© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
01/12/2021

Deutsche Textilkette Adler Mode darf sich in Eigenregie sanieren

Amtsgericht genehmigte Insolvenz in Eigenverwaltung. Mannheimer Rechtsanwalt zum Sachwalter bestellt.

Der deutsche Billig-TextilhÀndler Adler ModemÀrkte darf sich in Eigenregie sanieren. Das Amtsgericht Aschaffenburg gab dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung statt, wie Adler am Dienstag mitteilte. Damit bleibt der Vorstand im Amt, jedoch unter der Aufsicht eines Sachwalters, der die Interessen der GlÀubiger vertritt.

Damit sei der Rechtsanwalt Tobias Wahl von der Mannheimer Kanzlei Anchor beauftragt worden, der als Insolvenzverwalter unter anderem den BuchgroßhĂ€ndler KNV saniert hat. Er hatte fĂŒr das Gericht bereits ein Gutachten ĂŒber die Lage bei Adler Mode angefertigt. Adler will sich nun ĂŒber einen Insolvenzplan sanieren, das GeschĂ€ft soll weitergefĂŒhrt werden - allerdings zunĂ€chst hinter geschlossenen GeschĂ€ftstĂŒren.

Die Auslandstöchter sind von der Insolvenz derzeit nicht betroffen. Adler ist auch in Österreich mit 24 Filialen vertreten und beschĂ€ftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen plant, die GeschĂ€fte hierzulande nach dem Lockdown wieder zu öffnen.

Das deutsche Unternehmen aus dem unterfrĂ€nkischen Haibach hatte am Montag angesichts geschlossener GeschĂ€fte wĂ€hrend der Coronakrise Insolvenz wegen Überschuldung angemeldet und den Sanierungsexperten Christian Gerloff angeheuert.

Die angeordnete Schließung fast aller 171 GeschĂ€fte in Deutschland habe zu einem neuerlichen Umsatzeinbruch und einer "LiquiditĂ€tslĂŒcke" gefĂŒhrt, hatte Adler erklĂ€rt. Es sei nicht gelungen, frisches Geld von Investoren oder Staatshilfen zu bekommen.

Adler hat sich auf Kunden ĂŒber 55 Jahre spezialisiert und hat es deshalb schwer, auf den Onlinehandel auszuweichen. Der Umsatz war in den ersten neun Monaten - also schon von dem zweiten "Lockdown" in Deutschland - um ein Drittel eingebrochen, der Verlust summierte sich bis dahin auf 63 Mio. Euro.

Überschuldung liegt vor, wenn ein Unternehmen in absehbarer Zeit seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfĂŒllen kann. Offenbar hatte Adler angesichts der prekĂ€ren Lage keine positive FortfĂŒhrungsprognose von einem externen Experten mehr attestiert bekommen. Mit dieser BestĂ€tigung guter Sanierungschancen hĂ€tte sich eine Insolvenz wegen Überschuldung abwenden lassen. Adler hatte im FrĂŒhjahr einen Hilfskredit ĂŒber 69 Mio. Euro erhalten, der mit einer StaatsbĂŒrgschaft abgesichert war. Bis Ende Oktober hatte das Unternehmen mit seinen 3.350 Mitarbeitern aber nur zwei Drittel davon in Anspruch genommen.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare