E-Zigaretten sind eventuell doch schädlicher als gedacht

© dpa/Marcus Brandt

Rauchen
11/04/2014

E-Zigaretten: Verkauf nur noch in Trafiken?

E-Zigaretten sollen künftig unter das Tabakmonopolgesetz fallen. 250 Jobs in 75 Geschäften gefährdet.

Helle Aufregung herrscht derzeit unter den österreichischen E-Zigarettenhändlern. Denn: Der Verkauf von E-Zigaretten und E-Shishas soll ab 1. April 2015 nur noch in Trafiken erlaubt sein. Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, der dem Nationalrat vorliegt. Das Geschäft mit den E-Zigaretten soll monopolisiert und die tabakfreien Elektronik-Zigaretten in das Tabakmonopolgesetz aufgenommen werden. Das Finanzministerium nennt "gesundheitspolitische Bedenken und den Jugendschutz als Gründe für die geplante Maßnahme". Für die etwa 75 E-Zigarettenhändler samt 250 Arbeitspätze in Österreich würde das das Aus bedeuten.

Das Geschäft boomt

Vor rund fünf Jahren eröffnete Manfred Achleitner einen der ersten E-Zigarettenshops in Wien. Seitdem boomt das Geschäft mit dem Dampf. Heute macht er mit seinen zwei Filialen etwa eine Million Euro Umsatz pro Jahr. Vor kurzem unterschrieb er den Vertrag für einen dritten Standort in Oberösterreich. Die Entscheidung, seine Produkte in das Tabakmonopolgesetz aufzunehmen, kann Achleitner nicht nachvollziehen. „Eine E-Zigarette besteht aus 99 Prozent Elektronik und einem Prozent Flüssigkeit. Das hat doch nichts mit Tabak zu tun“, sagt der 44-jährige zur Austria Presseagentur (APA). Für Achleitner würde die Abänderung des Gesetzes das Aus als Unternehmer bedeuten. Auch seine 19 Mitarbeiter stünden ohne Job da. Österreichweit arbeiten etwa 250 Menschen im E-Zigaretten-Handel.

Laut Achleitner haben die meisten Trafiken gar nicht die Möglichkeit, E-Zigaretten konsumentengerecht zu vertreiben. „E-Zigaretten sind sehr beratungsintensive Produkte. In meinen Geschäften dauert die Erstkundenberatung etwa eine halbe Stunde. Wie soll das eine kleine Trafik schaffen?“, fragt sich Achleitner.

Neues Monopol?

"Wir begrüßen die Entscheidung, E-Zigaretten ins Tabakmonopol aufzunehmen. Das sichert die Standorte der österreichischen Trafikanten", sagt Tina Reisenbichler, Geschäftsführerin der Monopolverwaltung für das österreichische Tabakmonopolgesetz, „Auch der Zigarrenverkauf ist beratungsintensiv und kein Problem für die Trafiken." Die Trafiken würden mit den Verkauf der E-Zigaretten nicht überfrodert werden.

Rückgänge im Zeitungsverkauf, der abnehmende Tabakkonsum und das vermehrte Aufkommen von Lotterieannahmestellen setzt den 6600 österreichischen Trafiken zu. Eine Erweiterung der Produktpalette im Rahmen des Tabakmonopols könnte Umsatzrückgänge abfangen.

Händler protestieren

Achleitner und seine Kollegen wollen die Neuregelung nicht so einfach akzeptieren. Vorletzten Samstag organisierten die Händler eine Demonstration vor dem Parlament. „Wir möchten eine Diskussion anregen und suchen den Dialog, auch mit den Trafikanten“, erklart Achleitner. Falls das nichts nützt, könne er sich auch juristische Schritte vorstellen. Verfassungsrechtlich bedenklich könnte die geringe Übergangszeit sein.

Der Verfassungsschutz des Bundeskanzleramts gibt in seiner Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zu bedenken, dass die Übergangszeit von geschätzten drei Monaten dem verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz widersprechen könnte.

Gesundheitliche Bedenken

Das Finanzministerium, das den Gesetzesentwurf einbrachte, sieht E-Zigaretten aus gesundheitspolitischer Sicht und aus Gründen des Jugendschutzes bei den Trafikanten besser aufgehoben. Die Produkte seien dort einer höheren Kontrolle ausgesetzt, da bei Verletzungen die Bewilligung zum Betreiben einer Tabaktrafik entzogen werden kann. Über die gesundheitlichen Folgen des „Dampfens“ ist man nicht einig. Achleitner beauftragte eine toxikologische Studie bei der Universität Graz, die die Vorteile der E-Zigarette gegenüber dem Rauchen von Tabak hervorhebt. „Eine Tabakzigarette ist schädlicher als ein Jahr lang dampfen“, betont Achleitner.

Gefahr für Jugendliche?

Martina Pötschke-Langer, Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle in Heidelberg, hält jedoch auch die E-Zigarette für gesundheitsgefährdend, wenn auch nicht in dem Ausmaß einer Tabakzigarette. Sie ist Mitautorin einer Studie über gesundheitliche Folgen des E-Zigarettenkonsums.

„Vor allem für Nichtraucher und Jugendliche birgt der Konsum von E-Zigaretten Gefahren“, sagte Pötschke-Langer zur APA. Die meisten E-Zigaretten würden Propylenglykol und Nikotin enthalten. „Propylenglykol kann die Atemwege reizen sowie möglicherweise das Asthmarisiko erhöhen. Nikotin erhöht den Blutdruck sowie die Herzschlagfrequenz. Teilweise befinden sich krebserzeugende Substanzen im Nebel der E-Zigarette“, gibt Pötschke-Langer zu bedenken.

Außerdem eigne sich die E-Zigarette nur bedingt zur Entwöhnung von Tabak. „Die meisten konsumieren E-Zigaretten zusätzlich und nicht statt der herkömmlichen Zigarette. Die E-Zigarette kommt in Deutschland bei nur 0,2 Prozent der erfolgreichen Entwöhnungen zum Einsatz.“

Die große Mehrheit (82,5 Prozent) der Entwöhnungen finde ohne jedes Hilfsmittel statt. Auch die Langzeitfolgen sind laut Pötschke-Langer, nicht absehbar, da nötige Studien noch fehlen würden. „Der Zentralfriedhof ist voller Langzeitstudien über den Tabakkonsum. E-Zigaretten haben noch nie jemanden umgebracht“, argumentiert dagegen Achleitner.

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