Wirtschaft
27.11.2018

Deutsche wollen Österreichs Fahrradmarkt aufmischen

Die deutsche Handelskette Zweirad Stadler kommt nach Österreich und heizt den Wettbewerb im Billigsegment an.

Noch ist es nicht offiziell, doch die Entscheidung soll bereits gefallen sein: Die deutsche Fahrradhandelskette Zweirad Stadler – laut eigenen Angaben „Deutschlands größtes Zweiradcenter“ – ist auf dem Sprung nach Österreich. „Man hört, dass es nur noch um die Standortsuche geht und zunächst mit einem Geschäft gestartet werden soll“, sagt Michael Nendwich, Berufszweigvorsitzender des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich.

Ein möglicher erster Standort könnte in der Umgebung der Shopping City Süd eröffnen. Den Süden Wiens hält Nendwich als eines der wahrscheinlichsten Gebiete, da hier eine Art Cluster mit dem Fahrrad-Geschäft des ehemaligen Radrennfahrers Bernhard Kohl und einem großen Sportsdirect-Standort, der auf Eybl zurückgebrandet wurde, entstanden sei.

Viele Marken

Zweirad Stadler ist laut Nendwich ein Fahrradanbieter mit Zugang zu vielen Marken, außerdem ist das Unternehmen preisaggressiv unterwegs. „So ein Markteintritt ist für den Sportfachhandel grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, vielleicht im Fahrradbereich ein bisschen neu“, sagt Nendwich. Insgesamt seien das jedoch keine tragischen Neuigkeiten, da bereits jetzt Fahrräder über billige Vertriebsschienen verkauft würden, wie etwa beim Lebensmitteldiskonter Hofer. Der Fachhandel dagegen biete ein breites Spektrum für jeden Preis.

Neue Billiganbieter könnten laut Nendwich sogar Elan in die Branche bringen: „Oft sind billige Räder für Neueinsteiger interessant. Und die kommen dann nachher zu uns.“ Mittelfristig schätzt er, dass Zweirad Stadler 10 bis 15 Standorte in Österreich eröffnen könnte. Sollte sich das Geschäft rentieren, wären wesentlich mehr Standorte möglich. „Der Fahrradmarkt entwickelt sich in Österreich gut, das ist ein starkes Wachstumssegment“, sagt Nendwich.

Erfolgreichstes Jahr

In den vergangenen zwei Quartalen hat es ein Umsatzplus von zwei Prozent gegeben, Nendwich ist auch für das letzte Quartal optimistisch. Unterm Strich könnte das Umsatzplus heuer bei über zwei Prozent liegen. 2017 wurden in Österreich 414.000 Fahrräder abgesetzt, was einem Umsatz von 437 Millionen Euro entspricht. Damit war es das erfolgreichste Jahr am österreichischen Markt seit 2010. Für starke Zuwächse sorgen E-Bikes, die bald ein Drittel des gesamten Absatzes ausmachen. Stärkste Zuwächse werden derzeit beim E-Mountainbike verzeichnet.

Zweirad Stadler wollte sich gegenüber dem KURIER zum Markteintritt in Österreich nicht äußern. Das Familienunternehmen wurde 1936 gegründet, hat seinen Sitz in Regensburg, betreibt in Deutschland derzeit 19 Standorte und hat rund 1400 Mitarbeiter.

Thomas Pressberger