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Wirtschaft
09/30/2012

Das Silicon Valley von Oberschlesien

Einst ein tristes Zentrum der sozialistischen Stahlindustrie, setzt das polnische Gliwice mittlerweile auf Forschung und Entwicklung.

Jonathan Tinkler, britischer Chef der Baufirma Helical Poland, freut sich dieses Jahr besonders auf den Advent. Dann sollen auf dem heute staubigen Areal nahe der Industriestadt Gliwice/Gleiwitz (190.000 Einwohner) die konsumfreudigen Polen beim größten Shoppingzentrum Mitteleuropas vorfahren. Bisher stehen allein die Rohbauten.

Die Erfolgsformel für das 67.000 m² große und 120 Millionen teuere "Europa Centralna" lautet "A1 kreuzt sich mit A4" – der nahe Knoten der beiden Autobahnen soll die Bewohner aus dem oberschlesischen Kohlerevier und darüber hinaus erschließen. Neben der Region um Warschau leben hier die wohlhabendsten Polen.

Vor rund 20 Jahren, nach der Wende, hatte das Industriegebiet rund um Gliwice mit seinen veralteten Anlagen große Schwierigkeiten. Viele Zechen und Stahlwerke machten zu, Hunderttausende wurden arbeitslos, ein beispielloser sozialer Niedergang setzte ein. Heute liegt die Arbeitslosigkeit in Gliwice bei nur 6,8 Prozent, der Landeswert bei rund 13 Prozent.

"Polen braucht einen Mentalitätswechsel", erklärt Zygmunt Frankiewicz, Oberbürgermeister von Gliwice dem KURIER am Rande der Veranstaltung "Tage der Wissenschaft und Industrie". Wissenschaft und Markt müssten mehr verzahnt werden, so seine Überzeugung, mit der er seit 1993 durchgehend regiert.

Start-Ups

Um die angehenden Ingenieure der Gliwicer Technischen Hochschule nicht zu verlieren, etablierte die Stadt einen "Technologie-Park" und einen "Business-Park" auf dem Gelände eines ehemaligen Bergwerks, wo kleine Start-Ups billig Raum finden, um ihre Ideen zu entwickeln. Zudem ist Gliwice Mitglied im WTA, einem koreanisch-geleiteten globalem Netzwerk von "Wissenschaftsstädten", die sich "Technopolis" nennen. Wir wollen ein "Silicon Valley" in Oberschlesien sein, meint Frankiewicz selbstbewusst.

Die große Wende kam durch General Motors, das erste  Unternehmen, das 1996 in der damals gegründeten Sonderwirtschaftszone ansässig wurde.  Zulieferer und Logistik-Unternehmen folgten, insgesamt sind in der Sonderwirtschaftszone 14.000 Jobs geschaffen worden. All diese Betriebe haben eines gemeinsam – sie stellten kaum ältere Leute ein, sondern setzten  auf die Jugend. Die meisten Arbeitslosen von damals sind nun im Rentenalter und scheinen nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf.

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