Döblinger Firma will Desinfektionsmarkt aufmischen

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Braincon bekämpft Keime, Schimmel oder Ungeziefer mittels selbst entwickelter, mobiler H₂O₂-Kaltvernebelung.

Während der Corona-Pandemie war die Raum- und Flächendesinfektion in aller Munde, galt es doch die Viren-Verbreitung mit allen Mitteln einzudämmen. Dabei machten auch einige Newcomer mit teils fragwürdigen Produkten rasches Geld. Die Wiener Firma Braincon beschäftigt sich schon seit fast 20 Jahren mit dem Thema und tüftelt an innovativen Eigenlösungen zur Inaktivierung von Keimen.

Jüngste Entwicklung ist ein mobiles Komplettsystem zur Desinfektion geschlossener Räume mit modifiziertem Wasserstoffperoxid (H₂O₂- Kaltvernebelung). Durch eine spezielle, patentierte und zertifizierte Technologie, entstehen winzige, nur 0,3 Mikrometer kleine Partikel, die sämtliche im Raum befindliche Flächen desinfizieren. „Durch diese kleinsten Aerosole in der Luft entsteht keine Kondensation auf Oberflächen und somit auch keine Restnässe“, erläutert der Braincon-Gründer und Chef Davul Ljuhar dem KURIER.

Ein Gerät, viele Einsatzmöglichkeiten

Durch die Trockendampfvernebelung könnten auch elektronische Geräte im Raum bleiben. Weiterer Vorteil: Das DCXplus-Gerät wiegt nur 25 Kilo und kann daher einen breiten Einsatzbereich abdecken. Multiresistente Keime könnten damit ebenso wirkungsvoll bekämpft werden wie Schimmelpilze oder Bettwanzen. Durch den kalten, trockenen Dampf werde auch der allerkleinste Spalt erreicht, erklärt Ljuhar. Bei allen bisherigen Tests seien die geforderten Werte für die Inaktivierung um ein Vielfaches übertroffen worden.

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Kaltvernebelung mit dem DCXplus

Im Rettungswagen getestet

Erfolgreich getestet wurde sowohl in Rettungswägen als auch in Spitälern und Labors. „Die Desinfektion eines Rettungswagens dauert nur 20 Minuten, während Mitbewerber dafür mindestens 90 Minuten brauchen“, sagt Ljuhar. Sämtliche Gerätschaften könnten dabei im Fahrzeug bleiben. Damit seien auch die Kosten – pro Desinfektion eines Rettungswagens zwischen 6 bis 8 Euro – deutlich geringer. Potenzielle Einsatzbereiche seien auch öffentliche Verkehrsmittel, Tierstallungen, Gewächshäuser oder Großküchen.

300 bis 1.000 Geräte will Ljuhar 2026 verkaufen, rund 17.000 bis 20.000 Euro kostet ein Gerät. Produziert werden diese bei einer Partnerfirma in Linz „mit vielen Teilen aus Österreich und ein paar aus China“.

Von der Medizintechnik zur Hygiene

Braincon wurde 1992 von Christine und Davul Ljuhar gegründet. Ljuhar, der an der TU Wien Maschinenbau studierte, arbeitete zuvor beim US-Konzern Schlumberger. Die in Wien-Döbling ansässige Firma handelte zunächst mit Medizintechnik-Produkten, vor allem im Bereich Radiologie, etwa Mammografiebefundung. Seit 2007 konzentriert sich das Unternehmen voll auf die Raum- und Oberflächendesinfektion und entwickelt dafür neue Technologie und Geräte. 

Es liegen eine ganze Reihe von Patenten, etwa für die USA, Indien, China und natürlich Europa vor. Aktuell sind bei Braincon acht Mitarbeitende beschäftigt. Es gibt Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie etwa die Uni Graz. „Unser Ziel ist immer die Erreichung einer bestmöglichen Desinfektion“, so Ljuhar.

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