Wirtschaft
13.06.2018

Crowdfunding: Leichterer Zugang zum Schwarm

Die untere Schwelle, unter der keine Informationspflicht besteht, wird angehoben.

Vom Erfinder, der Geld für die Marktreife braucht, bis zum etablierten Unternehmen, das expandieren will – der Finanzierungsform Crowdfunding bedienen sich Start-ups genauso wie kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU). Seit Bestehen der österreichischen Crowdfunding-Plattformen im Jahr 2013 konnten 199 Projekte mit insgesamt fast 54 Millionen Euro mit Hilfe des Schwarms finanziert werden, so die Daten des Ministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort.

Damit mehr Unternehmen als bisher Zugang zum Crowdfunding bekommen, hat der Ministerrat am Mittwoch eine Novellierung des Alternativfinanzierungsgesetzes (AltFG) beschlossen. „Crowdfunding und Crowdinvesting sind in Österreich innerhalb kurzer Zeit zu wichtigen Finanzierungsmitteln geworden. Durch die Ausweitung der Schwellenwerte erleichtern wir die Kapitalisierung unserer Unternehmen und bauen bürokratische Hürden ab“, so Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck.

Die Eckpunkte der Novelle:

KMU-Definition fälltKünftig muss der Emittent nicht mehr unter die KMU-Definition fallen. Laut Empfehlung der EU-Kommission sind Kleinstunternehmen jene mit bis neun Mitarbeiter und weniger als zwei Millionen Euro Umsatz. Kleinbetriebe haben bis zu 49 Mitarbeiter (weniger als zehn Millionen Euro Umsatz). Und mittlere Unternehmen haben bis zu 249 Mitarbeiter (weniger als 50 Millionen Umsatz).

Neue SchwellenwerteDie untere Schwelle, unter der gar keine Informationspflichten bestehen, wird von 100.000 auf 250.000 Euro angehoben. Damit hätten mehr Unternehmen die Möglichkeit, sich über Crowdfunding zu finanzieren, so Ministerin Schramböck. Zwischen 250.000 und weniger als zwei Millionen Euro ist das Informationsblatt nach AltFG zu erstellen. Eine Ausnahme gibt es für Veranlagungen, deren aushaftender Betrag binnen sieben Jahren fünf Millionen Euro übersteigt. Diese unterliegen der Prospektpflicht gemäß Kapitalmarktgesetz. In dieser Größenordnung sei eine Inanspruchnahme des Kapitalmarktes zu sehen, die angemessene Informationen für Anleger erfordere, befand der Ministerrat. Bei Emissionen zwischen zwei und weniger als fünf Millionen Euro wird ein vereinfachter Prospekt verlangt. Erst ab einem Emissionsvolumen von fünf Millionen Euro ist der volle Kapitalmarktprospekt notwendig.

Bei der Grenze für Crowdfunding-Anleger hat sich durch die Novelle nichts geändert. Eine Privatperson darf ohne Einkommensnachweis höchstens 5000 Euro pro Projekt im Jahr investieren. Diese Grenze bleibe aus Anlegerschutzgründen erhalten.