Zuletzt war das Unternehmen als Fiat-Werkstätte tätig

© APA/dpa-Zentralbild

Creditreform
02/03/2015

Privatinsolvenzen auf tiefstem Stand seit 2007

Pro Werktag kam es im Vorjahr zu 38 Privatinsolvenzen und 22 Firmeninsolvenzen. Rückgang um 6 Prozent.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 sind die Privatinsolvenzen um 6 Prozent auf 9.508 eröffnete Verfahren zurückgegangen. Das ist der niedrigste Wert seit 2007. Firmeninsolvenzen stagnierten bei 5.600 eröffneten Verfahren, ein Minus von 0,5 Prozent. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten endgültigen Zahlen der Creditreform-Insolvenzstatistik 2014 hervor.

Pro Werktag kam es somit im Vorjahr zu rund 38 Privatinsolvenzen und rund 22 Firmeninsolvenzen. Die durchschnittliche Verschuldung eines privaten Schuldners beläuft sich auf rund 70.000 Euro. Der "typische" Schuldner ist männlich, zwischen 30 und 50 Jahre alt, lebt in der Stadt und verfügt nur über eine unterdurchschnittliche (Aus-)Bildung. Insgesamt wurden im Vorjahr 14 von 10.000 erwachsenen Personen zahlungsunfähig. Für 2015 wird mit einem weiteren Rückgang auf rund 9.000 Privatinsolvenzverfahren gerechnet.

Mehr Insolvenzen in Oberösterreich

Entgegen dem bundesweiten Trend sind die Privatinsolvenzen in Oberösterreich leicht gestiegen (+0,4 Prozent). Den stärksten prozentuellen Rückgang gab es mit 22,7 Prozent in Vorarlberg. Absoluter Spitzenreiter ist die Bundeshauptstadt mit über 3.800 Fällen. Fast 28 von 10.000 erwachsenen Wienern wurden insolvent. 40 Prozent aller Insolvenzverfahrenen finden somit in Wien statt.

Die Kehrseite dieser an und für sich erfreulichen Entwicklung liegt laut den Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer darin, dass sich aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit viele überschuldete Personen mangels Einkommen eine Entschuldung mittels Zahlungsplan nicht leisten können. Diese Personen blieben auf das Exekutionsminimum gepfändet und hätten keine ökonomische Zukunft - und für die Gläubiger sei ebenso wenig zu holen. Insgesamt sei das für die heimische Konjunktur schlecht. Weinhofer fordert einmal mehr die Einführung eines Pflichtschulfaches "Finanzbildung".

Managementfehler als Hauptursache

Bei den Firmeninsolvenzen hat sich der Rückgang gegenüber dem Jahr 2013, wo die Zahl der Insolvenzen noch um rund 10 Prozent gesunken war, deutlich abgeflacht. Die Hauptursachen der Firmenpleiten werden zu zwei Drittel in Managementfehlern gefolgt vom Kapitalmangel gesehen. Mehr als 55 Prozent gehen auf die angespannte Wirtschaftslage zurück, mit steigender Tendenz.

Die Stagnation der heimischen Wirtschaft schlägt sich vor allem auf Klein- und Kleinstunternehmen durch. Die Insolvenzpassiva von rund 3 Mrd. Euro und die Zahl der betroffenen Dienstnehmer (rund 18.000) als auch die Zahl der Gläubiger (rund 72.000) sind im Vorjahr stark zurückgegangen.

Eine steigende Zahl an Firmeninsolvenzen gab es in Vorarlberg, der Steiermark und in Oberösterreich. Den stärksten Rückgang gab es in Salzburg. Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit über 20 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Österreichweit wurden im Durchschnitt mehr als 15 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt.

Betroffene Branchen

Die am stärksten betroffenen Branchen sind die Branche "Bauwesen" und die Branche "Verkehr- und Nachrichtenübermittlung" mit 35 bzw. 33 Insolvenzen je 1.000 Branchenunternehmen. Den stärksten Zuwachs verzeichnete ebenfalls der Bau mit einem Plus von 16,6 Prozent, den stärksten Rückgang meldete die Branche "Unternehmensbezogene Dienstleistungen" mit einem Minus von 23,3 Prozent.

Pessimistischer Ausblick

Für 2015 zeigt sich Weinhofer eher pessimistisch. Die im Herbst 2014 befragten 1.700 österreichischen KMU schätzen die Lage ihres Unternehmens, der betreffenden Branche als auch der Gesamtwirtschaft für die kommenden sechs Monate so schlecht ein wie zuletzt 2007 ein. "Vorausschauendes Risikomanagement ist in diesen volatilen Zeiten mehr denn je das Gebot der Stunde für die Unternehmen", betont Weinhofer.

Zu den größten Firmenpleiten zählten 2014 die Pleite der ERR Rail Rent Vermietungs GmbH mit 264 Mio. Euro Passiva, die FMW Industrieanlagen GmbH (38 Mio.) und DiTech mit 30 Mio. Euro. Die meisten Mitarbeiter wurden von den Insolvenzen der Holland Blumen GmbH (320 Personen), Krobath Wasser Wärme Wohlbehagen GmbH (292) und DiTech (254) betroffen.
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.