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Wirtschaft
05/16/2019

Wie sehr das Klima den Wald noch weiter schädigen wird

Nach dem Rekord an Schadholz, das Borkenkäfer und Dürre 2018 verursacht haben, dürfte es heuer noch schlimmer werden, erwarten die Bundesforste.

Noch sind die Forstarbeiter mit dem Aufräumen des enormen Schadholz-Anfalls aus dem Vorjahr beschäftigt. Borkenkäfer haben vor allem im Wald- und Mühlviertel reihenweise die Fichten vernichtet. Dürre und Hitze haben den Bäumen zusätzlich Stress bereitet. Die Schadholzmenge 2018 ist auf das Rekordniveau von fast zehn Millionen Festmetern gestiegen. Doch heuer dürfte es noch schlimmer werden.

Rudolf Freidhager, Chef der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), ist schon jetzt sicher, dass die Schäden im Wald 2019 größer werden. Allein bei den Bundesforsten sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres 800.000 Festmeter an Schadholz angefallen. 500.000 Festmeter davon Bruchholz durch die Belastung der Bäume mit dem vielen schweren, nassen Schnee. „Ich hoffe sehr, dass der Regen lange anhält“, sagt Freidhager. Der Wald habe das Wasser bitter nötig. Wahrscheinlich aber sei, dass sich auch diesen Sommer der Borkenkäfer weiter durch die Fichtenwälder frisst. Der Käfer liebt die Trockenheit.

Kleinwald-Besitzern steht das Wasser bis zum Hals

Während größere Forstbetriebe mit den Klima-Schäden im Wald noch einigermaßen zurecht kommen, steht vielen kleineren Waldbetriebe das Wasser bis zum Hals. Allein im Vorjahr beliefen sich die Mehrkosten durch Schadholz und schwierige Aufarbeitung auf 150 Millionen Euro, sagt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst-Betriebe Österreich.
Er fordert von der Bundesregierung finanzielle Unterstützung – nicht nur zur Verlustabdeckung, sondern auch für Forschung und Innovation, um den heimischen Wald klimafitter zu machen. „Anstatt sechs Milliarden Euro an Strafen für die Nicht-Einhaltung der Klimaziele zu zahlen, sollte eine Milliarde Euro davon, verteilt über die nächsten zehn Jahre, an die privaten Forstbetriebe fließen, fordert Montecuccoli.


Aber nicht nur der Staat sei gefragt. Auch die Konsumenten müssten mithelfen, um den Klimawandel zu bremsen. „Bioökonomie“ sei das Schlagwort dafür , so der Land&Forst-Betriebe-Präsident. Das bedeutet für jeden einzelnen: Setzen auf heimische Rohstoffe wie Holz; Forcierung des Holzbaus: Umstieg auf erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Biomasse und Vermeidung von Müll, vor allem von Plastikmüll. Das alles werde etwas kosten. Aber im Vergleich zu den Kosten, die in Zukunft durch eine weitere Erderwärmung anfallen, sei das das kleinere Übel.

Ein bisschen Glück

Dabei haben die ÖBf im Vergleich zu kleineren privaten Waldbesitzern Glück. Denn der staatliche Waldbestand liegt im Durchschnitt auf 1100 Höhenmetern. „Dort ist es kälter und feuchter. Der Borkenkäferbefall ist daher geringer“, erklärt der Bundesforste-Chef. Von den 1,5 Millionen Festmetern Holzernte 2018 waren 27 Prozent vom Borkenkäfer befallen. Das sei deutlich weniger als in den Vorjahren. Insgesamt lag der Schadholzanteil bei den Bundesforsten bei 66 Prozent. Das viele Schadholz hat zwei negative Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ergebnis: Erstens verursacht die rasche Aufarbeitung, die notwendig ist, um die Verbreitung des Borkenkäfers nicht zu beschleunigen, hohe Kosten. Allein 2018 mussten die Bundesforste dafür 23,6 Millionen Euro aufwenden.

Billiges Holz

Zweitens ist der Holzpreis gewaltig unter Druck geraten. Im Durchschnitt über alle Holzarten ist der Preis von 79,4 Euro je Festmeter im Jahr 2014 auf derzeit nur noch 64 Euro gefallen. „Das Dramatische daran ist aber, dass es rund um Österreich noch viel billigeres Schadholz gibt. In manchen Gebieten im Osten Deutschlands wird Holz sogar verschenkt“, betont Freidhager. Die heimischen Säge- und Holzindustrie importiert so viel wie schon lange nicht mehr.

Um nicht allein vom schwierigen Holzmarkt abhängig zu sein, haben die Bundesforste schon vor Jahren auf Diversifikation der Geschäftsfelder gesetzt. Schon 42 Prozent der Betriebsleistung stammten aus Immobilien, Jagd, Fischerei und erneuerbaren Energien, erklärt ÖBf-Vorstand Georg Schöppl. Damit hätten die Bundesforste den Rückgang des Ergebnisses vor Steuern auf zehn Prozent zu beschränken. Das ist auch gut für die Steuerzahler. Denn die ÖBf lieferten für 2018 fast 21 Millionen Euro ins Staatsbudget ab. „Rund um Österreich schreiben die Staatsforste Verluste“, sagt der ÖBf-Vorstand. Mittelfristig will Schöppl das Nicht-Forstgeschäft weiter ausbauen. Es soll zumindest auf die Hälfte der Betriebsleistung, die im Vorjahr 238 Millionen Euro betrug, wachsen.

Gleichzeitig sind die Staatsförster damit beschäftigt, den heimischen Wald an die geänderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Dürre-beständigere Laubbäume statt der Fichte werden in der Aufforstung bevorzugt. Der „neue Wald“ sollte plus zwei Grad Durchschnittstemperatur aushalten. „Was passiert, wenn es noch wärmer wird, weiß derzeit niemand“, betont Freidhager.

Kleinwald-Besitzern steht das Wasser bis zum Hals

Während größere Forstbetriebe mit den Klima-Schäden im Wald noch einigermaßen zurecht kommen, steht vielen kleineren Waldbetriebe das Wasser bis zum Hals. Allein im Vorjahr beliefen sich die Mehrkosten durch Schadholz und schwierige Aufarbeitung auf 150 Millionen Euro, sagt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst-Betriebe Österreich.
Er fordert von der Bundesregierung finanzielle Unterstützung – nicht nur zur Verlustabdeckung, sondern auch für Forschung und Innovation, um den heimischen Wald klimafitter zu machen. „Anstatt sechs Milliarden Euro an Strafen für die Nicht-Einhaltung der Klimaziele zu zahlen, sollte eine Milliarde Euro davon, verteilt über die nächsten zehn Jahre, an die privaten Forstbetriebe fließen, fordert Montecuccoli.


Aber nicht nur der Staat sei gefragt. Auch die Konsumenten müssten mithelfen, um den Klimawandel zu bremsen. „Bioökonomie“ sei das Schlagwort dafür , so der Land&Forst-Betriebe-Präsident. Das bedeutet für jeden einzelnen: Setzen auf heimische Rohstoffe wie Holz; Forcierung des Holzbaus: Umstieg auf erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Biomasse und Vermeidung von Müll, vor allem von Plastikmüll. Das alles werde etwas kosten. Aber im Vergleich zu den Kosten, die in Zukunft durch eine weitere Erderwärmung anfallen, sei das das kleinere Übel.