© Magdalena Vachova

Konsumfreudig
08/04/2013

Die Luxus-Chinesen kommen

Gäste aus dem Reich der Mitte werden zu Österreichs begehrtesten Kunden

Lu steht am Schaufenster von Gucci am Graben. Die 20-Jährige presst den Finger an die Scheibe und deutet auf eine Sonnenbrille mit viel Gold, Glitzer und sehr hohem Preis. Sie sieht fragend zu ihrer Mutter. Diese nickt. Lu jauchzt kurz auf, für sie ist Luxus-Shoppen ganz normal. In den zwei Tagen, die die chinesische Familie aus der Provinz Yunnan in Wien verbringt, soll alles möglich sein: „Wir haben kein Limit“, lacht Lu. Ihre Mutter sieht sie mahnend an und korrigiert: „Ganz so ist es nicht. Wir haben 5000 Euro pro Tag geplant.“ Diese sollen auf „all die berühmten Marken wie Louis Vuitton, Gucci und Chanel“ verteilt werden. Leider hätte der Chanel-Store aber zu und so soll das Geld kurzerhand eben zu Rolex wandern. „Wir wollen solide Marken, Qualitätsware. Wir kaufen gerne in Europa ein, weil diese Marken hier einfach viel günstiger sind“, sagt die Mutter. Die vierköpfige Familie verabschiedet sich von der sonnigen Straße in den klimatisierten Shop.

Auf der Überholspur

Lu und ihre Familie zählen zu den sogenannten „Globe Shoppers“. Sie fliegen um die Welt, fest entschlossen, mehr als nur Sachertorte aus Wien mitzunehmen. Chinesische Touristen überholten im Vorjahr mit Shopping-Ausgaben von 623 Euro pro Kopf erstmals die russischen Gäste (426 Euro) in Österreich. Zwar bleiben diese weiterhin die umsatzstärksten Shopper, die Haupt-Reisesaison für chinesische Touristen startete allerdings erst vor einem Monat und endet mit November. 60 Prozent ihres Reisebudgets haben sie für ihre Einkäufe reserviert. In anderen Ländern der Welt sind Touristen aus China längst die kauffreudigsten. „Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend auch bald bei uns durchsetzen wird“, so der Österreich-Chef des Mehrwertsteuerrückerstatters Global-Blue, Gerd Gfrerer, zu den aktuellen Zahlen.

Gold passt immer

Am Graben eilt ein Ehepaar an den Auslagen vorbei. „Wir möchten eine Kette für unsere Tochter kaufen“, sagt Lin Yang. Auch Designer-Kleider und Schuhe würde sie hier gerne anprobieren – denn die Preise stimmen, die Qualität auch. Aber dazu bleibt ihr beim Zwei-Tage-Aufenthalt in der Hauptstadt nicht genügend Zeit. „Das An- und Ausziehen dauert viel zu lange. Da nehme ich lieber etwas, das mit einem Blick passt, wie Schmuck zum Beispiel“, lächelt sie und biegt mit ihrem Mann bei Cartier ab. Ein paar Meter weiter spaltet sich ein Geschäftsmann aus Hongkong von seiner Reisegruppe ab und beäugt die Vitrine von Mont Blanc. „Schöne Sachen“, nickt er. Neben ihm lauscht ein junges Ehepaar einem Straßensänger. In Wien wollen sie vor allem eines kaufen: „Sisi“. T-Shirts, Magneten und Süßes von der Monarchin sollen mit nach Hause fliegen. Vor dem Hotel Sacher hält ein Reisebus. Die Touristen zücken ihre Sonnen-schirme und setzen Hüte auf. Während sich die Gruppe Richtung Auslage schiebt, setzen die Verkäufer bereits ihr Lächeln auf.

Neue aufstrebende Mittelschicht

Jahrelang durften sich die Deutschen „Reiseweltmeister“ nennen, im Vorjahr ging dieser Titel erstmals an das Reich der Mitte. Chinesische Touristen gaben 2012 für Auslandsreisen insgesamt 102 Mrd. Dollar (75,5 Mrd. Euro) aus: Um 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor, hat die Welttourismusorganisation UNWTO errechnet. Zum Vergleich: Die Deutschen ließen für Auslandsreisen im selben Zeitraum geschätzte 84 Mrd. Dollar springen.

Der Wohlstand im Reich der Mitte steigt. Vor allem Beamten, Unternehmern und Büroangestellten ist der Sprung in die Mittelschicht – diese umfasst bereits geschätzte 300 Millionen Chinesen – gelungen. Während sich ihre Eltern oft noch kein Fahrrad leisten konnten, fahren sie Auto und auf Urlaub. Im Jahr 2000 reisten rund zehn Millionen Chinesen ins Ausland, 2012 waren es bereits 83 Millionen. In Europa ist die Zahl der Visumanträge zwischen 2009 und 2011 um 80 Prozent gestiegen.

„Günstige“ Luxuslabels

Auch Österreich profitiert. Allein in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl asiatischer Gäste um 63 Prozent gestiegen. Als Hauptinteressen der – meist nur für ein bis zwei Zwischenstopps auf der Europatour durchreisenden – Gruppen gelten das rasche Abklappern von Sehenswürdigkeiten und das Kaufen edler Marken. Aufgrund chinesischer Importsteuern auf Luxusgüter und zusätzlicher Nachlässe auf europäische Steuern, sind die Luxuslabels aus chinesischer Sicht in Europa günstig zu erstehen. Der Preisunterschied liegt mitunter über 50 Prozent. Außerdem können sich die stolzen Käufer sicher sein, dass sie in den Luxusläden keine Fälschung gekauft haben. Designer-Outlets entlang der Route chinesischer Reisegruppen – wie jenes in Parndorf – haben die kaufkräftigen Kunden längst für sich entdeckt. Sie versuchen verstärkt, mit Reiseveranstaltern ins Geschäft zu kommen. Am häufigsten machen chinesische Touristen hierzulande aber in Wien und Tirol Halt.

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