Wirtschaft 11.06.2018

Diesel-Affäre: Wohnung von Audi-Chef Stadler durchsucht

© Bild: REUTERS/Michael Dalder

Aktueller Vorstand rückt in Ermittlungen zur Dieselaffäre in den Fokus.

In den Ermittlungen gegen den Autobauer Audi wegen des Dieselskandals rückt nun der aktuelle Vorstand in den Fokus der Staatsanwälte. Wie die Staatsanwaltschaft München am Montag mitteilte, durchsuchten Beamte die Privatwohnungen von Audi-Chef Rupert Stadler sowie einem weiteren namentlich nicht genannten Vorstandsmitglied. Beide werden demnach seit Ende Mai als Beschuldigte geführt.

Stadler und seinem Vorstandskollegen wird Betrug sowie "mittelbare Falschbeurkundung" vorgeworfen. Sie sollen Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt verkauft haben. Die Zahl der Beschuldigten im Münchner Ermittlungsverfahren gegen Audi steigt damit auf 20. Darunter sind laut früheren Mitteilungen bereits zwei ehemalige Mitglieder des Audi-Vorstands.

Für Volkswagen-Chef Herbert Diess könnten sich die Ermittlungen gegen Stadler zu einem Problem auswachsen. Denn er setzt auf den Audi-Chef beim Umbau des Konzerns. Stadler leitet die wichtige Premiumgruppe der Wolfsburger mit der Marke Audi an der Spitze. Stadler hat jede Beteiligung an Manipulationen bestritten und konnte sich trotz interner Kritik bisher als Audi-Chef halten, weil die Eignerfamilien Porsche und Piech zu ihm halten. Die Porsche SE wollte sich zunächst nicht äußern. Über sie halten die Familien mit 52 Prozent die Mehrheit an Volkswagen.

Wie ein Audi-Sprecher sagte, kooperiert das Unternehmen mit den Behörden. Audi wurde damit bereits zum vierten Mal das Ziel von Durchsuchungen. In dem Ermittlungsverfahren geht es um den Verkauf von hunderttausenden Motoren mit einer illegalen Abgas-Software sowohl innerhalb Europas als auch in den USA. Auch Porsche statteten die Ermittler deswegen schon einen ungebetenen Besuch ab. Beide Marken gehören zum Volkswagen-Konzern, der im Dieselskandal an zahlreichen juristischen Fronten kämpft.

Vergangene Woche erst hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den offiziellen Rückruf von 60.000 A6 und A7 wegen einer manipulierten Motorsteuerung angeordnet.

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen auch gegen Mitarbeiter der Autobauer Daimler und BMW. Daimler-Chef Dieter Zetsche traf sich am Montag wegen des Vorwurfs von Abgasmanipulationen bei der Marke Mercedes erneut mit Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin.

( Agenturen ) Erstellt am 11.06.2018