Die Werber Rudi Kobza (links) und Nikolaus Pelinka.

© Kurier/Gilbert Novy

Wirtschaft
01/01/2019

Die Werbeprofis als Baristas

Rudi Kobza und Niko Pelinka haben ihr Investment in Bieder & Maier aufgestockt.

Nur weil man ein Produkt persönlich oft und gerne konsumiert, heißt das noch lange nicht, dass daraus ein Geschäft werden muss. Vor knapp einem Jahr kamen die Werber und Kommunikatoren Rudi Kobza und Niko Pelinka mit dem Start-up Bieder & Maier eher zufällig auf die Bohne. Heute, ein Jahr später, fällt die erste Bilanz positiv aus. Der Einstieg in den Kaffee-Markt scheint geglückt, die beiden haben noch einiges vor.

„Wir sind hoch zufrieden und werden den Umsatz 2019 deutlich steigern“, erzählt Pelinka. Die Kreativen haben ihr Investment von ursprünglich 50 auf mittlerweile 85 Prozent aufgestockt und das kleine Unternehmen stärker kapitalisiert.

Mehr als 200 Gastronomie- und Hotellerie-Kunden hat man bereits in Österreich, etwa das Café Engländer, die Albertina Passage, das Restaurant Vestibül und das neue Manufactum Warenhaus.

Im Einzelhandel ist Bieder & Maier derzeit bei Billa Corso und dem Merkur Hoher Markt, den Premium-Filialen des Rewe-Konzerns, gelistet.

International läuft das Geschäft langsam auch an. „Vor Kurzem haben wir die erste Palette nach New York verschifft und seit zwei Wochen sind wir im KaDeWe präsent“, begeistert sich Pelinka. Deutschlands luxuriösestes und bekanntestes Warenhaus gehört seit einigen Jahren ebenfalls zum Signa-Imperium von René Benko.

Kaffee hat zwar in Wien Weltkulturerbe-Status, „wird aber im Ausland noch mehr angenommen als in Österreich. Daher sprechen wir einen globalen Markt an“, sagt Pelinka. Bieder & Maier soll quasi eine Visitenkarte des modernen Österreich werden. Ziel: Bei Staatsbesuchen als Präsent ebenso selbstverständlich zu sein wie die Sacher-Torte oder die Manner-Schnitten.

Vorbild „Blue Bottle“

Die Österreicher trinken pro Tag im Durchschnitt drei Tassen Kaffee. Das Bohnengetränk hat längst nichts mehr mit der faden Brühe der Elterngeneration zu tun, sondern ist Teil eines hippen Lebensgefühls geworden. Vorbild für Kobza & Pelinka ist „Blue Bottle“. Die erfolgreiche Kette wurde vom Klarinettisten und Kaffee-Aficionado James Freeman gegründet und gilt im Silicon Valley als das Apple der Kaffeewelt. Das Logo „Blue Bottle“ leitet sich angeblich vom Namen des ersten Wiener Kaffeehauses, „Zur blauen Flasche“, ab.

Die Marke „Bieder & Maier“ ist klarerweise perfekt durchgestylt. Das Design ist irgendwie so altmodisch, dass es schon wieder schräg wirkt. Das Maier kommt vom Gründer, dem bekannten Barista Valentin Siglreithmaier, der Kobza & Pelinka für das Kaffeegeschäft interessierte und das Duo als Investoren an Bord holte. Sieglreihtmaier kombinierte sechs Blends. Von bester Qualität, wird betont.

Das Bieder wiederum bezieht sich auf das Biedermeier, die große Blütezeit der Wiener Kaffeehäuser.

Die gelben und weißen Verpackungen ziert eine Giraffe mit Herzchen-Muster, Stilettos und einem Reiter, der eine Kaffee-Tasse in der Hand hält. Was aber hat Kaffee mit Giraffen zu tun? Nun, das erste Exemplar kam im Biedermeier als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten 1828 an Franz I. nach Wien und inspirierte die Fantasie der Mode- und Kunstschaffenden. Und in den Kaffeehäusern schlürfte man „Kaffee à la Giraffe“.

Kobza & Pelinka definieren sich inzwischen übrigens nicht nur als Werber und Kommunikatoren, sondern immer mehr als Kreativ-Unternehmer. Neben dem Kaffee haben sie Darwin’s Circle, Österreichs derzeit größte Digitalisierungskonferenz, aufgezogen. Vordenker der internationalen Tech-Szene diskutieren über die digitale Transformation, zuletzt trat Wirecard-Boss Markus Braun in Wien auf.

Am 17. Jänner startet die Schwester-Konferenz „Darwin & Marie“ (in Anlehnung an die Wissenschaftlerin und zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie) als Format für Female Leaders. andrea.hodoschek