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Wirtschaft
01/06/2019

Der Oldtimer-Branche gehen die Mechaniker aus

Viele Oldtimer-Mechaniker kommen in die Jahre und gehen in Pension. Die Jungen beherrschen oft die Technik nicht.

Eine Ausfahrt mit dem eigenen Oldtimer ist für viele Österreicher das höchste der Gefühle. Aber was tun, wenn es unterwegs zu einer Panne kommt oder eine Reparatur ansteht? Dann wird es oft kniffelig, sagt Christian Schamburek, Generalsekretär des Kuratoriums Historische Mobilität Österreich. „Es gibt ein Nachwuchsproblem bei Professionisten.“ Es handle sich um ein altes Handwerk, das besondere Fertigkeiten verlange, zum Beispiel die Verarbeitung von Holz für Armaturen oder das Dengeln von Aluminium für die Karosserie.

„Es gibt noch welche, die das Know-how haben, aber die sind oft schon in fortgeschrittenem Alter“, sagt Schamburek. Manche konnten ihr Wissen an einen Lehrling weitergeben, weshalb es heute noch einige 40- bis 45-Jährige gebe, die mit der Materie vertraut seien. Experten seien in der Regel komplett ausgebucht. „Wer eine Reparatur braucht, bekommt sie meist erst in ein paar Wochen“, erzählt Schamburek.

Wenige Ausnahmen

Es gibt aber auch positive Beispiele, wie eine 19-jährige Mechanikerin, die ihren eigenen Opel Kadett selbst restauriert hat oder ein 25-jähriger Nachwuchsmechaniker, der mehrere Aufträge an Land gezogen hat und daran denkt, sich selbstständig zu machen. Dabei handle es sich aber eher um Ausnahmen.

Faktum ist: 94 Prozent aller Unternehmen, die sich mit der Reparatur von Oldtimern beschäftigen, haben Probleme, qualifiziertes Personal zu finden, sagt Schamburek. Der Mangel an Fachkräften geht quer Beet durch alle Professionen und Marken. „In Wien gibt es zum Beispiel nur noch einen Vergaser-Experten. Das ist der Letzte seiner Art in Österreich.“ Dieser habe hunderte Schubladen mit verschiedenen Vergasernadeln, Düsen und anderen Teilen, was die Komplexität dieser Materie verdeutliche.

Die Gründe für den Mechaniker-Mangel liegen in der technischen Entwicklung: „Wer früher ein Mechaniker war, ist heute ein Mechatroniker. Die Diskrepanz zwischen der alten und der neuen Technik wird immer größer“, so der Experte. Außerdem finde die alte Technik in der modernen Lehrlingsausbildung keinen Platz mehr. Sonderkurse zum Thema Oldtimertechnik wären dringend nötig.

Goldener Boden

Eine andere Möglichkeit wäre, Schülern bei Projekttagen das Thema Oldtimer näherzubringen. Leider sei eine Lehre weniger gefragt als ein Studium, obwohl das Handwerk in dieser Branche wahrlich goldenen Boden habe. Denn Oldtimer werden nach wie vor stark nachgefragt. Viele junge Menschen kommen über Youngtimer – Fahrzeuge, die 20 bis 25 Jahre alt sind – auf den Geschmack von historischen Autos.

Die Gründe, warum Menschen Oldtimer fahren, sind völlig verschieden. „Das geht von einem jungen Schrauber, der einen VW von der Tante geerbt hat, bis hin zum Millionär, der 200 Autos in der Garage stehen hat“, meint Schamburek. Viele hätten einen emotionalen Zugang, der meist aus der Jugend komme – sei es das alte Auto vom Opa, oder das Auto, mit dem man mit den Eltern immer in den Urlaub gefahren sei.

Wachsender Markt

In den vergangenen zehn Jahren seien zunehmend Investoren dazugekommen. Der Markt wachse, die Preisrallye des vergangenen Jahrzehnts sei jedoch abgeflacht – außer es handle es sich um ganz spezielle Fahrzeuge mit besonderer Historie. In die Zukunft blickt Schamburek trotz allem optimistisch. Alte Fahrzeuge werden ein Thema bleiben, glaubt er. Die Jugend, die in der digitalen Welt aufwachse, werde das Manuelle, das Schrauben, auch in Zukunft spannend finden.

96.000 Österreicher besitzen mindestens ein historisches Fahrzeug, im Schnitt sind es 3,2 Fahrzeuge. Der typische Oldtimerfahrer in Österreich ist männlich und zwischen 41 und 60 Jahre alt. Insgesamt sind in Österreich 257.800 Oldtimer zugelassen, deren Wert bei rund 3,7 Milliarden Euro liegt. Ein Fahrzeug ist durchschnittlich 23.000 Euro Wert und fährt pro Jahr 700 Kilometer, was 0,2 Prozent der in Österreich insgesamt gefahrenen Kilometer pro Jahr entspricht. Der Umsatz der Oldtimer-Branche liegt bei 690 Millionen Euro jährlich. Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet in den kommenden Jahren mit steigenden Umsätzen.