Wirtschaft
29.03.2018

Die fünf Wünsche der österreichischen Stromkunden

Die Strommarktaufseher haben Clicks im Tarifkalkulator analysiert und Verbraucher befragt.

17 Jahre nach der Liberalisierung des österreichischen Strommarkts  kommt endlich Leben in die Energieverbraucher-Welt. Die Abwehr gegen das Lesen von Stromrechnungen und die Angst vor sinkender Versorgungssicherheit bei einem Wechsel des Lieferanten ist zumindest bei einem Großteil der heimischen Stromkunden überwunden.
„Wir haben den Eindruck, dass sich die Kundinnen und Kunden inzwischen recht gut im Strom- und Gasmarkt zurechtfinden“, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch im Gespräch mit dem KURIER. Das zeigt auch der Wechsel-Rekord des Vorjahres. 241.000 Konsumenten haben 2017 einen neuen Stromversorger gewählt. Das sind 4,3 Prozent aller Stromabnehmer. Was die energetischen Vorlieben dieser Wechsel-Kunden sind, hat die E-Control nun    aus den Anfragen im Tarifkalkulator und aus einer Verbraucherumfrage herausgefiltert:

Gesamtrechnung

47 Prozent aller Nutzer des Tarifkalkulators der E-Control klickten den Filter „gemeinsame Rechnung für Energie und Netz“ an. Dass es nach dem Lieferantenwechsel plötzlich getrennte Rechnungen – eine vom neuen Anbieter für den Strom und eine von der Netzgesellschaft für den Stromtransport – gibt, ist vielen Kunden nicht recht. Sie wünschen sich einen besseren Überblick durch eine gemeinsame Rechnung.

Preisgarantie

Bei 41 Prozent der Abfragen wird nach Angeboten mit Preisgarantie gesucht. „Grundsätzlich ist der Preis der Hauptgrund für einen Lieferantenwechsel. Die Kunden wollen häufig aber längerfristige Sicherheit“, sagt Urbantschitsch.

Neukundenrabatt

Die großzügigen Rabatte, mit denen Stromanbieter um Kunden werben, sind tatsächlich ein Lockmittel. 30 Prozent der Wechsel-Interessenten klicken diesen Rabatt bei ihrer Suche aber weg. Die Sorge der E-Control, dass Kunden diesen Rabatt falsch einschätzen und nicht wüssten, dass sie im zweiten Jahr dann mehr zahlen, scheint unbegründet. Denn die Verbraucherumfrage hat ergeben, dass 85 Prozent die begrenzte Laufzeit des Rabatts korrekt einschätzen.

Ökostrom

Für 31 Prozent der Nutzer des Tarifkalkulators ist die Herkunft des Stroms wichtig. Sie wollen elektrische Energie, die -frei erzeugt wird – also Strom aus Wasserkraft, Wind- oder Sonnenenergie.

Österreichisch

Für fast ein Viertel der Wechsel-Interessierten kommt nur Strom aus Österreich in Frage. Sie wollen dies auch durch entsprechende Herkunftszertifikate belegt sehen.

Zunehmend wichtig wird laut Urbantschitsch auch die Frage, wie viel der Netzbetreiber für eine Einspeisung von Strom zahlt. Das hängt mit der Ausbreitung der privaten Photovoltaik-Stromerzeuger zusammen, die ihre Energieüberschüsse verkaufen wollen. Wachsendes Interesse sieht die E-Control auch an regelmäßigen Daten zum Stromverbrauch. „Das lässt sich nur durch Smart Meter lösen“, sagt der E-Control-Vorstand, der allgemein wenig Gegenwind gegen diese elektronischen Datensammler erkennt. 70 Prozent hätten angegeben, mehr Informationen über den eigenen Stromverbrauch zu wünschen. 48 Prozent wollen diese Info mindestens einmal im Monat bekommen. irmgard kischko