosen sank im August um5,6 Prozent auf311.492 Personen, die Zahl der Schulungsteilnehmer stieg um 7,7 Prozent auf 63.300.

Lehrstellenlücke gesunken

Im August stieg die Arbeitslosigkeit bei Älteren (ab 50 Jahren) um 1,2 Prozent bzw. 1.126 Personen auf 92.075 Personen. Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahren) ging um 14,6 Prozent bzw. 6.154 Personen auf 36.013 Personen deutlich zurück. Auch am Lehrstellenmarkt zeigt sich die gute Wirtschaftslage: Es gab um 28 Prozent mehr offene Lehrstellen, österreichweit wurden 5.691 Lehrlinge gesucht. Diesen gemeldeten offenen Lehrstellen standen 8.377 Personen gegenüber, die eine Lehrstelle suchten, etwas weniger (-1,1 Prozent) als im Vorjahr. Die Lehrstellenlücke sank daher um 1.341 auf 2.686.

Bau stark angezogen

Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit bei behinderten Personen, und zwar um 3,1 Prozent auf 12.577. Ein Anstieg ist auch bei den Langzeitarbeitslosen zu verzeichnen, und zwar um 4,5 Prozent auf 58.429 Personen. Diese sind mehr als 12 Monate arbeitslos. Nach Branchen betrachtet hat vor allem der Bau stark angezogen: Die Arbeitslosigkeit am Bau ist um 10,1 Prozent bzw. 2.066 Personen gesunken, in der Herstellung von Waren sank sie um 8,6 Prozent bzw. 2.516 Personen. Im Tourismus ist die Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent bzw. 3.101 Personen rückläufig und auch im Handel ist die Arbeitslosigkeit um 7 Prozent bzw. 3.671 Personen ebenso wie in der Arbeitskräfteüberlassung mit 4,8 Prozent bzw. 1.603 Personen gefallen. Der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit im Gesundheits-und Sozialwesen der Vormonate hat sich gänzlich eingebremst (+0,0 Prozent).

Kopf für Investitionen in Qualifizierung der Arbeitssuchenden

Für den Vorstand des AMS, Johannes Kopf, ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt "höchst erfreulich". Trotz eines immer noch zu hohen Bestands an Arbeitslosen nach vielen Jahren Wachstumsschwäche gebe es schon Klagen über Besetzungsschwierigkeiten und Fachkräftemangel in Teilbereichen.

Daher müsse man verstärkt in die Qualifizierung von Arbeitssuchenden investieren. Dadurch werde nicht nur der Aufschwung gestützt, sondern man könne auch weitere Rückgänge bei der Arbeitslosigkeit melden, erläutert Kopf am Freitag in einer Aussendung. Die August-Zahlen vom Arbeitsmarkt lassen erkennen, wo die Wirtschaft wirklich "boomt", sagt Kopf. Die stärksten Rückgänge bei der Arbeitslosigkeit weisen der Bau und die Warenproduktion auf. Aber auch der Tourismus greife im "Rekordsommer" offenbar verstärkt auf vom AMS vermittelte Arbeitskräfte zurück.